21.10.2026 | Berlin 13 °C Regen | AQI 43 mittel
Hauptstadt Report
Welt

Kult-Haus in Zehlendorf: Hohe Kosten nach Millionenkauf

Markus S. · 14. Oktober 2026, 04:05 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 16 Aufrufe
Kult-Haus in Zehlendorf: Hohe Kosten nach Millionenkauf

Ganz Berlin diskutiert derzeit über Enteignungen, während am Rande der Hauptstadt eine bemerkenswerte Immobilie den Besitzer gewechselt hat, die selbst bei den gefragtesten Sozialisten Respekt hervorrufen würde, vorausgesetzt, sie besitzen ein Gespür für Kunst. Das neu verkaufte "Haus Loewy" in Zehlendorf ist ein oft übersehenes Schmuckstück: Es handelt sich um das erste Wohnhaus des renommierten Architekten Richard Neutra, einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Der Verkaufspreis lag bei genau 2,596 Millionen Euro. Bevor die neuen Eigentümer in ihr neues Zuhause einziehen, gewährt uns Peter Rabitz, ein Luxusimmobilienmakler, einen privaten Einblick in das Gebäude und dessen Geschichte.

Der Immobilienmakler, der im Hotel Adlon ansässig ist, fühlte sich an der Onkel-Tom-Straße 87 sichtlich wohl. Für den 52-Jährigen hat dieser Millionen-Deal den zusätzlichen Vorteil, dass er seine Geschäftsliebe mit seiner Leidenschaft für Architektur verbinden kann. Er ist besonders von den klaren und oft kühn gestalteten Häusern der kalifornischen Moderne fasziniert. Neutra gehört zu den wenigen Architekten, die solche Gebäude in der Nähe von Hollywood, etwa in Palm Springs oder Santa Monica, geschaffen haben. Zu seinen Bauwerken lebten einst bekannte Persönlichkeiten wie Orson Welles, Erich von Stroheim und Diane Keaton.

Das neue Zuhause an der Onkel-Tom-Straße 87 hat eine Geschwindigkeit von 30 km/h zur Straße hin und bietet im hinteren Bereich einen freien Blick auf ein Weltkulturerbe: Die erst Ende Juli von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Waldsiedlung Zehlendorf aus dem Jahr 1926 grenzt an das 2254 Quadratmeter große Grundstück.

Trotz des etwas spöttischen Namens "Papageiensiedlung" hat das "Haus Loewy" mittlerweile an Ansehen gewonnen, nachdem es erstmalig anlässlich des Gallery Weekends im April der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Peter Rabitz hielt einen Architektur-Talk und eine Pianistin spielte für die Nachbarn auf einem Bechstein-Piano, das ursprünglich der Vorbesitzerin gehörte. An diesem Tag kamen zahlreiche Menschen aus der Umgebung, um die Villa, ihre historischen Designer-Möbel und die einzigartige Baukunst zu bewundern.

Das Inneres des Hauses, das mit einem kleinen Foyer beginnt, ist liebevoll gestaltet und bietet einen kontrollierten Blick auf einen liebevoll angelegten Garten, der an die Weltkulturerbe-Siedlung grenzt. Im Ess- und Wohnzimmer befindet sich eine Drehbühne, eine Idee, die Neutra aus seiner Zeit an den Theatern nach Berlin brachte. Diese Konstruktion, die ursprünglich für die Flexibilität in der Wohngestaltung gedacht war, zeigt Neutras innovative Ansätze in der Architektur.

Die Verkäufe verliefen nicht wie erwartet, und nachdem die Drehbühnen in den späten 1920ern entfernt wurden, gelang es Neutra nicht, seine Häuser erfolgreich zu vermarkten. Schließlich wanderte er in die USA aus, in der Hoffnung auf größere Erfolge. Die neuen Eigentümer sind eine Familie mit Kindern, die sich sowohl wegen der Lage als auch aufgrund der besonderen Aufteilung des Hauses für den Kauf entschieden haben. Laut Makler Rabitz könnten die Sanierungskosten etwa 500.000 Euro betragen, und um Neutra gerecht zu werden, wird bis zu einer Million Euro ins Auge gefasst.

Artikel teilen mit:

Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!

Kommentar schreiben