Ehemaliges Frauengefängnis zum kreativen Zentrum in Berlin
Das ehemalige Frauengefängnis in der Lehrter Straße, gelegen in Berlin-Moabit und einst gefragter Drehort für die Serie „Babylon Berlin“, hat sich in einen neuen kreativen Raum für Kunst und Musik verwandelt. Nach einer dreijährigen, umfassenden Sanierung ist das Gebäude nun als Musikhaus und Atelierhaus nutzbar. Der gesamte Umbau, der über 17,7 Millionen Euro gekostet hat, stellt ein bedeutendes Zeichen für die Berliner Kulturszene dar, die gegenwärtig unter hohen Mieten und erheblichen Haushaltskürzungen leidet.
In den umgestalteten Räumlichkeiten herrscht eine hervorragende Akustik. Die israelische Band Rasco nutzt bereits einen der Proberäume. Im August zogen schließlich die ersten Mieter in das Gebäude ein, aus dem in den 1970er Jahren zwei Mal die RAF-Terroristin Inge Viett geflohen war. Anstelle der früheren Gefängnismauern wurde eine neue errichtet, die noch höher ist als die alte Berliner Mauer. Momentan sind etwa 140 Personen in den ersten beiden sanierten Gebäudeteilen aktiv, wobei die Räume von Bands, Künstlergruppen und einzelnen Künstlern als Ateliers und Studios genutzt werden. Aufgrund der hohen Nachfrage teilen sich teils zwei Bands einen Raum.
Die Mieten in diesen neuen kreativen Räumen liegen deutlich unter dem Berliner Durchschnitt, da die Gelder für das Projekt zuvor bereits genehmigt waren. Die Kosten richten sich nach dem Einkommen der Mieter und schwanken zwischen 4,09 und 6,50 Euro pro Quadratmeter. Dies ist besonders vorteilhaft für Musiker, da ähnlich schallgeschützte Räume in Berlin kaum noch erschwinglich sind.
Laura Raber von der Kulturraum Berlin gGmbH äußert sich erleichtert über die Fertigstellung des Standorts: „Wir sind vollkommen glücklich, dass dieser Standort dann doch fertiggestellt werden konnte“. Angesichts der umfassenden Kürzungen im Kulturbereich sei dies alles andere als selbstverständlich gewesen. Für die Berliner Kulturszene ist dieses Projekt ein wichtiges Signal, insbesondere in einer Zeit, in der viele Künstler unter finanziellen Druck leiden.
Die denkmalgerechte Sanierung, welche von dem Berliner Architekturbüro Renner durchgeführt wurde, stellte hohe architektonische Ansprüche. Dabei wurden Aspekte wie Barrierefreiheit und Schallschutz berücksichtigt, beispielsweise durch die Installation einer mechanischen Be- und Entlüftung in den Proberäumen. Dies ermöglicht es Musikern, ihre Proben bei geschlossenen Fenstern durchzuführen, ohne die Nachbarschaft zu stören.
Ein drittes Gebäude ist bereits in Planung, dessen Bauarbeiten im November beginnen sollen. Die Fertigstellung wird für das Jahr 2029 angestrebt, mit dem Ziel, dort temporäre Räume für Musik und darstellende Künste zu schaffen. Im Gegensatz zu den nun bewohnten Gebäuden sollen diese neuen Räume stunden-, tage- oder wochenweise mietbar sein.
Insgesamt bietet das ehemalige Gefängnis nun 32 Ateliers und 49 Proberäume, von denen jedoch lediglich drei barrierearme Räume zurückgehalten wurden, nachdem fast 500 Bewerbungen eingegangen waren. Ein Gremium hat die geeigneten Künstler anhand von Kriterien wie Wohnsitz, künstlerischer Professionalität und Dringlichkeit ausgesucht. Somit soll sichergestellt werden, dass diejenigen, die am dringendsten Unterstützung benötigen, auch Zugang zu den neuen kreativen Räumen bekommen.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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