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Grüne verwandeln brachliegende Büros in große WGs für Berlin

Markus S. · 26. August 2026, 14:30 Uhr · 4 Min. Lesezeit · 1 Aufrufe
Grüne verwandeln brachliegende Büros in große WGs für Berlin

Werner Graf erinnert sich an seine frühere WG-Zeit, während er zwischen unordentlich verstreuten Möbeln in einer 550 Quadratmeter großen Etage in Kreuzberg steht. Der Spitzenkandidat der Grünen für die anstehenden Wahlen in Berlin ist zu Besuch in den Sarotti-Höfen, einem Gebiet, das einst für die Schokoladenproduktion bekannt war. Hier plant der Unternehmer und Netzwerker Sascha Alexander Wolf, eine Lösung für die Mietkrise zu präsentieren: temporäres Wohnen in leerstehenden Büros.

In dieser innovativen Wohnform sollen kleine Schlafboxen, ähnlich den Telefonkabinen in Großraumbüros, untergebracht werden. Die Boxen selbst sind lediglich sechs Quadratmeter groß, während die Gemeinschaftsflächen mit über 500 Quadratmetern großzügig gestaltet sind. In einer Testphase sollen im kommenden Oktober zunächst fünf Bewohner einziehen, gefolgt von weiteren fünfzehn im darauffolgenden Frühjahr. Die Einrichtung umfasst mehrere Toiletten, Duschen und eine Küche, mit Plänen für eine zweite Küche.

Die Grünen streben an, die Möglichkeiten zur Nutzung leerstehender Büroflächen zu erweitern. Derzeit stehen in Berlin rund zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche ungenutzt leer. Der Umbau in regulären Wohnraum, der oftmals Jahre in Anspruch nimmt, ist mit hohen rechtlichen und praktischen Hürden verbunden. Daher setzen die Grünen auf eine schnellere Zwischenlösung, um dringenden Bedarf an Wohnraum zu decken.

Graf plant die Gründung einer Agentur zur Umnutzung von leerstehenden Immobilien. Diese soll bestehende Flächen analysieren und Empfehlungen zur Vereinfachung des Verfahrens sowie zur Anpassung der Bauordnung geben. Die Agentur wird auch als zentrale Anlaufstelle für Immobilienbesitzer und beteiligte Akteure dienen. Graf ist sich bewusst, dass individuelle Lösungen erforderlich sind, da es keine universelle Antwort auf die Frage gibt, wie auf leerstehenden Büroflächen gelebt werden kann.

„Berlin war immer dann stark, wenn es kreativ mit Leerstand umgegangen ist“, erklärt Graf. Er betont, dass es in der Hauptstadt weniger an Fläche als vielmehr an Nutzungsmöglichkeiten mangelt. Aktuell dürfen temporäre Wohnkonzepte jungen Menschen, für die dieses Angebot hauptsächlich gedacht ist, nicht länger als sechs Monate Unterkunft bieten. Der Senat könnte jedoch gesetzliche Änderungen einführen, um die maximale Wohndauer auf zwei Jahre zu verlängern. Die Miete soll maximal 500 Euro betragen.

Wolf, der hinter dem Pilotprojekt in den Sarotti-Höfen steht, zeigt sich erfreut über die Unterstützung der Grünen. Während andere Parteien ebenfalls die Umnutzung von Büroflächen fordern, seien die Grünen die ersten, die konkrete Vorschläge unterbreiten, sagt er. Ende November wird Wolf seine Idee auf der Zukunftskonferenz „Neustart Berlin“ präsentieren, die von der Berliner Morgenpost, dem Tagesspiegel und dem RBB organisiert wird.

Die Räumlichkeiten in Kreuzberg dienen als eine Art Showroom, um die Idee der Umnutzung bekannt zu machen und zu demonstrieren, wie das Konzept in der Praxis funktioniert. Kürzlich haben Wolf und sein Team Betten aufgebaut, um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie das Wohnen dort aussehen könnte. Diese Boxen sollen unmöbliert vermietet werden, und Wolf beschreibt die 500 Euro Miete als „magische Obergrenze“. Auch wenn Eigentümer in der Regel mit 25 Euro pro Quadratmeter rechnen, könnten sie bei einem niedrigeren Wohnmietpreis dennoch profitieren, was für Investoren, die in leer stehende Büroflächen investiert haben, vorteilhaft ist.

Wolf ist optimistisch, dass sich am Leerstand nicht viel ändern wird, da Homeoffice und KI weiterhin verbreitet sind. Daher bietet er Eigentümern an, die Flächen für ein bis zwei Jahre zu einem reduzierten Preis zu mieten, was den Gebäudewert auch bei vermieteten Flächen erhalten könnte. „Sobald ein richtiger Mieter gefunden wird, sind wir sofort wieder weg“, versichert er.

Der Bedarf an Wohnraum wurde erst kürzlich deutlich, als in Berlin das erste kommunale Wohnheim für Auszubildende eröffnet wurde, das bereits auf 154 Plätze über 1200 Bewerbungen erhalten hat. In Berlin gibt es für rund 200.000 Studierende nur 9400 Plätze, weshalb temporäre Nutzung oder die dauerhafte Umnutzung leerstehender Flächen für Graf auch eine Frage des Klimas darstellt. Angesichts steigender Temperaturen in der Hauptstadt argumentiert er, dass vorhandene, versiegelte Flächen besser genutzt werden sollten, als neue Grundstücke zu bebauen.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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