Faszination Modellbahn: Historische Züge und Attraktionen in Berlin
Ein summendes Geräusch und ein Rattern übertönen kurz nach 10 Uhr das Gemurmel im Saal. An verschiedenen Stellen setzen sich kleine Züge und Bahnen in Bewegung und fahren durch fantasievolle Landschaften mit Tunneln, Häusern und Brücken zu Bahnhöfen oder Haltepunkten. Was die Ausstellung besonders macht, sind die historischen Modellbahnen, die bis zu 100 Jahre alt sind, teils im Original und teils im Nachbau. Über zwölf Anlagen hinweg fahren diese kleinen Züge, sehr zur Freude der Aussteller und Besucher.
Seit 2008 treffen sich Modelleisenbahn-Sammler aus ganz Deutschland in Berlin. Die Veranstaltung fand zuerst in der Gustav-Heinemann-Oberschule in Marienfelde statt und wird nun zum zweiten Mal im Gemeindehaus Mater Dolorosa in Lankwitz ausgerichtet. Am heutigen Sonntag, dem 18. Oktober, ist die Ausstellung von 10 bis 17 Uhr an der Kurfürstenstraße 53 geöffnet. Der Veranstalter ist das Christliche Modellbahnteam e.V. (cmt), und Dieter Weißbach, der Initiator, hat zahlreiche Sammler aus ganz Deutschland, einschließlich Hamburg, Köln, Dresden, Leipzig und Erfurt, versammelt. Einige von ihnen haben sogar die Nacht im Gemeindesaal auf Feldbetten neben ihren Zügen verbracht.
Der 67-jährige Verkehrsplaner Weißbach hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der alten Bahnen und Unternehmen als Teil des Kulturerbes zu bewahren. In seiner Modellbahnanlage sind verschiedene Fahrzeuge zu sehen, darunter Eisenbahnen der Firma Zeuke und Trambino-Straßenbahnen, aus denen Figuren wie Pittiplatsch und Schnatterinchen hervorspringen. Besonders hervorzuheben ist ein Modell des Schienenzeppelins, ein historisches Versuchsfahrzeug aus den 1930er Jahren, das für reichlich Wind sorgt, wenn es die Gleise entlangfährt.
Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist die Anlage „Udos Hochbahn“, die nach einem Mann benannt ist, der sein Herzensprojekt in gute Hände übergeben hat. Michael Stoislow aus Eiderstedt gehört zu einer Gruppe von vier Beteiligten, die das Lebenswerk fortführen. Die Hochbahn ist die größte Anlage der Ausstellung, mit fast 50 Metern Gleisen, auf denen Hochbahnen aus Städten wie Köln, Berlin und Hamburg kreisen, während unten Güterzüge aus den 1930er Jahren und Schienenbusse fahren. Stoislow ist der aktuelle Fahrdienstleiter und sorgt für Sicherheit auf der Anlage.
Im Bereich des Veranstalters, dem Christlichen Modellbahnteam, gibt es realistisch nachgebildete Strecken und Bahnhöfe. Der Bahnhof Kyritz im Maßstab 1:87 wurde weitestgehend im Originalstil der 1920er Jahre nachgebaut. Ein weiterer interessanter Halt ist der alte Bahnhof Werlte, an dem die Gleise einst endeten, weil eine Einigung über die Spurenbreite zwischen Oldenburg und Preußen nicht zustande kam. Kinder dürfen sich auf eine kleine Kinderbahn mit Wasserfall und Windkrafträdern freuen, die sie selbst steuern können.
Zusätzlich zur Modellbahnausstellung gibt es eine spezielle Präsentation der Modellbahnhistoriker Steffen Ostermaier und Martin Haberecht mit dem Titel „80 Jahre Zeuke“, die die Entwicklung des Unternehmens von 1946 bis 2026 beleuchtet. Die Modellbahnkultur hat laut den beiden Experten während der Pandemie einen Aufschwung erfahren, da viele Menschen ihre alten TT-Bahnen wiederentdeckten.
Die Sammler der Ausstellung treffen sich regelmäßig zu einem Stammtisch, um ihre Funde, neuen Entdeckungen und Ideen auszutauschen. Dieter Weißbach berichtet, dass im letzten Jahr ein Pfarrer bedauert hatte, keine TT-Bahnen gesehen zu haben. Dieses Jahr ist mit René Schube vom Modell-Eisenbahn-Klub Berlin ein weiterer Experte zugegen, und der Pfarrer zeigte sich gerührt, was die Aussicht auf eine Fortsetzung der Ausstellung im nächsten Jahr eröffnet.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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