Berlins IT: Nach dem Hackerangriff herrscht Chaos
Unklarheit um den massiven Hackerangriff auf die öffentliche IT von Berlin. Der Verdacht fällt auf einen feindlichen Staaten, im Gegensatz zu den Methoden krimineller Gruppen. Techniker sind bereits seit über einer Woche im Einsatz, um die Verantwortlichen ausfindig zu machen und die Sicherheitslücken zu schließen.
Die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung sowie Mobilität und Umwelt sind weiterhin in ihrer Arbeit stark eingeschränkt. Wohngeldempfänger müssen um ihre Zahlungen fürchten. In der Verwaltung des Roten Rathauses gibt es Bedenken, dass wichtige Fristen, etwa für den Bundesrat, verpasst werden. Grund dafür ist, dass die elektronische Kommunikation zwischen den Landesressorts und der Bundesebene nicht wie vorgesehen funktioniert.
Die Informationspolitik der Stadtregierung in Bezug auf den massiven IT-Ausfall ist unzureichend. Nach einer wenig aussagekräftigen Pressekonferenz gibt es kaum verlässliche Informationen. Zudem bleibt unklar, warum das IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) nicht konsequent den geforderten Standards genügt, obwohl es speziell für den Schutz des sensiblen Landesnetzes eingerichtet wurde. Die Hacker haben den Zugang dort gefunden, wo die Senatsverwaltungen eigenverantwortlich ihre Netzwerke betreiben.
Das ITDZ hat, aus verschiedenen Gründen, nicht den besten Ruf bei den Verwaltungseinheiten. Politische Entscheidungsträger haben jedoch die Entwicklung eines sicheren IT-Systems ignoriert. Der Ruf nach einer zentralen IT-Steuerung und einer effektiven Leitung durch den „Chief Digital Officer“ kommt jetzt von Stefan Evers, dem Finanzsenator der CDU, der diesbezüglich aufhorchen lässt. Diese Forderung kommt jedoch spät, zumal in der kürzlichen Vergangenheit sogar Mittel für IT-Initiativen gekürzt wurden.
Die Diskussion über eine Verwaltungsreform, die unter der Leitung des scheidenden Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner stattfindet, hat die Aspekte der Digitalisierung nicht berücksichtigt, was von Insidern kritisch angemerkt wird. Sollte eine neue Koalition die zentrale Steuerung der Berliner IT verbessern wollen, ist es ebenso wichtig, wer dort das Sagen hat. Den Verantwortlichen im Rathaus fehlt oft die notwendige Expertise, um die richtigen Softwarelösungen für die Stadt zu wählen. Aktuell hat das Rote Rathaus dem ITDZ noch zu sagen, welche Produkte beschafft werden sollen, wie zuletzt beim Kauf eines „Low Code, no Code“-Systems.
Die Spannungen zwischen dem ITDZ und den Entscheidern im Rathaus wurden zuletzt durch eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen dem abberufenen CDO Matthias Hundt und der ITDZ-Leiterin Maria Borelli deutlich. Solange sich die strukturellen Probleme nicht lösen, dürften Hacker in Berlin leichteres Spiel haben.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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