Hauptstadt Report
Politik

Anstieg antisemitischer Straftaten in Berlin: Juden meiden bestimmte Viertel

Markus S. · 22. August 2026, 07:19 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 3 Aufrufe
Anstieg antisemitischer Straftaten in Berlin: Juden meiden bestimmte Viertel

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres etwa 700 Fälle antisemitischer Straftaten verzeichnet. Dies bedeutet einen Anstieg von fast 300 Verfahren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie die Antisemitismusbeauftragte der Generalstaatsanwaltschaft, Jana Berthold, mitteilte. Sie erklärte, dass dies nicht unbedingt auf eine tatsächliche Zunahme der Straftaten zurückzuführen sei. „Viele Verfahren konnten erst jetzt abgeschlossen werden, nachdem die Zahl der Verfahren seit dem 7. Oktober 2023 angestiegen ist“, erklärte Berthold.

Der islamistische Terroranschlag auf Israel führte laut Berthold zu einem signifikanten Anstieg der registrierten Straftaten durch Polizei und Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt. „Die Zahl stagniert inzwischen jedoch auf einem hohen Niveau“, so die Juristin, die das Amt im Juli von Florian Hengst übernommen hat.

Für das Jahr 2025 meldete die Staatsanwaltschaft bereits 821 Verfahren mit antisemitischem Hintergrund, im Jahr 2024 wurden es 757 und im Jahr 2023 waren es 589. Allerdings sind die Zahlen nicht direkt vergleichbar, da es im zweiten Halbjahr 2025 eine Änderung bei der Statistik gab. Seither werden auch antisemitische Straftaten im Zusammenhang mit Demonstrationen zum Thema Nahost-Konflikt erfasst, die zuvor separat aufgezeichnet wurden.

Im Fokus der Ermittlungen stehen weiterhin vor allem Volksverhetzungen, die Verwendung von Symbolen verfassungswidriger Organisationen sowie Sachbeschädigungen durch antisemitische Schmierereien und Beleidigungen. Berthold erläuterte, dass sich der Anteil dieser Straftaten im laufenden Jahr im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. „Doch von der generellen Gewichtung hat sich nichts verändert“, merkte sie an.

Die Problematik betreffe vorrangig sogenannte Äußerungsdelikte und Sachbeschädigungen, während Körperverletzungen seltener auftreten. „Glücklicherweise ist das so. Aber es muss festgestellt werden, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die in der Öffentlichkeit nicht mehr sichtbar sind. Die Anzahl der Übergriffe muss in Relation gesetzt werden“, fügte die Staatsanwältin hinzu.

Laut Berthold verzichten viele jüdische Bürger inzwischen bewusst darauf, ihr religiöses Bekenntnis öffentlich zu zeigen. „Sie zeigen sich nach außen nicht mehr und tragen ihre religiösen Symbole nicht mehr offen oder verstecken sie. Zudem überlegen sie es sich sehr genau, bestimmte Stadtteile nicht mehr zu betreten“, schilderte sie die aktuelle Lage. „Das ist ein Zustand, den wir nicht akzeptieren dürfen.“

Straftaten in diesem Zusammenhang werden konsequent verfolgt. „Die Schmierereien senden eine Botschaft, und Äußerungsdelikte können bei den Opfern ein Gefühl der Unsicherheit erzeugen“, betonte Berthold. „Dies kann dazu führen, dass Menschen ihr Verhalten im öffentlichen Raum ändern, etwa indem sie sich fragen, ob sie einen Davidstern an ihrer Kette tragen oder sich in bestimmten Situationen und an bestimmten Orten als jüdisch zu erkennen geben sollten.“

Zahlen der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) zeigen, dass im Jahr 2025 in Berlin mehr als 2.000 antisemitische und antiisraelische Beleidigungen, Drohungen, Beschädigungen und Angriffe registriert wurden. Zwar waren dies etwas weniger als im Vorjahr, doch der Wert liegt mehr als doppelt so hoch wie vor dem Terrorangriff auf Israel.

Artikel teilen mit:

Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!

Kommentar schreiben