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„Verpisst euch!“-Rufe und Eierwurf: AfD läuft unter Polizeischutz durch Neukölln

Markus S. · 02. September 2026, 14:33 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 1 Aufrufe
„Verpisst euch!“-Rufe und Eierwurf: AfD läuft unter Polizeischutz durch Neukölln

Thorsten Weiß ist sich bewusst, wie man provokante Bilder erzeugt. Am Mittwoch lief der innenpolitische Sprecher der Berliner AfD-Fraktion mit Parteikollegen und Vertretern der österreichischen FPÖ durch Nord-Neukölln. Vorbei an arabischen Supermärkten, begleitet von lautstarkem Protest und abgesichert durch Dutzende Polizistinnen und Polizisten. Am Ende des sogenannten Spaziergangs stellte die AfD Forderungen zur Bekämpfung von Kriminalität in dem Gebiet mit zwei kriminalitätsbelasteten Orten vor.

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Weiß und sein Pendant aus Wien, Stadtrat Stefan Berger, gingen vorneweg. Die Rechtspopulisten aus Österreich sind aktuell mit rund 40 Personen in Berlin zu Gast. Seelenruhig unterhielten sie sich. Es wirkte, als ob sie die lauten Schreie und Beleidigungen um sie herum ausblendeten. „Verpisst euch!“ oder „Haut ab!“ gehörten noch zu den harmlosen Ausrufen.

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Zwangstherapie und Remigration: AfD stellt Forderungskatalog vor

Eine Hundertschaft der Polizei war damit beschäftigt, die Delegation vor den wütenden Demonstrierenden zu schützen. Laut einer Sprecherin wurden auf Seite des Gegenprotestes zwei bis drei Personen kurzzeitig in Gewahrsam genommen, um ihre Identität zu prüfen. Zudem sei ein Ei in Richtung AfD geflogen. Ob jemand verletzt wurde, sei bisher nicht bekannt.

Die Tour führte an der umstrittenen Dar-Assalam-Moschee entlang. Vor einer Suchthilfe verteilte die AfD einen kleinen Forderungskatalog an die Presse. Überschrieben war das Papier mit „Kapitulation im Herzen Neuköllns“. Darin enthalten: die Forderung nach Remigration und eine systematische Überprüfung von Moscheegemeinden. Zudem will die AfD einen Kurswechsel in der Drogenpolitik. Statt suchtkranken Menschen sichere Konsumräume zu bieten, fordern die Rechtspopulisten unter anderem eine „konsequente Verdrängung der offenen Drogenszene“ und „Zwangstherapie für Süchtige“. In den Worten von Thorsten Weiß: „Wir müssen hier als AfD quasi der Sheriff sein, der die Tür eintritt, um den Miststall auszuräuchern.“

AfD findet teilweise Zuspruch unter Migranten

Die meisten Menschen in den Geschäften schauten den vorbeilaufenden, Anzug tragenden Politikern wortlos hinterher. „Ich habe keine Meinung dazu“, sagte ein junger Mann. Sam Tolouie hingegen schon. Der 46-jährige Iraner unterstützt die Forderungen der AfD und will ihr seine Stimme geben, wie er der Berliner Morgenpost in einem kurzen Gespräch erklärte. „Ich fühle mich nicht mehr sicher“, sagte er.

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Ein Apothekenmitarbeiter, der sich als Herr Ngyuen vorstellte, sieht in den Forderungen der AfD hingegen reinen Populismus. Das Thema Kriminalität in Neukölln werde seiner Ansicht nach medial aufgebauscht. Das Problem häuslicher Gewalt sei viel größer. „Neukölln ist bunt. Die AfD hat weder hier einen Platz noch anderswo in Deutschland.“

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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