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Berlin wird zur Bergbaustadt: Tiefenbohrungen in Marzahn

Markus S. · 20. Oktober 2026, 13:42 Uhr · 2 Min. Lesezeit · 4 Aufrufe
Berlin wird zur Bergbaustadt: Tiefenbohrungen in Marzahn

Berlin strebt an, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu werden, ein Vorhaben, das sich als ziemlich anspruchsvoll erweist. Ein zentraler Aspekt auf diesem Weg ist die Nutzung von tiefer Geothermie, um Wärme aus den unter der Erdoberfläche gespeicherten Ressourcen zu gewinnen.

Bisher hat die Hauptstadt lediglich die oberflächennahe Geothermie bis 100 Meter Tiefe genutzt. Dennoch stammen mehr als 90 Prozent der Wärmeversorgung Berlins nach wie vor aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdgas und Öl. Dies soll sich in naher Zukunft ändern.

Wie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) bekanntgab, wurde am Montag der erste Zuschlag zur Suche nach tiefer Geothermie erteilt. Im Rahmen des Vergabeverfahrens zur Erteilung von Nutzungsrechten wurde die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH mit Bohrungen am Kraftwerkstandort in Marzahn beauftragt, die bis in eine Tiefe von etwa 1950 Metern reichen sollen.

Das Ziel dieser Bohrungen ist die Erschließung und Untersuchung von vier wasserführenden Gesteinsformationen, den sogenannten Aquiferen. In dieser geothermischen Tiefe von etwa 2000 Metern wird ein thermischer Wärmestrom von rund 70 Grad Celsius erwartet, den Berlin im Rahmen seiner Klimaziele sowie für eine langfristig bezahlbare Wärmeversorgung nutzen möchte.

Ute Bonde, die Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt von der CDU, äußerte: „Unter unseren Füßen liegt eine Wärmequelle, die unabhängig vom Weltmarkt ist und nahezu ohne Emissionen auskommt. Ob und wie wir sie nutzen können, lässt sich nicht am Schreibtisch klären, sondern nur per Bohrung.“

Bonde ergänzte, dass durch die vier wasserführenden Gesteinsschichten in Marzahn Trends und Erkenntnisse gewonnen werden könnten, die auch über den Standort hinaus von Bedeutung sind. Die Entscheidung, die Nutzungsrechte selbst zu vergeben, sei bewusst getroffen worden, um festzulegen, wo und unter welchen Bedingungen Erdwärme erschlossen wird.

Laut Christian Feuerherd, Geschäftsführer der BEW, könnte die tiefe Geothermie „ein echter Gamechanger für die Berliner Wärmewende werden“. In Marzahn sollen belastbare Daten gesammelt werden, um das Potenzial unter der Erde zu erkennen und wie es für Berlin genutzt werden kann.

Der Vertragsabschluss zwischen Berlin und der BEW markiert den Beginn weiterer Vergaben in anderen Teilgebieten des bergrechtlichen Erlaubnisfeldes „Erdwärme Berlin“. Dieses Erlaubnisfeld, das eine Fläche von rund 550 Quadratkilometern umfasst, wurde Mitte Juni 2026 vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) genehmigt und ist für fünf Jahre gültig.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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