Hauptstadt Report
Welt

Von Storch kandidiert in Mitte – Bezirkspolitiker sprechen von „Polit-Tourismus“

Markus S. · 30. August 2026, 13:23 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 1 Aufrufe
Von Storch kandidiert in Mitte – Bezirkspolitiker sprechen von „Polit-Tourismus“

Beatrix von Storch will künftig offenbar nicht nur im Bundestag Politik machen. Die AfD-Politikerin tritt bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in Mitte an und führt dort die Liste ihrer Partei an. Die „B.Z.“ berichtete zuerst. Für manche Briefwähler dürfte ihr Name auf dem Stimmzettel überraschend sein: Von Storch sitzt bereits seit 2017 im Bundestag.

Newsletter Illustration

Ihre Kandidatur sorgt in der Bezirkspolitik für Kritik: „Mitte braucht keine rechten Polit-Touristen, die unseren Bezirk nur als Talkshow-Requisite für ihre Selbstinszenierung missbrauchen“, sagt Mittes Ordnungsstadtrat Christopher Schriner gegenüber der Morgenpost. Mitte brauche eine „Politik mit Haltung, Ortskenntnis und Engagement“. „Wer hier kandidiert, muss den Bezirk kennen und nicht nur seine Schlagzeilen. Frau von Storch kennt weder die Menschen von hier noch den Bezirk“, so der Grünen-Politiker, dessen Parteikollegin Stefanie Remlinger Mitte derzeit als Bezirksbürgermeisterin leitet.

Bezirkspolitiker üben Kritik an Kandidatur der AfD-Frau

Auch aus dem linken Lager kommt Gegenwind: „Wir werden unseren schönen Bezirk Mitte nicht der AfD überlassen. Für uns gilt: Jeder Zentimeter weniger Einfluss der AfD ist ein Gewinn für die Demokratie und damit für die Menschen in Berlin“, so Martha Kleedörfer, Vorsitzende des Bezirksverbands Mitte.

Die AfD-Politikerin von Storch begründet ihre zusätzliche Kandidatur mit ihrem Interesse an der Bezirkspolitik. „Ich wollte mich – wie meine Kollegen aus anderen Bundesländern – auch in der Kommunalpolitik einbringen“, sagte die 55-Jährige gegenüber der „B.Z.“. Zugleich betonte sie: „Berlin-Mitte ist ein wichtiger Bezirk, an dem es viel zu verbessern gibt.“

Auch interessant

Von Storch ist seit Jahren eine prominente Vertreterin der AfD im Bundestag und stellvertretende Vorsitzende der AfD‑Bundestagsfraktion. Dass sie zusätzlich für ein Mandat in der BVV kandidiert, ist rechtlich möglich. Nach Angaben des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages gibt es kein grundsätzliches Verbot einer gleichzeitigen Mitgliedschaft im Bundestag und einem kommunalen Engagement.

Die Spitzenkandidaten bei den BVV-Wahlen 2026 in allen Berliner Bezirken: Hier gelangen Sie zu den Übersichten für Treptow-Köpenick, Pankow, Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln, Lichtenberg, Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Tempelhof-Schöneberg, Spandau.

Von Storch: Bundestagsarbeit soll nicht leiden

Auf die Frage, ob sie mit ihrer Arbeit im Bundestag nicht ausgelastet sei, sagte sie der „B.Z.“: „Meine Arbeit als Bundestagsabgeordnete wird darunter nicht leiden.“ Auch ihre persönliche Verbindung zu Mitte hebt von Storch hervor: „Ich lebe in dem Bezirk schon lange, das ist mein Zuhause und darum liegt mir der Bezirk auch besonders am Herzen.“

Auch interessant

Als zentrale Probleme in Mitte nennt die AfD-Politikerin vor allem Müll und Kriminalität. „Vermüllung und Kriminalität sind leider zwei Seiten ein- und derselben Medaille, wie wir auf dem Alexanderplatz sehen können“, sagte sie gegenüber der „B.Z.“. Die Bezirkspolitik müsse diese Themen stärker angehen.

Artikel teilen mit:

Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!

Kommentar schreiben