30 Jahre nach Rio Reisers Tod: Sein Einfluss bleibt lebendig
Ein Denkmal im Kreuzberg und die Versammlungen zahlreicher Fans an seinem Grab auf dem Alten St. Matthäus-Friedhof in Schöneberg bezeugen, dass Rio Reiser auch 30 Jahre nach seinem Tod am 20. August 1996 unvergessen bleibt. Seine Lieder und Gedichte werden in Form eines gelben Bändchens in Reclams Universal-Bibliothek gewürdigt, während sein Nachlass im Deutschen Literaturarchiv in Marbach aufbewahrt wird. Reisers Erbe als Musiker, Songwriter und außergewöhnlicher Künstler ist fest im kulturellen Gedächtnis verankert.
Reiser hat als einer der ersten gezeigt, wie deutschsprachige Rockmusik klingen kann. Mit einprägsamen Texten, die bis heute gehört und gecovert werden, wie „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“, „Alles Lüge“, „Keine Macht für Niemand“, „Mein Name ist Mensch“ und dem Klassiker „König von Deutschland“ prägte er die Musikwelt. Als Frontmann und Gitarrist der 1970 gegründeten Band „Ton Steine Scherben“ prägte er über 15 Jahre lang den Sound einer Ära, die von staatlichen Protesten, dem Terror der Roten Armee Fraktion und Hausbesetzungen geprägt war.
Doch Reisers größte Erfolge feierte er als Solokünstler: Titel wie „König von Deutschland“, „Junimond“ und „Für immer und dich“ landeten hoch in den Charts und berühren auch heute noch, wenn diese von jüngeren Künstlern neu interpretiert werden. „Text und Musik bilden bei ihm eine Einheit, die Songs drücken ein Lebensgefühl aus“, erklärt Drummer Funky Götzner, eines der Ur-Mitglieder der „Scherben“. Gemeinsam mit Bassist Kai Sichtermann tritt er derzeit mit Birte Volta auf, einer Sängerin der neuen Generation, die Reisers Songs mit ihrer Stimme interpretiert. „Gerade für junge Menschen bieten die Songs Halt und Orientierung“, so Volta.
Rio Reiser wurde 1950 als Ralph Christian Möbius in Berlin geboren. Schon früh interessierte er sich für Musik und begann mit 14 Jahren, eigene Songs zu schreiben. Nach einem gescheiterten Fotografenlehrling entschied er sich für eine Musikkarriere. 1966 kam er in die Band von Gitarrist Ralph Peter Steitz. 1967 zog er mit seinen Brüdern Peter und Gert nach Berlin und gründete die Theatergruppe „Hoffmanns Comic Theater“, für die er Lieder schrieb. Der Protesthit „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ wurde später zu einem Klassiker der „Ton Steine Scherben“.
Die Band, zu der neben Reiser auch Wolfgang Seidel und Sichtermann gehörten, wurde schnell bekannt, und Reisers Stimme wurde zur Stimme einer ganzen Generation. Die „Scherben“ gründeten 1975 ihr eigenes Plattenlabel und zogen in ein Bauernhaus in Schleswig-Holstein. In diesem kreativen Umfeld entstanden bedeutende Songs, während Reiser sein Schwulsein offen auslebte, was in der damaligen Zeit noch taboo war.
Im Laufe der Jahre wurde Reisers Musik zunehmend persönlicher und melancholischer. Neben seiner Arbeit für „Ton Steine Scherben“ schrieb er auch für andere Musiker und trat in Filmen auf. 1977 bekam er den Bundesfilmpreis in Gold. Nach der Auflösung der „Scherben“ 1985 startete er seine Solokarriere, die 1986 mit seinem Album „Rio I.“ begann und großen Erfolg hatte.
Reiser setzte sich weiterhin mit seiner Musik für gesellschaftliche Themen ein. Seine politischen Texte fanden Gehör, der Song „König von Deutschland“ wurde zum Hit im Wahlkampf der PDS. Trotz gesundheitlicher Probleme und dem Einfluss von Drogen und Alkohol tourte der Künstler unermüdlich bis zu seinem Tod 1996 in seinem Bauernhaus in Fresenhagen, wo er an Kreislaufversagen starb.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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