Die Nördliche Hausmücke: Ein neues Phänomen in Berliner U-Bahnhöfen
Wer regelmäßig den Potsdamer Platz mit der U- oder S-Bahn nutzt, könnte den Eindruck gewinnen, dass der Sommer in Berlin niemals endet. Diese nicht ganz so erfreuliche Wahrnehmung geht auf die Nördliche Hausmücke zurück, deren Vorliebe für U-Bahnhöfe dafür sorgt, dass viele Fahrgäste auch im Herbst und Winter von den Blutsaugern genervt werden.
Sandra Junglen, Professorin am Institut für Virologie an der Charité, sieht diese Situation zugleich als ungewöhnlich und gewöhnlich an. "Evolutionär gesehen sind sie keine Tiere, die unterirdisch leben. Ihre Präferenz für Bahnhöfe ist jedoch nicht neu", erklärte sie im Interview mit dem RBB. Junglen beschäftigt sich unter anderem mit der Forschung zu Stechmücken.
Nun stellt sich die Frage, ob wir in Berlin nun ebenfalls mit einem Phänomen wie den „Underground Moskitos“ aus London rechnen müssen. Junglen erklärt: "Die Anpassung an Urbanisierung und menschliche Aktivitäten führt dazu, dass Mücken neue Gebiete und Lebensräume für sich entdecken – dazu gehören auch die U-Bahn-Schächte."
Zwei Hauptfaktoren begünstigen das Wachstum der Nördlichen Hausmücke im Untergrund: die Dunkelheit und die konstanten Temperaturen. Das macht die U-Bahn-Schächte zu einem idealen Lebensraum für die Mücken, selbst in den kalten Wintermonaten. Für die Menschen kann dies jedoch zu einer lästigen Plage werden.
Besonders betroffen von der Mückenpopulation sind die Angestellten der Geschäfte am Potsdamer Platz. Eine Kiosk-Mitarbeiterin äußerte im „Tagesspiegel“: "Jetzt haben wir auch im Winter Mücken, was normalerweise nicht der Fall sein sollte." Die stetige Ablenkung durch die Mücken und zusätzliche Kosten für Abwehrmittel sind für viele Angestellte ein Ärgernis.
Sandra Junglen schließt zwar eine Ansteckungsgefahr mit tropischen Krankheiten aus, betont aber, dass der Fokus auf der Anpassung städtischer Räume an den Klimawandel liegen sollte. Mehr Regenwasser, zusätzliche Bäume und Schatten könnten ein attraktives Umfeld für Mücken schaffen – es sei denn, sie suchen weiterhin Zuflucht im Untergrund, wie am Potsdamer Platz schon seit Jahren.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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