Terroristinnen entkommen: Ausbruch aus Berliner Frauenknast
In der Nacht zum 7. Juli 1976 brachen vier Terroristinnen des ‚Kommandos 2. Juni‘ aus einem Frauengefängnis in der Lehrter Straße, Berlin-Moabit, aus. Trotz des lautstarken Eintreffens der Polizei mit Blaulicht standen die Beamten vor einem Problem: Sie mussten die letzten Meter zu Fuß zurücklegen, da ihre Fahrzeuge aufgrund von platten Reifen durch Krähenfüße behindert waren. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Ausbrecherinnen bereits 45 Minuten Vorsprung und konnten in aller Ruhe ihre Fluchtpläne ausführen.
Die geflohenen Frauen – Inge Viett, Gabriele Rollnik, Juliane Plambeck und Monika Berberich – waren zentrale Figuren innerhalb der Terrororganisation ‚2. Juni‘, die für eine Reihe von Verbrechen, einschließlich der Ermordung des Kammergerichtspräsidenten und der Entführung des CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz, verantwortlich sind. In der Folge des Ausbruchs wurde die Bundesregierung unter Helmut Schmidt und die Opposition unter Helmut Kohl wachsam, da der Vorfall die politische Landschaft in den Monaten vor der Bundestagswahl beeinflussen könnte.
Die Koalitionsregierung hatte bis zu diesem Punkt ein gewisses Maß an Kontrolle und Härte gezeigt. Vor dem Ausbruch war die Eskalation der internen Sicherheit bereits während der Entführung von Peter Lorenz und der Geiselnahme in Entebbe zu beobachten. Politische Entscheidungsträger hatten eine klare Linie verfolgt: keine Freilassung von politischen Gefangenen, um künftige Terrorakte nicht zu provozieren.
Der Ausbruch ließ jedoch an der Effizienz der Berliner Justizsystem Zweifel aufkommen. Viett hatte bereits zuvor Fluchtversuche unternommen, und trotz ausbleibender Änderungen in den kritisierten Zuständen des Gefängnisses war die Flucht der vier Frauen ein drastisches Zeichen für die Vernachlässigung äußerer Sicherheitsvorkehrungen. Sie hatten sich Schlüssel besorgt, um ihre Zellen zu öffnen und die Wärterinnen mit Bettwäsche zu fesseln, bevor sie durch ein ungesichertes Oberlicht entkamen. Ihre Flucht endete in einem silbernen Mercedes.
Die mediale Berichterstattung war schnell und überschwenglich: Zeitungen und Rundfunk kommentierten hämisch den Vorfall, während die Berliner Morgenpost bemerkte, dass Viett wieder einmal „aus dem Knast spazieren konnte, wie eine Pensionatsschülerin zum Kirchgang“. Die Verbindung zwischen Terrorakten und den Frauen wurde in der Berichterstattung ebenfalls betont, wobei verschiedene Magazine sowohl ernste als auch skandalöse Vergleiche zogen.
Das Ganze stellte nicht nur einen sicherheitspolitischen Skandal dar, sondern löste auch eine öffentliche Debatte über die Behandlung von Terroristen und die Wahrnehmung von Geschlechterrollen innerhalb terroristischer Gruppen aus, die zur damaligen Zeit gesellschaftlichen Diskurs prägten.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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