Hauptstadt Report
Wirtschaft

Experten warnen: Enteignung verschärft Berlins Wohnungsnot

Markus S. · 30. September 2026, 08:30 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 1 Aufrufe
Experten warnen: Enteignung verschärft Berlins Wohnungsnot

Das Wohnproblem in Berlin bleibt komplex. Eine geplante Vergesellschaftung der großen Wohnungsbestände, wie sie derzeit von der Berliner Linken angestrebt wird, könnte laut einer aktuellen Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft die Situation verschlimmern. Die Studie wurde am Dienstag veröffentlicht und kommt zu dem Schluss, dass eine solche Maßnahme den Wohnungsmangel eher verschärfen würde.

Die Forscher schätzen, dass eine Milliardensumme, die für Entschädigungen eingeplant wäre, weitaus sinnvoller in den Neubau investiert werden sollte. Damit könnten bis 2045 bis zu 71.000 neue Wohnungen entstehen, was den Anstieg der Mieten „deutlich dämpfen“ würde. Auch wurde der Wert der betroffenen Wohnungsbestände auf 40,2 Milliarden Euro beziffert, wobei die Befürworter einer Enteignung den Entschädigungswert auf etwa 20,1 Milliarden Euro schätzen.

„Wenn diese Summe alternativ in den Bau neuer Wohnungen fließen würde, könnten die Angebotsmieten bis 2045 sogar um bis zu 8,7 Prozent unter der prognostizierten Entwicklung liegen“, so die Studie.

Der Neubau in Berlin könnte nicht nur neue Wohnungen schaffen, sondern auch den Mietdruck durch sogenannte „Umzugsketten“ verringern. Wer in eine neu gebaute Wohnung umzieht, schafft Platz für andere Mieter, was die Marktbedingungen entspannt. Besonders im unteren Mietsegment dürfte die Mietdämpfung stark ausgeprägt sein, wenn die Stadt gezielt neu baut.

Studienautor Stefan Kooths erklärte: „Eine Vergesellschaftung von Mietwohnungen ersetzt Marktpreise durch Privilegien für die, die das Glück haben, in einer verstaatlichten Wohnung zu leben. Dies führt zu Stillstand und Fehlbelegungen, was weder wohnungswirtschaftlich noch sozialpolitisch überzeugend ist.“

Jonas Zdrzalek, Co-Autor der Studie, betonte die Wichtigkeit neuer Wohnungen: „Entscheidend ist nicht, wem die Wohnungen gehören, sondern dass neue dazukommen, um die Belastung direkt zu verringern.“

Der Auftraggeber der Studie ist die Wirtschaftsinitiative „Berlin denkt weiter“, zu der unter anderem die Industrie- und Handelskammer Berlin und die Handwerkskammer Berlin gehören. Diese Initiative äußerte Warnungen vor einem „gefährlichen Enteignungs-Experiment“.

Nachdem die Berliner Linke bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus einen Sieg einfuhr, kündigte sie an, an den Plänen zur Vergesellschaftung festzuhalten. Diese Pläne stehen jedoch parteiübergreifend in der Kritik und könnten zu einem zentralen Thema in den bevorstehenden Sondierungsgesprächen mit der SPD und den Grünen werden.

Eine weitere Studie von drei Institutionen, darunter die Hans-Böckler-Stiftung, bestätigt ebenfalls, dass die Vergesellschaftung der großen Wohnungsbestände den Wohnraummangel nicht lösen kann. Sie schlagen vor, dass dies als ergänzendes Element zu Neubauten betrachtet werden könnte, um das Problem der Mietbezahlbarkeit zu verringern.

Artikel teilen mit:

Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!

Kommentar schreiben