Der Schwerbelastungskörper: Relikt des NS-Größenwahns
Der massive Betonzylinder in Tempelhof wirft Fragen auf: Ist es ein Bunker oder eine Burgruine? Doch die Antwort ist einfacher als gedacht. Dieses Bauwerk, der Schwerbelastungskörper, ist nicht für Menschen konzipiert, sondern um schlicht schwer zu sein. Mit einem Durchmesser von 21 Metern, einer Höhe von 14 Metern und einer Tiefe von 18 Metern bringt er stolze 12.650 Tonnen auf die Waage.
Der Betonbau diente als Versuchsobjekt, um zu testen, wie der Boden auf große Belastung reagiert. Die Idee dazu stammt von Adolf Hitler und seinem Architekten Albert Speer, der die Pläne für eine umgestaltete Reichshauptstadt Berlin, bekannt als "Welthauptstadt Germania", entwarf. Zentraler Bestandteil dieser grandiosen Vision war ein gigantischer Triumphbogen, der 117 Meter hoch und 170 Meter breit sein sollte, und an der Nord-Süd-Achse zwischen den zentralen Bahnhöfen in Moabit und Tempelhof errichtet werden sollte.
Um die Tragfähigkeit des Untergrunds für dieses Monument zu prüfen, beauftragte Speer mit dem Bau des Schwerbelastungskörpers. Obwohl der Triumphbogen nie realisiert wurde, steht der Schwerbelastungskörper noch heute als Mahnmal des Größenwahns der Nationalsozialisten.
Heute hat sich die Funktion des Bauwerks gewandelt und es dient als Informationsort. Auf dem Gelände sind Ausstellungen über seine Geschichte angeordnet, und es gibt einen Aussichtsturm. Im Rahmen des Festivals der Berliner Industriekultur sind auch die Orte und Museen von Tempelhof-Schöneberg beteiligt. Am Sonntag, dem 20. September 2026, werden historische Doppeldeckerbusse zwischen den verschiedenen Veranstaltungsstellen verkehren, einschließlich des Schwerbelastungskörpers.
Besucher werden erfahre, dass die Tests damals tatsächlich Auswirkungen auf den Boden hatten. Der Zylinder sank in zwei Jahren ab 1941 um 19 Zentimeter ein. Eine Erkenntnis, die die Realisierbarkeit des Triumphbogens erheblich in Zweifel zieht.
Die Tour zum Aktionstag "Industriekultur in Tempelhof-Schöneberg" führt zudem zu anderen bedeutenden Stationen, wie zur ehemaligen Hauptwerkstatt der Berliner Stadtreinigung (BSR) in der Ringbahnstraße. Dort reparierte die BSR ab 1959 ihre Fahrzeugsflotte in den historischen Pferdeställen der Kaiserzeit. Die ursprüngliche Halle wurde 1969 gestaltet und steht heute unter Denkmalschutz, während die BSR ihre Hauptwerkstatt nach Marzahn transferierte.
Eine Ausstellung in diesem Areal dokumentiert die Geschichte der Berliner Straßenreinigung und Müllabfuhr, kuratiert vom Verein Saubere Zeiten e.V. Zu sehen sind eine Sammlung von historischen Fahrzeugen aus verschiedenen Jahrhunderten.
Ebenso befahren die Doppeldeckerbusse weitere Stationen wie den Tower des Tempelhofer Flughafens, den Natur-Park Südgelände und die Ufa-Fabrik. Im Natur-Park können Besucher bei einem entspannenden Sonntagsspaziergang die ökologische Vielfalt des Gebietes erkunden. Die Ufa-Fabrik, ein historischer Ort der Filmgeschichte, wird seit 1979 von Öko-Pionieren für alternative Lebens- und Arbeitsprojekte genutzt und erzählt die Geschichten ihrer verschiedenen kulturellen Initiativen.
Die historischen Doppeldeckerbusse, die an diesem Aktionstag im 30-Minuten-Takt verkehren, bieten den Besuchern die Möglichkeit, mehr über die Industriegeschichte des Bezirks zu erfahren. Die Teilnahme an dieser kulturellen Rundfahrt ist kostenlos.
Über den Autor
Julian K. ist im Berliner Kiezleben zu Hause und hält den Puls der Stadt im Blick. Seine Berichterstattung deckt das gesamte Spektrum ab – vom Profi- und Breitensport über Kulturveranstaltungen bis hin zu Eilmeldungen aus den zwölf Bezirken. Dank seines starken Netzwerks gehört er zu den Ersten, wenn es um aktuelle Ereignisse in der Metropolregion geht.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!