Legionellenalarm im Seniorenheim: Zwei Todesfälle in Berlinovo
In einem Seniorenwohnheim in Reinickendorf, das im Besitz der landeseigenen Immobiliengesellschaft Berlinovo ist, wurde das Trinkwasser mit Legionellen kontaminiert. In dem Heim an der Veitstraße in Tegel sind bereits zwei Personen gestorben und fünf weitere Bewohner mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ob die Legionellen im Wasser tatsächlich die Ursache für die Todesfälle sind, ist bislang unklar. Die Berlinovo hat diese Informationen gegenüber der Morgenpost bestätigt, während die B.Z. zuerst über den Vorfall berichtete.
Das Heim wird von der Johanniter-Unfall-Hilfe betrieben. Eine zentrale Frage betrifft nun, ob die Berlinovo als Eigentümerin rechtzeitig auf die Meldungen über die Legionellenreaktionen reagiert hat. Legionellen sind Bakterien, die bevorzugt in Warmwasserleitungen vorkommen und sich bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad besonders gut vermehren. Laut dem Legionelleninformationsdienst können sie durch das Einatmen von aerosolisierten Wassertropfen, beispielsweise beim Duschen, zu einer Infektion führen. Dies kann harmloses Fieber zur Folge haben, kann jedoch auch die Legionärskrankheit auslösen, die eine potenziell tödliche Lungenentzündung ist.
In einer Pressemitteilung erklärte die Berlinovo ihren Einsatz zum Schutz der Bewohner und berichtete, dass die Mitarbeitenden informiert wurden. Wann genau der Eigentümer von dem Legionellenbefall Kenntnis hatte, wurde nicht mitgeteilt. Die Gesellschaft hat jedoch ein Duschverbot verhängt und Maßnahmen ergriffen, darunter eine thermische Desinfektion, das Durchspülen aller Wasserentnahmestellen sowie die Anbringung von Filtern an Duschköpfen und anderen Armaturen. Diese Arbeiten wurden am 17. Juli, dem letzten Freitag, abgeschlossen, und die Mieter wurden darüber informiert. Das Vorgehen wird kontinuierlich mit dem Gesundheitsamt des Bezirks Reinickendorf koordiniert.
Seit Jahresbeginn wurden in Berlin insgesamt 54 Fälle von Legionellose gemeldet. Wiederholt gab es Berichte über Legionellenbefall in Wohnhäusern, zuletzt im Mai in Lichtenrade, wo die private Immobiliengesellschaft Adler-Group betroffen war. In dieser Situation wurde eine Vernachlässigung durch den Eigentümer angemerkt. Nach dem Infektionsschutzgesetz und der Trinkwasserverordnung besteht für Legionellen eine doppelte Meldepflicht. Die Senatsgesundheitsverwaltung hat entsprechende Warnhinweise und Vorgaben veröffentlicht. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) informiert über neue Fälle, wobei in der 28. Meldewoche fünf Fälle gemeldet wurden, betroffen waren zwei Männer und drei Frauen im Alter zwischen 40 und 85 Jahren (Median: 81 Jahre). Der Beginn der Erkrankungen lag zwischen Ende Juni und Anfang Juli.
Die Berlinovo zählt zu den sieben Wohnungsbaugesellschaften des Landes Berlin und entstand aus den Restbeständen der 2001 insolvent gewordenen Berliner Bankgesellschaft. Im Zuge des Immobilienbooms hat sich das Unternehmen von einer „Bad Bank“ zu einer finanziell soliden Gesellschaft mit hohem Eigenkapital entwickelt. Neben der Verwaltung von über 30.000 Wohnungen, von denen 20.000 in Berlin liegen, ist ein Teil ihres Geschäfts die Vermietung von möblierten Apartments. Der Aufsichtsratsvorsitzende ist Finanzsenator Stefan Evers (CDU). Zudem engagiert sich die Berlinovo auch beim Bau von Spezialimmobilien wie Studierendenwohnheimen und Pflegeheimen.
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