Faktencheck Wohnen an fünf Beispielen
Liebe Leserin, lieber Leser,
was wird heute wichtig? Hier ein Blick auf die Termine des Tages:
- Pressekonferenz zu Perspektiven muslimischer Wähler mit Imam Scharjil Khalid von der Khadija Moschee in Berlin-Pankow. Die Moschee wird am Wahltag zum zweiten Mal als Wahllokal dienen.
- Das Abgeordnetenhaus tagt noch einmal. Themen sind unter anderem „Zehn Jahre Schulbauoffensive“
Grüne und Linke beantragen Aktuelle Stunde „Hitzekrise, IT-Sicherheits-GAU, queerfeindlicher Anschlag – Wie schützt der Senat die Menschen in unserer Stadt?“ - Vor dem Abgeordnetenhaus wird noch protestiert: Demonstration der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) für bessere Besoldung. Nach Angaben der GdP haben Finanzsenator Stefan Evers und Innensenatorin Iris Spranger ihr Kommen angekündigt.
Neues aus Berlin
Wohnen ist ja DAS Thema im Wahlkampf in Berlin. Da ist es auch gut, einfach mal Behauptungen zu überprüfen. Reporter der Berliner Morgenpost haben recherchiert. Nicht alles, was im Wahlkampf gesagt wird, hält einem Abgleich mit der Realität stand. Ein Faktencheck an fünf Beispielen.
- Die These: In Berlin wird zu wenig gebaut. Der Faktencheck: Ja, im vergangenen Jahr sind nur 11.000 neue Wohnungen entstanden. Das Ziel waren 20.000 Wohnungen. Der Realitätsabgleich: Es ist aber nicht so, dass gar nichts passiert. Im Südosten der Stadt entstehen am Segelflieger-Quartier Hunderte neue Wohnungen. Mein Kollege Philipp Hartmann hat sich umgesehen und stellt das Projekt vor.
- Die These: Wenn der Staat übernimmt, dann wird alles gut. Die Linke will 220.000 Wohnungen durch Vergesellschaftung großen Konzernen entziehen und sie über landeseigene Gesellschaften verwalten. Meine Kollegin Miriam Schaptke erreichen immer wieder Anrufe, nein Hilferufe, aus Neukölln. Mieter klagen, dass sie ohne Heizungen oder ohne Wasser leben müssen. Ein besonders krasses Beispiel lesen Sie hier. Fakt ist: Die Wohnungen gehören zu einer landeseigenen Gesellschaft. Fazit: Auch der Staat macht nicht immer alles besser.
- Die These: Private machen alles besser. Na ja, die landeseigenen Gesellschaften sind nicht immer gut. Die Privaten haben auch so ihre Probleme. So gerade noch die Kurve haben offenbar die Investoren vom Fürst am Kudamm gekriegt. Nachdem das Mega-Projekt mit Wohnungen, Geschäften und einem Theater lange Zeit nicht vorankam, gibt es nun berechtigte Hoffnung, dass die Bauzäune an Berlins wichtigster Einkaufsstraße nach Jahren im Winter verschwinden. Isabell Jürgens hat sich das Projekt angeschaut.
- Die These: Wohnen wird immer teurer - auch wegen der stark steigenden Nebenkosten. Stimmt. Isabell Jürgens hat eine neue Studie der Deutschen Bank ausgewertet. Danach liegt Berlin bei den laufenden Nebenkosten weltweit (leider) vorn. Noch deutlich vor London beispielsweise, das als besonders teuer gilt. Die Ergebnisse und was der Maklerverband nun fordert, lesen Sie hier.
- Die These: Der Wohnungsmangel in Berlin ist auch für die Wirtschaft zunehmend ein Problem. Stimmt. Auch hierzu gibt es neue Zahlen. Insgesamt beziffert eine Studie die wirtschaftlichen Folgekosten des Baurückgangs für Berlin auf rund 1,3 Milliarden Euro. Auch hier kennt die Details Isabell Jürgens.
Fazit: Mit einfachen Lösungen ist die Wohnungsnot nicht zu bekämpfen. Es braucht wohl viele Schritte – und leider auch Zeit.
P.S.: Wie die Parteien die Wohnungsmisere in Berlin ändern wollen, lesen Sie hier.
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Ich wünsche Ihnen einen schönen Donnerstag. In Berlin könnte es der letzte richtige Sommertag werden. Genießen Sie ihn.
Ihr Gilbert Schomaker,
stellvertretender Chefredakteur.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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