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Rentnerin erobert die Straßen von Steglitz-Zehlendorf

Markus S. · 06. August 2026, 11:37 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 1 Aufrufe
Rentnerin erobert die Straßen von Steglitz-Zehlendorf

An einem hitzigen Tag mit 30 Grad Celsius hat sich Renate Zimmermann nicht in sommerlicher Kleidung, sondern in einem praktischen Wanderoutfit auf der Zimmermannstraße an der U9 eingefunden. Ausgestattet mit knielangen Hosen und einem T-Shirt unterhält sie sich mit Andreas Koska, dem Autor eines Buchs über die Zimmermannstraße.

Diese Erkundungstour durch die Seitenstraße der Steglitzer Schloßstraße markiert für Renate Zimmermann den Auftakt zu weiteren 20 Kilometern, die sie an diesem Tag zurücklegen wird. Ihr Ziel sind alle Straßen zwischen Grunewaldstraße, Englerallee und Schildhornstraße. Dies ist das vorletzte Gebiet in Steglitz-Zehlendorf. Mit diesem Schritt hätte sie dann fast alle Straßen in dem Bezirk erkundet und 1200 Straßen abgelaufen, während insgesamt etwa 11.000 Straßen in ganz Berlin existieren. Zweimal pro Woche, immer dienstags und donnerstags, begibt sie sich auf ihre Erkundungen, während sie an den restlichen Tagen ihre nächsten Routen plant und ihre Erlebnisse in einem Blog (renate-zimmermann.com) festhält.

Ihr Projekt startete sie am 6. Januar, was bereits von der Berliner Morgenpost während eines Rundgangs im Februar begleitet wurde. Die 66-Jährige war 23 Jahre lang in der Mark-Twain-Bibliothek im Freizeitforum Marzahn tätig. Nach ihrer Pensionierung wollte Renate Zimmermann nicht stillstehen und hatte das Projekt ins Visier genommen, um nicht in ein emotionales Tief zu fallen.

Bei einem ersten Rundgang fiel ihr das Buch von Koska über die Zimmermannstraße in die Hände, welches sie überraschte, da es so viel über eine einzige Straße zu erzählen gibt. So kam es, dass sie den Autor kontaktierte und gemeinsam eine Exkursion durch die Straße planten. An diesem Vormittag führt sie das Buch als ihren „lebendigen Hörbuch“-Begleiter mit sich.

Andreas Koska, der über 26 Jahre in der Zimmermannstraße lebte, hat mehrere Bananenkisten mit Materialien über die Straße gesammelt, die er später in Cammer, wo er seit 18 Jahren lebt, aufarbeitete. Seine Leidenschaft für die Sammlung wurde durch eine Ausstellung anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 angeregt. In seinem Buch beschreibt Koska die vielen historischen Aspekte der kleinen Steglitzer Straße, die in den vergangenen 120 Jahren Teil der Weltgeschichte war. Sein erstes Buch umfasst 460 Seiten und da er noch viele Dokumente hat, ist eine Fortsetzung mit weiteren 200 Seiten in Arbeit.

Hauptsächlich an der Ecke zur Schloßstraße, wo die Zimmermannstraße als Sackgasse endet, beginnt die Tour. Diese Straße wurde nach Julius Zimmermann, dem ehemaligen Amts- und Gemeindevorsteher von Steglitz, benannt. Über die 500 Meter Länge erscheinen mehrfach Varianten des Namens „Zimmermann“. An dieser Straße gibt es auch den Kiosk „Kiezimmer 13“, der seit 120 Jahren besteht und einst als Zeitungskiosk gegründet wurde.

Koska berichtet von der Vergangenheit der Straße, in der einst vier Bäckereien, Fleischer und Gemüsehändler zu finden waren. Die Eckkneipe der Straße, ursprünglich der „Steglitzer Krug“, diente einst als zentraler Treffpunkt für die Nachbarschaft. Heute ist das „General Post Office“ (GPO) ein beliebter Ort für den Austausch über Neuigkeiten in der Umgebung.

Renate Zimmermann plant bereits die nächste Etappe ihrer Tour und ist dankbar für die Bewegung, die sie für Körper und Geist erfährt. Nach einem halben Jahr in Steglitz-Zehlendorf hat sie sich vorgenommen, auch Spandau zu erkunden. Sie ist glücklich über ihre Initiative und erkennt, wie viel sie über Berlin lernt. Ihre Motivation wächst und sie freut sich auf die kommenden Herausforderungen.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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