Nächster Akt im Kampf um die Bäume in der Torstraße
Der Streit um die geplante Abholzung von Straßenbäumen an der Torstraße in Mitte geht in die nächste Runde. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) hat sich in Briefen an den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und an Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) gewandt. Sie bitte darum, ein Moratorium für den Straßenumbau zu erlassen. So würde auch das ab dem 1. Oktober mögliche Fällen der Bäume auf dem gut einen Kilometer langen Teilstück zumindest aufgeschoben.

Die Rathaus-Chefin argumentiert aber nicht mit dem Hitzeschutz, der nach Meinung der grünen Partei und des Umweltverbandes BUND ohne das schattenspendende Grün in der wichtigen Straße vermindert würde. Aus Remlingers Sicht würde zunächst die lange Bauphase die Existenz von Einzelhändlern und anderen Gewerbetreibenden an der Torstraße bedrohen. Eine dann weiterhin zweispurig je Richtung für Autos befahrbare Torstraße wäre darüber hinaus nicht mehr attraktiv für Läden und ihre Kunden.
Der Verlust der prägenden Baumreihen könnte Attraktivität der Torstraße beeinträchtigen
Die lange Bauzeit werde die Gewerbetreibenden „erheblich belasten“, warnt die Grünen-Politikerin. Die bestehende Überbrückungshilfe sei sinnvoll, reiche aber möglicherweise nicht aus. „Meine größere Sorge gilt jedoch dem dauerhaften Schaden, den die derzeitige Planung für die Geschäftsstraße verursachen könnte“, schreibt Remlinger an Wegner und Giffey: „Der Verlust der prägenden Baumreihen und die teilweise Führung des Radverkehrs auf dem Gehweg bei weiterhin zwei Autospuren je Richtung könnten die Aufenthaltsqualität und damit die Attraktivität der Torstraße nachhaltig beeinträchtigen.“
Noch bestehe die Möglichkeit, die Umsetzung der Pläne zu überprüfen und ein Moratorium zu ermöglichen, so Remlinger. Die Angebotsfrist der Baufirmen auf die laufende Ausschreibung endet am 4. September, die Bindefrist der eingereichten Angebote am 16. November 2026.
Bürgermeisterin Remlinger will Geschäftsleute vor Einbußen schützen
Die Bezirksbürgermeisterin regt an, die Torstraße zum Anlass zu nehmen, eine „landesweit geltende Regelung zum Schutz von Unternehmen bei lang andauernden öffentlichen Baumaßnahmen zu schaffen“. Unterstützung müsse möglich sein, bevor Existenzen gefährdet sind. „Die notwendige Erneuerung der Infrastruktur darf nicht dazu führen, dass Unternehmen, Arbeits- und Ausbildungsplätze und die gewachsene Vielfalt der Torstraße dauerhaft verloren gehen“, schreibt Remlinger.
Die Senatsverkehrsverwaltung plant, die 32 zu fällenden Bäume durch neue, junge Gehölze zu ersetzen. Das Abholzen sei trotz des neuen Berliner Baumgesetzes zulässig, ist die Verwaltung überzeugt.
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Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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