Felix Schönebeck: Direktwahl oder Abschied aus der Politik?
Felix Schönebeck gehört zu den aktivsten Kommunalpolitikern in Berlin. Regelmäßig informiert er Presse und Öffentlichkeit über seine Anliegen, egal ob per E-Mail oder in sozialen Netzwerken. Sein Aktionsfeld umfasst zahlreiche Themen – von der Idee eines mit Solarenergie betriebenen Mülleimers bis hin zur Forderung, aus einer Flüchtlingsunterkunft Wohnungen für alle zu schaffen. Auch bei der seit längerem verzögerten Sanierung der U6 ist er ein aktiver Begleiter. Als Vorsitzender der Initiative "I love Tegel" ist Schönebeck in seinem Wahlkreis sehr sichtbar.
Der Reinickendorfer CDU-Politiker bewirbt sich bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September um ein Direktmandat im Wahlkreis "Reinickendorf 2", der Bereiche wie die Scharnweberstraße, den Kurt-Schumacher-Damm und den Eichborndamm umfasst. Durch das Gebiet verlaufen die U6, die Autobahn 111 sowie die S-Bahn-Linie S25. Da er keinen gesicherten Listenplatz hat, erklärt er: „Wenn das nicht klappt, dann bin ich raus“. Diese Ansicht teilt er mit seiner Familie, und eine Karriere in der Bezirkspolitik kommt für ihn nicht in Frage.
Schönebeck ist seit einem Jahrzehnt in der Kommunalpolitik aktiv. Bei der Wahl im Jahr 2021 war er noch einer der ernsthaften Anwärter auf die Position des Ordnungsstadtrats in Reinickendorf, die letztlich an Julia Schrod-Thiel ging. Diese hat jedoch ihr Amt verlassen und arbeitet mittlerweile für die BSR. Das Amt übernahm Sebastian Pieper, der ebenfalls bei der kommenden Wahl Bezirksbürgermeister werden möchte. In den letzten Monaten gab es viel Bewegung in der Reinickendorfer CDU.
Die fehlende Listensicherung bewertet Schönebeck sowie die damit verbundene Unsicherheit kritisch. Seit einem Jahr ist er zudem Vater eines kleinen Kindes, was ihm bewusst macht, dass er die hohe Belastung aus Terminplanung und Parteiarbeit nicht länger aufrechterhalten kann. „Ich setze alles auf eine Karte“, beschreibt er seine derzeitige Situation.
Vor der Wahl ist unklar, ob er für das Direktmandat ausreichend Stimmen sammeln kann. Repräsentative Umfragen stehen nicht zur Verfügung, sodass Schönebeck auf Modellberechnungen angewiesen ist, die sich aus früheren Wahlergebnissen und allgemeinen Trends ableiten lassen. Seinen Angaben zufolge könnte die CDU in seinem Wahlkreis rund 28 Prozent der Stimmen erhalten, während die AfD bei etwa 27 Prozent liegt.
Bei der Wiederholungswahl 2023 holte die Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner 38,9 Prozent der Stimmen mit einem Zuwachs von 12,4 Prozent, basierend auf 5928 Stimmen. Schönebeck sieht auch die AfD im Märkischen Viertel und im Osten Reinickendorfs stark; gleichzeitig könnte dort auch die Linke Wähler gewinnen. Momentan sehen die Modellrechnungen im Wesentlichen für alle Reinickendorfer Wahlkreise eine positive Prognose für die CDU, jedoch gilt sein eigener Wahlkreis als besonders eng.
Am Wahltag müssen die Wählerinnen und Wähler entscheiden, wer sie im Abgeordnetenhaus vertreten soll, aber auch über Schönebecks politische Laufbahn. Bei einem Gewinn zieht er als direkt gewählter Abgeordneter ein, andernfalls sieht er seine politische Karriere für mehrere Jahre als beendet an. Schönebeck sagt: „Dann ist meine politische Zeit für die nächsten Jahre vorbei.“
Im aktuellen Wahlkampf setzt Schönebeck auf kreative Maßnahmen, darunter witzige Plakate, die scheinbar von einem Kind gestaltet wurden. „Mein Kameramann Paul hatte die Idee, und ich gestattete ihm, 20 Plakate ganz nach seinem Geschmack zu entwerfen“, erklärt Schönebeck. Das Ergebnis ist eine humorvolle Darstellung, die seiner Meinung nach auch in schwierigen Zeiten wichtig ist.
Die Herausforderungen in Tegel und Reinickendorf sind allgegenwärtig, sagt Schönebeck, besonders Baustellen und Müllprobleme prägen den Alltag der Anwohner. Zahlreiche Straßen sind gesperrt, was Autofahrer zu langen Umwegen zwingt. In der Vergangenheit hat seine Gruppe bei einer Müllsammelaktion nicht nur Straßen- sondern auch Hausmüll, wie Matratzen und Bauschutt, gesammelt. „Es ist da einfach extrem dreckig“, konstatiert er.
Schönebecks Hoffnung auf Veränderung liegt in seiner Bekanntheit. Viele Menschen erkennen ihn an Haustüren, und Jugendliche zeigen Interesse an seiner Arbeit. Er nutzt soziale Medien, um auch jüngere Wähler anzusprechen, und er weiß, dass in Berlin bereits ab 16 Jahren das Wahlrecht gilt. Wie viele Stimmen ihm der Wahlkampf letztlich einbringt, wird sich am Sonntagabend zeigen.
- Neuste Umfrage zeigt CDU und Linke in Berlin gleichauf
- TV-Duell: Evers und Eralp zeigen Gemeinsamkeiten trotz Differenzen
Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!