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Berliner Protest gegen AfD verläuft schwach trotz ernster Lage

Markus S. · 06. September 2026, 20:04 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 2 Aufrufe
Berliner Protest gegen AfD verläuft schwach trotz ernster Lage

Bei der Demonstration mit dem Titel „Nie wieder. Jetzt! – Antifaschistische Zubringerdemo Demokratie verteidigen! – AfD‑Verbot jetzt!“ herrscht eine gedrückte Stimmung. Der Umzug startet am Dorothea-Schlegel-Platz, direkt neben dem Bahnhof Friedrichstraße, und führt zur Luisenstraße 18, wo das Büro von Sachsen-Anhalt untergebracht ist.

Nachdem die ersten Wahlergebnisse gegen 18 Uhr veröffentlicht werden, verschlechtert sich die Stimmung weiter. Rund 44 Prozent der Wähler haben sich für die AfD entschieden. Lediglich etwa 80 Demonstranten, von denen viele eine Antifa-Flagge schwenken, zeigen sich betroffen. Auf dem Boden liegen Transparente mit Aussagen wie „Asylrecht verteidigen“.

Eine der Organisatorinnen ruft ins Megafon: „Die Prognose sieht leider gar nicht gut aus – wir hoffen, dass wir heute Abend Kraft tanken können und den Genossen in Sachsen-Anhalt zeigen, dass sie nicht allein sind.“ Sie betont, dass das Wahlergebnis kein Zufall, sondern die Folge einer „neo-liberalen Politik“ sei, die Rassismus sträflich ignoriere. Man möchte abwarten, ob noch mehr Menschen zur Demo kommen, bevor der Marsch beginnt. Letztendlich kommen ungefähr 200 Personen zusammen.

Unter den Anwesenden ist nur ein Livestreamer, der vermutlich zur Gegenseite gehört und seine Kamera aufgestellt hat, um sich über die Demonstranten lustig zu machen. Diese beschützen sich mit Regenschirmen gegen ihn, während er unbeirrt seine Kommentare abgibt.

Das Ziel der Demonstration ist das Brandenburger Tor, wo SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach zur Aktivitäten eingeladen hat. Krach, der kürzlich Aufsehen erregte, als er mit einem Pappschild vor dem Russischen Haus stand und Enteignungen forderte, ist nun mit der Kampagne „Krach gegen Nazis“ aktiv. Ein grimmig dreinblickender Berliner Bär zerreißt den blauen Pfeil der AfD, während rot die Farbe der SPD darstellt.

Am Brandenburger Tor trifft man auch auf Stefan aus Lichtenrade, der ursprünglich aus Stuttgart stammt. Für ihn ist jede Stimme für die AfD zu viel. Er betont die Notwendigkeit, die Demokratie zu bewahren, da deren Bedrohung klar zu erkennen ist. Laut ihm sollte die Präsenz der Demonstranten ein Zeichen setzen, auch wenn dies möglicherweise die AfD-Wähler bestärken könnte.

Krachs Bus rollt verspätet am Pariser Platz an, während die Polizei Touristen und Demonstranten von der Straße auf den Mittelstreifen schickt. Ob als politische Demonstranten oder Touristen, insgesamt sind nur einige Hundert Personen anwesend.

Krach wird über Lautsprecher als „künftiger Regierender Bürgermeister von Berlin“ angekündigt. Er ergreift das Wort und erklärt, dass der Abend ungewiss sei, jedoch der 6. September 2035 ein wichtiger Wendepunkt für das Land darstellt. Alle demokratischen Parteien müssten nun zusammenkommen, um eine Koalition gegen die Rechtsextremisten zu bilden. Krach merkt an, dass die AfD in Berlin nicht so stark ist wie in Sachsen-Anhalt, trotzdem dürfe man sich nicht zurücklehnen.

Die Veranstaltung mit dem großen SPD-Bus, der den Slogan „Krach gegen Nazis“ trägt, wird als keine Parteiveranstaltung deklariert; die SPD habe sie lediglich angemeldet. Aufgrunddessen spricht auch die Volt-Spitzenkandidatin Anna Auerbach, die ihren Wahlkampf-Doppelstockbus nutzen wollte, aber bereits vor der Französischen Botschaft parken musste und den Rest zu Fuß zum Veranstaltungspunkt ging. Sie äußert, dass es ein trauriger Abend sei und ein „Weiter-so“ nicht akzeptiert werden kann.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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