Vorsicht bei Sperrmüll-Angeboten: So schützen Sie sich vor Betrug
Immer wieder versuchen dubiose Sperrmüllanbieter, Berliner Kunden mit irreführenden Praktiken zu übervorteilen. So haben Verbraucher bereits für 35 Euro vereinbarte Abholungen erlebt, bei denen ihnen letztendlich über 200 Euro abverlangt wurden.
Die Masche der Betrüger? Sie erstellen gefälschte Internetseiten, die den Originalseiten der Berliner Stadtreinigung (BSR) stark ähneln. Sie zielen darauf ab, dass Verbraucher sie mit der offiziellen Müllabfuhr verwechseln. Simon Götze von der Verbraucherzentrale erläutert: "Verbraucher rufen dann in dem Glauben an, sie kontaktieren die städtische Müllabfuhr und erhalten schnell einen Abholtermin."
Häufig fallen die Forderungen nach der Abholung viel höher aus, als ursprünglich vereinbart. Berichten zufolge sind bis zu vierstellige Beträge gefordert worden, und die BSR spricht von bis zu zehnfachen Erhöhungen des Abholpreises. Laut Götze führen die Abzocker oft unvorhergesehene Mengenüberschreitungen oder angebliche Zusatzkosten als Grund für die Erhöhung an. Dies kann für die Betroffenen eine sehr unangenehme und bedrohliche Situation darstellen. Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass eine Neuköllnerin, die zwei Matratzen entsorgen wollte, anstatt der genannten 35 Euro plötzlich 211 Euro zahlen sollte. Die Abholer trugen zudem keine offizielle BSR-Arbeitskleidung und fuhren mit einem unbeschrifteten weißen Lieferwagen.
Die Problematik ist nicht neu. Die BSR erklärt, dass es immer wieder Beschwerden über solche Betrugsmaschen gibt. Damit beschäftigt sich auch die Verbraucherzentrale Berlin regelmäßig. Dank moderner Technologien sei es heutzutage einfacher, täuschend echte Fälschungen der BSR-Website zu erstellen, sagt Götze.
Statistiken zeigen, dass die Polizei im letzten Jahr 54 Anzeigen erstattet hat. Bis 2026 sind laut Sprecher Martin Stralau bereits 198 Anzeigen registriert worden. Der gemeldete Schaden betrug 2025 etwa 83.000 Euro, während er in diesem Jahr schon bei etwa 207.000 Euro liegt.
Opfer des Betrugs haben unter Umständen einen Anspruch auf Rückzahlung, doch dies ist oft mühsam durchzusetzen, da die Personen hinter den Webseiten häufig unbekannt bleiben. Götze betont, dass Zahlungen in der Regel in bar oder per Karte erfolgen, was eine Rückabwicklung ohne die Mitwirkung des Empfängers schwierig macht. Die BSR rät dringend dazu, im Fall eines Betrugs die Polizei zu kontaktieren und eine Anzeige zu erstatten.
Obwohl die Polizei regelmäßig wegen Verdachts auf Sperrmüllbetrug ermittelt, werden viele Verfahren eingestellt, da die Staatsanwaltschaft diese Fälle als zivilrechtliche Angelegenheiten einordnet und nicht als strafrechtlich relevanten Betrug. Dies ist frustrierend für Betroffene, die sich getäuscht fühlen.
Um sicherzustellen, dass die BSR die Abholung vornimmt, betont das Unternehmen, dass nur über die offizielle Webseite und die Nummer +49 30 7592 4900 Sperrmüllentsorgungen beauftragt werden können. BSR-Mitarbeiter tragen orangefarbene Arbeitskleidung mit dem BSR-Logo und fahren orangefarbene Fahrzeuge mit entsprechenden Kennzeichen. Als wichtiger Hinweis wird darauf aufmerksam gemacht, dass keine Subunternehmen mit der Sperrmüllabholung beauftragt werden.
Um gefälschte Internetseiten zu identifizieren, gibt es verschiedene Anwendungen wie den Fake-Shopfinder oder die Apps „FakeDefense AI“ und „scamadviser“, die betrügerische Seiten bewerten. Es ist ratsam, die Webseite genau zu prüfen und im Zweifelsfall die Kontaktinformationen sowie die Domains zu überprüfen.
Wenn es zu Drohungen kommt, wird empfohlen, die Polizei zu rufen. Erfahrungen zeigen, dass die Abholer in der Regel sofort den Ort verlassen, wenn die Polizei erwähnt wird.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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