Hauptstadt Report
Wirtschaft

Designer-Kunst und persönlichen Service: Marie Luise Schulz begeistert in Charlottenburg

Markus S. · 01. Oktober 2026, 09:39 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 3 Aufrufe
Designer-Kunst und persönlichen Service: Marie Luise Schulz begeistert in Charlottenburg

Marie Luise Schulz begrüßt uns in einem Café in der Wundtstraße in Berlin-Charlottenburg. Unter hektischem Trinken versichert sie: „Ich habe auf euch gewartet. Kommt mit.“ Sie führt uns nicht in einen herkömmlichen Laden, sondern zu einer Wohnung, die gleichzeitig ihr Zuhause und ihr Geschäft ist. Am Eingang knarren die alten Treppenstufen, während sie eine Tür zu ihrer Wohnung öffnet, die mit allerlei Kunstwerken und Designmöbeln gefüllt ist.

In Schulz’ Räumen, die wie eine Schatzkammer wirken, finden wir alles von Leuchten und Glasobjekten bis hin zu Möbeln. Sie hat ein ehemaliges Kinderzimmer in eine Werkstatt und ein Lager verwandelt. Ihre insgesamt 70 Quadratmeter im Keller und einem weiteren Lager in Wilmersdorf beherbergen eine Vielzahl von Stücken, deren Verkauf oft eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. „Das ist also nur ein Bruchteil“, erklärt sie und fügt hinzu: „Ankaufen geht schneller als Verkaufen.“

Sie beschäftigt sich mit Möbeln des 20. Jahrhunderts, und ihre Auswahl reicht von Bauhaus über Art déco bis hin zu Space-Age-Entwürfen. Schulz selbst recherchiert und bearbeitet jedes Stück, macht alles von der Reparatur bis zur Fotografie. „Ich mache vieles selbst. Das hat eine große Freiheit,“ sagt sie.

Wenn sie durch ihre Wohnung führt, hebt sie verschiedene Objekte hervor und erzählt leidenschaftlich deren Geschichten. Schulz hat rund 350 Artikel in ihrem Online-Shop sowie auf Plattformen wie Etsy und Ebay einstellen lassen. Ein klassisches Ladengeschäft ist momentan nicht möglich, da die Mieten in Charlottenburg zu hoch sind und zusätzliche Kosten wie Personal hinzukommen. Gerade Lampen benötigen Raum, damit sie auch zur Geltung kommen.

Die Händler in der Suarezstraße berichten von Problemen, da immer weniger Menschen durch die Geschäfte schlendern, da viele lieber online bestellen. Marktveranstaltungen sind jedoch gut besucht, was zeigt, dass das Interesse an besonderen Objekten nach wie vor besteht. Schulz bemerkt: „Die Leute gehen leider weniger schlendern.“

Sie sieht keinen Widerspruch zwischen Onlinehandel und persönlicher Nähe. Jedes von ihr angebotene Stück hat eine Geschichte, die sie kennt und die sie gerne mit ihren Kunden teilt. Diese persönliche Note zusammen mit hervorragendem Service sorgt für Vertrauen – ihr Kundenstamm wächst stetig, einschließlich Architekten und Künstler. „Ich glaube, dass Menschen nicht als Nummer gesehen werden wollen oder nur als Konsument“, betont sie.

Menschen verbinden oft persönliche Erinnerungen mit bestimmten Objekten. Eine ihrer Kundinnen interessierte sich beispielsweise für böhmische Glaslampen, weil ihre Familie aus der Region kommt, in der diese hergestellt werden. Ein anderes Stück könnte wiederum an einen geliebten Menschen erinnern. All das macht für Schulz den besonderen Reiz ihrer Produkte aus.

Langfristig denkt sie auch über einen eigenen kreativen Raum nach, der nicht nur als Verkaufsort dient, sondern auch Workshops und kulturelle Veranstaltungen bietet. „Ich finde, dass die Innenstadt der Zukunft mehr als Konsum bieten muss“, so Schulz und erklärt, dass es wichtig sei, Begegnungen und kulturelle Angebote zu schaffen, die Menschen aus ihren Wohnungen locken.

Bis es soweit ist, bleibt ihre Wohnung eine multifunktionale Fläche. Vor einer bevorstehenden Designmesse stapeln sich auch in der Küche viele Objekte. Für die Designbörse Berlin, die vom 2. bis 4. Oktober in Karlshorst stattfindet, hat Schulz zahlreiche Leuchten, Keramiken und andere Designstücke ausgewählt, um ihre Leidenschaft mit Besucher zu teilen. „Ich liebe es, den Leuten meine Stücke zu erklären“, sagt sie, sowohl online als auch offline.

Artikel teilen mit:

Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!

Kommentar schreiben