Nach Hackerangriff: Datenauktion endet, große Mengen veröffentlicht
Der Countdown lief stetig ab und am Freitag um 15:35 Uhr war es soweit: Die Auktion der Daten, die durch kriminelle Hacker aus dem Berliner Landesnetz gestohlen wurden, endete. Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), äußerte, dass bislang möglicherweise nicht viel passieren könnte. Die Gruppe könnte zunächst die Gebote prüfen und herausfinden, welche davon glaubhaft sind. Trotzdem wurden große Teile der Daten mittlerweile veröffentlicht.
Die Hackergruppe, die sich Rhysida nennt, behauptet, 5,79 Terabyte beziehungsweise rund 1,44 Millionen digitale Dokumente im Besitz zu haben. Sie verlangt dafür mindestens 30 Bitcoin, was umgerechnet etwa zwei Millionen Euro entspricht. Rhysida beschreibt die gestohlenen Daten als „exklusiv, einzigartig und beeindruckend“ und hat bereits einige Auszüge veröffentlicht, um das bewerten zu können. Darunter seien angeblich Zugangsdaten, Bankdaten und persönliche Informationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der betroffenen Behörden.
Laut Selzer könnten diese personenbezogenen Daten leicht verwertet werden, indem sie direkt an Kriminelle verkauft werden. Mögliche Szenarien sind Erpressung und Identitätsdiebstahl. Ein Teil der Daten könnte auch veröffentlicht werden, um die Ernsthaftigkeit der Gruppe zu unterstreichen. Zudem schließt die Senatskanzlei nicht aus, dass relevante staatliche Stellen ebenfalls Interesse an den Daten haben könnten.
Die Auktionsseite im Darknet deutet darauf hin, dass Rhysida so vorgehen könnte. Hier gibt es ein Archiv mit über 260 Einträgen, in dem Behörden aus den USA, Kanada, Mexiko, Chile sowie aus mehreren europäischen Ländern aufgeführt sind. Auch Gesundheitseinrichtungen sind vertreten. Teilweise sind die Auktionen bereits abgelaufen, während nicht verkaufte Daten über Links zugänglich sind. Daten des Stadtnetzes in Stuttgart werden beispielsweise kostenlos angeboten.
Im Datensatz aus Berlin seien unter anderem Notfallpläne zur kritischen Infrastruktur und Dokumente zu Schwachstellen im Berliner Wassernetz enthalten. Ein Sprecher der Berliner Wasserbetriebe betonte, dass man die Sache ernst nehme. Zwischen dem 7. und 12. August waren die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt betroffen.
Bereits vor Ende der Auktion sei ein Teil der Daten veröffentlicht worden. Diese umfassten beispielsweise Informationen zu Disziplinarverfahren, teils mit Namen und Ermittlungsakten. Selzer merkte an, dass die betroffenen Personen dem Land Berlin vorwerfen könnten, die Daten nicht ausreichend zu schützen. Es bestünde der Verdacht, dass die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) missachtet wurde, was bisher bereits zu hohen Bußgeldern geführt hat.
Zusätzlich wurden auch Logindaten veröffentlicht. Selzer warnte, dass es kriminelle Absichten geben könnte, diese zu testen. Die Senatskanzlei wies darauf hin, dass die Verantwortung für die Änderung der Passwörter bei den einzelnen Dienststellen liegt. Berichten zufolge sei dies bis zur laufenden Woche jedoch noch nicht flächendeckend geschehen.
Den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht seitens der Senatskanzlei ein Beratungsangebot zur Verfügung. Sowohl beim Landeskriminalamt als auch in der Senatsmobilitätsverwaltung wurde eine Sondereinheit eingerichtet, die Ermittlungen und Beratungen bündeln soll. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat einen Krisenstab ins Leben gerufen und einen externen Vertrauensanwalt benannt, der die Beschäftigten in rechtlichen Belangen beraten kann.
Die Senatskanzlei empfiehlt allen, deren Daten veröffentlicht wurden, Strafanzeige zu erstatten. Laut Bianca Kastl, IT-Expertin vom CCC, helfe dies, den Verfahrensdruck aufrechtzuerhalten. Ob es jedoch zu einer Aufklärung des gesamten Vorfalls kommen wird, sei angesichts der geheimen Vorgehensweise der Hackergruppe fraglich. Der Cyberangriff wurde am 14. August entdeckt, woraufhin die betroffenen Senatsverwaltungen für mehrere Tage vom Landesnetz isoliert wurden. Zunächst hatte der Senat erklärt, es seien keine sensiblen Daten abhandengekommen. Am 28. August erschien jedoch das erste Verkaufsangebot. An diesem Tag erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), dass Berlin nicht auf die Erpressung der Hacker eingehen würde. Nun wird dieser Vorfall als der größte IT-Skandal in der Geschichte Berlins bezeichnet. Am Mittwoch berichtete der „Spiegel“ über ein Rundschreiben des Chief Digital Officers Berlins, Florian Hauer, in dem er die Mitarbeitenden drängt, auf Drohungen und Lösegeldforderungen nicht einzugehen.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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