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Selbsthilfe am Hermann-Ehlers-Platz: Eine ungehörte Stimme

Julian K. · 12. Oktober 2026, 06:25 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 22 Aufrufe
Selbsthilfe am Hermann-Ehlers-Platz: Eine ungehörte Stimme

An einem verregneten Nachmittag in der Woche bauen die letzten Markthändler ihre Stände auf dem Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz ab. Hinter einem Süßkartoffel-Imbiss steht Jasmin und telefoniert. Auf die Frage, ob sie Tanja kenne, reagiert sie freundlich und eilig, zeigt in Richtung der Bushaltestelle. "Dort sitzt sie."

Dreimal wöchentlich wird im Rahmen der „Aktion Warmes Essen“ kostenloses Mittagsessen angeboten. Tanja Kiehne-Weber, 47 Jahre alt und Hartz-IV-Empfängerin, hat sich mit anderen aus ihrer Gruppe einen Platz gesucht, um sich vor der Kälte zu schützen. Sie ist seit Jahren mit Schwester Heike befreundet, die sich um die Gäste kümmert, und war kürzlich bei der Feier zum 33-jährigen Bestehen der „Aktion Warmes Essen“ im Gemeindehaus der Paulus-Gemeinde in Zehlendorf.

Abseits der Markttage herrscht auf der Verkehrsinsel wenig Betrieb. Auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema soziale Benachteiligung hörte Tanja aufmerksam zu. Als die Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) über die Notwendigkeit von kostenfreien Aufenthaltsorten spricht, steht Tanja auf und macht ihrem Unmut Luft. Sie wird zur Stimme der Besucher am Hermann-Ehlers-Platz, die jeden Tag nach einem Ort der Begegnung suchen. „Gebt uns einen Ort, wo wir uns treffen können“, fordert sie vehement.

Der Platz, der durch Sanierungsmaßnahmen aufgewertet werden soll, wird häufig nur von Marktbeschickern und Pendlern genutzt. Tanja schildert eine Gruppe von 20 bis 25 Menschen, die oftmals arbeitslos und in Obdachlosenheimen leben. Die Ausgrenzung belaste die Menschen; sie werden als Assis und Penner beschimpft. Ihr Ziel sei es, in Gemeinschaft zu sein, Hilfe zu finden und Austausch zu pflegen. Oft treffen sie sich gegen Abend in der Nähe eines Trinkbrunnens.

Die meisten Mitglieder der Gruppe haben zuvor eine Berufsausbildung absolviert. Trotz ihrer Herausforderungen sind sie keine Drogenabhängigen, sondern suchen einfach nur Geselligkeit. Tanja, die als Mobilitätshelferin arbeitet, beschreibt sie als eine „Selbsthilfegruppe“.

Jüngst besuchte sie das Mehrgenerationenhaus Phönix, das mit Freizeitangeboten ausgestattet ist. Tanja ist frustriert, dass im Stadtteil Steglitz kein vergleichbarer Raum existiert. „Wir würden auch gern spielen, warum haben wir nicht solche Räume?" Ihr Wunsch ist es, Plätze für Erwachsene zu schaffen, wo man sich treffen kann, ohne negativ bewertet zu werden.

Die Situation könnte sich verschärfen, da der Platz umgebaut werden soll. Sozialstadtrat Tim Richter (CDU) hat Verständnis für die Sehnsucht nach einem sozialen Treffpunkt. Er verweist auf bestehende Angebote, sieht jedoch ein, dass diese nicht ersetzen, was die Menschen wirklich benötigen: einen gemeinsamen Raum. Doch seine Prüfungen ergeben, dass trotz dieser Bedürfnisse im Bezirk keine Mittel für einen neuen Treffpunkt zur Verfügung stehen.

Als der Regen wieder stärker einsetzt, finden sich Tanja und Jasmin unter einem Baum ein. Die Unterstützung von Marktbeschickern ist spürbar, oft erhalten sie Reste von Brötchen oder sogar Smoothies. Doch der Winter naht und die Gruppe sucht nach mehr als nur einer warmen Mahlzeit: sie wünschen sich ein Dach über dem Kopf und einen Ort, an dem man gemeinsam sein kann.

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Julian K.

Über den Autor

Julian K. Redakteur für Sport, Kultur & Lokales

Julian K. ist im Berliner Kiezleben zu Hause und hält den Puls der Stadt im Blick. Seine Berichterstattung deckt das gesamte Spektrum ab – vom Profi- und Breitensport über Kulturveranstaltungen bis hin zu Eilmeldungen aus den zwölf Bezirken. Dank seines starken Netzwerks gehört er zu den Ersten, wenn es um aktuelle Ereignisse in der Metropolregion geht.

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