BVV-Wahlen 2026 in Spandau: Wer wird neuer Bezirksbürgermeister?
In Spandau hat die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) stattgefunden. Das vorläufige Ergebnis kommt zu dem Schluss, dass die CDU mit 27,7 Prozent stärkste Partei bleibt, jedoch erhebliche Verluste hinnehmen musste. Trotz dieser Rückgänge hat der aktuelle Bezirksbürgermeister Frank Bewig aussichtsreiche Chancen, seinem Amt treu zu bleiben, auch wenn seine Wahl abhängig von den 55 Mitgliedern der BVV ist, die ihn wählen müssen.
Die Voraussetzung für eine Wahl ist das Erreichen von mindestens 28 Stimmen, und es ist möglich, dass mehrere Parteien eine Zählgemeinschaft bilden, um einen gemeinsamen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Bewig, der seit 2023 im Amt ist, hatte zuvor eine Koalition mit den Grünen, doch eine solche Mehrheit existiert nun nicht mehr.
Der Rückgang der CDU ist signifikant: Sie verlor 11,7 Prozentpunkte im Vergleich zur Wiederholungswahl 2023, was den stärksten Verlust aller Parteien darstellt. Die FDP hat den Einzug in die BVV verloren, während die AfD mit 20,6 Prozent zur zweitstärksten Kraft avancierte. Die Linke verdreifachte ihren Stimmenanteil auf 14,6 Prozent, die SPD fiel auf 16,1 Prozent, die Grünen erhielten 8,4 Prozent, während das BSW, eine neu eingezogene Partei, 4,2 Prozent erreichen konnte. Künftig stellt die CDU 17 der 55 Bezirksverordneten, gefolgt von der AfD mit 12, SPD und Linke mit jeweils 9, den Grünen mit 5, dem BSW mit 2 und der Tierschutzpartei mit 1.
Im Zuge dieser Entwicklungen wird eine Zählgemeinschaft zwischen CDU, SPD und Grünen als wahrscheinlich angesehen, da sie zusammen auf 31 Sitze kämen. Bewig erhielt bereits 2023 Unterstützung der Grünen im Bezirksamt. Auch eine Kooperation von CDU, SPD und BSW mit insgesamt 28 Sitzen ist denkbar, genau wie eine mögliche Zusammenarbeit von CDU, Grünen und Linken – wobei diese jedoch politisch kompliziert sein könnte.
Es ist entscheidend, dass die CDU eine zentrale Rolle spielt, denn die restlichen Parteien – SPD, Linke, Grüne, BSW und Tierschutzpartei – hätten gemeinsam nur 26 Sitze und erreichen somit keine Mehrheit. Theoretisch wäre ein Zweierbündnis von CDU und AfD mit 29 Sitzen möglich, jedoch haben die anderen Parteien eine Kooperation mit der AfD konsequent abgelehnt.
Frank Bewig, ein 51-jähriger Diplom-Politologe, könnte somit die besten Chancen auf das Bürgermeisteramt haben. Er wuchs in Spandau auf und hat Erfahrung als Mitarbeiter im Bundestag und als Bezirksstadtrat.
Zudem treten die anderen Parteien mit Spitzenkandidaten an, die jedoch realistisch gesehen nicht die Möglichkeit haben, Bürgermeister zu werden. Lars Leschewitz von der Linken, Gregor Kempert von der SPD und Dara Kossok-Spieß von den Grünen sind die jeweiligen Kandidaten, die sich als alternative Stimmen präsentieren. Leschewitz setzt auf soziale Themen und den Nahverkehr, Kempert auf soziale Dienste, während Kossok-Spieß einen Fokus auf moderne Verwaltung und Klimaschutz legt. Andreas Otti von der AfD, der seine Partei auf Platz zwei führte, wünscht sich eine spürbare politische Wende nach rechts.
Die Herausforderungen für Spandau werden in den kommenden Jahren vielfältig sein, nicht nur in Bezug auf die Bürgermeisterwahlen. Das Bezirksamt wird aufgrund der Parteistärke neue Posten vergeben und muss auch den steigenden Platzbedarf der wachsenden Bevölkerung, die bis 2040 voraussichtlich von etwa 260.000 auf rund 275.000 ansteigt, adressieren. Zu den zentralen Themen zählen auch der Wohnungsbau und die Verkehrsplanung, die in den kommenden Jahren entscheidend sein werden. Die Bevölkerung von Spandau erwartet Antworten auf diese Herausforderungen von der neuen BVV, die in Zukunft aus sieben Fraktionen besteht, was die Bildung von Mehrheiten erheblich erschwert.
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Über den Autor
Julian K. ist im Berliner Kiezleben zu Hause und hält den Puls der Stadt im Blick. Seine Berichterstattung deckt das gesamte Spektrum ab – vom Profi- und Breitensport über Kulturveranstaltungen bis hin zu Eilmeldungen aus den zwölf Bezirken. Dank seines starken Netzwerks gehört er zu den Ersten, wenn es um aktuelle Ereignisse in der Metropolregion geht.
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