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Wiedereröffnung des Praters: Ein Festival der Begeisterung

Julian K. · 03. Oktober 2026, 05:31 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 5 Aufrufe
Wiedereröffnung des Praters: Ein Festival der Begeisterung

Die Wiedereröffnung des Theaters im Prater sorgte für einen enormen Andrang auf dem durch Bauarbeiten verengten Gehweg der Kastanienallee. Ein Mann verlief sich in der Menge und suchte Karten, fast schon wie bei einem Popkonzert, und versuchte, mit einem Besucher aus Estland ins Gespräch zu kommen. Am Freitagabend war es endlich soweit: Der Theatersaal öffnete nach einer langen Sanierungsphase wieder seine Türen.

Zehn Jahre lang blieb der Saal dunkel, während die Bauarbeiten sich hinzogen – ein Verzug, der selbst die des BER übertraf. Am Abend der Wiedereröffnung zeigte die Volksbühne um 20 Uhr die Uraufführung von „Perfection“, inspiriert von Vincenzo Latronicos Roman. Die Inszenierung wird in deutscher und englischer Sprache aufgeführt und schildert die Geschichte eines Expat-Paares in Berlin. Die Volksbühne hebt hervor, wie der historische Prater mit seiner Vergangenheit als ehemaliges Volkstheater und als Zentrum eines Immobilienstreits eine eigenständige, thematische Kulisse für die Aufführung schafft.

Die Regie übernahm die Berliner Regisseurin Anta Recke, und die Premiere markierte eine Rückkehr für die Schauspielerin Inga Busch, die zuvor in verschiedenen Inszenierungen aufgetreten war. Anschließend feierte das Theater eine große Eröffnungsfeier auf dem gesamten Gelände der Kastanienallee.

Der Prater hat eine lange Geschichte, die im Jahr 1837 begann, als der Wirt Porath an der Kastanienallee 7 einen Bierausschank eröffnete. Die Gegend war damals noch kaum erschlossen, und die Straße war ein lehmiger Weg außerhalb der Stadt. Der Grundbesitzer Wilhelm Griebenow ließ die Allee mit Kastanien bepflanzen, was dem Ort seinen Namen gab. Mit der Zeit wuchs der Prater, entwickelte sich von einem einfachen Ausschank zu einer bekannten Vergnügungsstätte mit Varieté und Operette.

Im Jahr 1880 wurde eine Freiluftbühne erbaut und 1902 entstand ein eigenes Theatergebäude. Der Prater war auch ein Ort der politischen Versammlung: Im Jahr 1871 gründete sich hier der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Zerstörung des ursprünglichen Theaters am Rosa-Luxemburg-Platz wurde die Volksbühne zur Ausweichbühne im Prater. Auch in der DDR hatte der Prater eine Bedeutung als Kulturhaus, in dem zahlreiche DEFA-Filmpremieren stattfanden. 1992 investierte die Stadt 3,2 Millionen D-Mark in die Sanierung, jedoch blieb die Eröffnung lange Zeit aus, da die Mittel nicht ausreichten. Erst 1996 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Die Volksbühne unter dem langjährigen Intendanten Frank Castorf entwickelte sich zu einem Ort für avantgardistisches Theater unter dem Einfluss von René Pollesch. Zahlreiche bedeutende Werke, die heute als Meilensteine gelten, entstanden in dieser Zeit. Pollesch, der 2024 verstarb, wurde als einer der einflussreichsten Dramatiker seiner Generation geschätzt.

Bereits im September eröffnete die kommunale Prater Galerie mit der Ausstellung „Courage: Schwestern im Geiste“, die sich mit gesellschaftlichem Widerstand auseinandersetzt. Nun ist das Theater bereit, wieder regelmäßig zu spielen, und weitere Premieren sind bereits geplant, darunter die Uraufführung „CURSED a preinvented world“ am 10. Dezember.

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Julian K.

Über den Autor

Julian K. Redakteur für Sport, Kultur & Lokales

Julian K. ist im Berliner Kiezleben zu Hause und hält den Puls der Stadt im Blick. Seine Berichterstattung deckt das gesamte Spektrum ab – vom Profi- und Breitensport über Kulturveranstaltungen bis hin zu Eilmeldungen aus den zwölf Bezirken. Dank seines starken Netzwerks gehört er zu den Ersten, wenn es um aktuelle Ereignisse in der Metropolregion geht.

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