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Optimismus trotz Verlusten: Berlins Clubs im Wandel

Markus S. · 07. August 2026, 15:43 Uhr · 4 Min. Lesezeit · 1 Aufrufe
Optimismus trotz Verlusten: Berlins Clubs im Wandel

„Die Berliner Clubkultur ist nicht am Ende, sondern befindet sich im Wandel“, erklärte Katharin Ahrend, Geschäftsführerin der Clubcommission, bei der Vorstellung einer neuen Studie zur Berliner Clubszene. Diese wurde am Freitag auf dem Club-Boot Hoppetosse in Kreuzberg präsentiert. Im Vergleich zu den Untersuchungen von 2019 lassen sich grundlegende Veränderungen erkennen. Trotz besorgniserregender Zahlen bleibt der Optimismus unter den Veranstaltern ungebrochen, wie auf der Pressekonferenz deutlich wurde.

Seit der Pandemie stehen Clubbetreiber vor erheblichen Herausforderungen. Der Stillstand des öffentlichen Lebens hat nachhaltige Auswirkungen auf das Ausgehverhalten der Menschen, insbesondere der jüngeren Generation. Laut Kai Sachse, ebenfalls Geschäftsführer der Clubcommission, entscheiden sich junge Menschen bewusster für bestimmte Locations. „Man geht heute nicht mehr einfach dahin, wo die Nacht einen hinführt“, sagt er.

Die Studie belegt, dass Clubbesuche kürzer werden und weniger Geld für Getränke ausgegeben wird. Wo im Jahr 2017 noch 60 Prozent der Einnahmen aus dem Getränkeverkauf stammten, ist dieser Anteil bis 2025 auf nur noch 20 Prozent gesunken. Im Gegensatz dazu sind die Einnahmen aus Ticketverkäufen von 21 auf 59 Prozent gestiegen. Neben sinkenden Einnahmen kämpft die Clubszene zudem mit hohen Personal- und Betriebskosten sowie Verdrängungsprozessen. Die große Mehrheit der Clubs befindet sich in Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln, den Bezirken mit dem höchsten Druck auf Immobilien. Lediglich acht Prozent der Clubbetreiber besitzen ihre Locations, während 31 Prozent einen Miet- oder Pachtvertrag haben. Eine besorgniserregende Zahl: 23 Prozent der Betreiber ziehen in Betracht, ihren Betrieb innerhalb des nächsten Jahres zu schließen.

Die Stimmung ist insgesamt angespannt. Vor neun Jahren konnten noch fast 50 Prozent der Clubs Gewinne erzielen, 2022 war es jedoch nur noch 30 Prozent. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Verluste von 21 Prozent im Jahr 2017 auf 39 Prozent in 2025 erhöht.

Trotz dieser Herausforderungen gibt es erfreuliche Nachrichten: Seit 2020 wurden zwar 24 Clubstandorte geschlossen, jedoch sind 25 neue hinzugekommen. Laut der Clubcommission sind etwa drei Viertel der Clubs zu mindestens 50 Prozent ausgelastet, ein Drittel sogar über 75 Prozent. Um mit den neuen Ausgehgewohnheiten Schritt zu halten, haben Clubs Anpassungen vorgenommen: Preiserhöhungen für Getränke und Eintritt kamen zur Verwendung, und 62 Prozent der befragten Locations haben ihr musikalisches Programm angepasst. Zudem hat sich die Kooperation in der Clubszene als normal etabliert.

Die Bedeutung der Clubs für das Image Berlins wurde am Freitag mehrfach hervorgehoben. "Berliner Clubs sind globale Sehnsuchtsorte", betonte Michael Biel, Staatssekretär in der Senatswirtschaftsverwaltung, die die Studie in Auftrag gegeben hat. Talente aus der ganzen Welt werden von der Anziehungskraft der Berliner Clubszene angezogen, so Biel. Der Politiker berichtete von einer Fintech-Unternehmerin aus Österreich, die aufgrund der lebendigen Clubszene nach Berlin gezogen ist.

Allgemein wird anerkannt, dass Clubs einen bedeutenden Einfluss über das Nachtleben hinaus haben. Sie tragen zur Tourismusentwicklung, Stadtgestaltung und zur allgemeinen Attraktivität Berlins als Kultur- und Lebensstandort bei. Ein befragter Clubgänger brachte es auf den Punkt: „Ich habe das Gefühl, dass vor allem die Musik mich in diese Stadt gezogen hat.“

Für die Zukunft der Clubs wurden verschiedene Lösungsansätze vorgeschlagen: Anerkennung als Kulturstätten, dauerhafte Unterstützung durch Fördermittel und die Einführung eines Solidarsystems wurden in den Raum gestellt. Biel sicherte Unterstützung durch die Senatsverwaltung zu, nannte dabei den Schallschutzfonds, der 2018 mit einer Million Euro ins Leben gerufen wurde, um Konflikte zwischen Clubs und Anwohnern zu minimieren.

Um die Berliner Clubkultur weiter zu stärken, sind Maßnahmen notwendig. Biel sprach sich für eine Förderung von Spielstätten aus, die Investitionen in Musikanlagen erleichtern könnte. Diese Maßnahmen sollten in den kommenden Koalitionsvertrag aufgenommen werden, betonte er. Zudem sieht er den Bund in der Pflicht, um die Genehmigungsprozesse für Clubs zu erleichtern und den Gewerbemietenmarkt zu regulieren. Kai Sachse von der Clubcommission schlug vor, ein Solidarsystem einzuführen, bei dem ein Teil der Eintrittseinnahmen umverteilt wird, jedoch nur, wenn große Veranstalter mitziehen.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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