Ende einer Ära: Möbel Hübner schließt nach 117 Jahren
Die Schließung von Möbel Hübner, die für Ende 2025 geplant ist, markiert das Ende eines bedeutenden Kapitels in der Berliner Unternehmensgeschichte. Über 117 Jahre hinweg war das Einrichtungshaus, das für sein Logo mit dem Hut bekannt war, ein fester Bestandteil der Stadt. Das 14-stöckige Gebäude in der Genthiner Straße, im Stadtteil Tiergarten gelegen, war stets als einer der führenden Anbieter von hochwertigem Mobiliar bekannt.
Achim Türklitz, der langjährige Inhaber und Geschäftsführer, reflektiert nun in seinem Buch "Ich soll Sie schön grüßen – Vom Haus, das Berlin einrichtete" über die Geschichte des Familienunternehmens sowie die Menschen, die dort arbeiteten. Auf Anregung seiner Frau und Kinder hat er in den vergangenen Monaten das Buch verfasst, welches im November 2026 veröffentlicht werden soll.
Das Werk geht über die reine Chronik des Unternehmens hinaus. Türklitz verwebt die Entwicklung von Möbel Hübner mit persönlichen Erlebnissen und historischen Ereignissen der Hauptstadt. Angereichert mit Fotografien bietet es einen umfassenden Einblick in mehr als ein Jahrhundert Berliner Wirtschafts-, Familien- und Stadtgeschichte.
Besonders lebhaft erinnert sich Türklitz an die turbulente Zeit nach der Wiedervereinigung: „Das können Sie sich nicht vorstellen, die Menschen haben uns den Laden gestürmt. Wir mussten die Werbung, auch bei Ihnen in der Morgenpost, stark reduzieren, weil wir dem Andrang nicht Herr geworden sind.“ Schon in seiner Kindheit war er stark mit dem Betrieb verbunden und erzählt: „Ich habe Geld dafür bekommen, dass ich unseren Kunden am Sonnabend die Tür aufgehalten habe.“
Diese persönlichen Anekdoten machen das Buch zu mehr als einer Unternehmensgeschichte; sie spiegeln auch familiäre Schicksale und wichtige historische Wendepunkte wider, die sowohl Berlin als auch Möbel Hübner geprägt haben. Türklitz betont: „Mit diesem Buch wollte ich die Geschichte unserer Familie und unseres Unternehmens festhalten.“ Für seine Kinder und Enkel, aber auch für all die vielen Menschen, die das Unternehmen über die Jahre begleitet haben, ist dieses Werk gedacht.
Das Ende von Möbel Hübner wird auch als Symbol für einen umfassenden Wandel im Einzelhandel betrachtet. Die Verlegerin Antonia Schulemann, Gründerin von Books on Mars, erklärte, dass mit dem Traditionshaus auch ein Stück Berliner Identität verloren geht. Ihr zufolge zeigt das Buch, wie viel unternehmerisches Geschick und persönliche Begegnungen für den Fortbestand eines Familienunternehmens erforderlich sind.
Der Verlust von Möbel Hübner steht stellvertretend für eine größere Transformation; stationäre Geschäfte sehen sich zunehmend Druck ausgesetzt, während immer mehr alt eingesessene Betriebe aus den Innenstädten verschwinden. Türklitz bringt es auf den Punkt: „Mit Möbelgeschäften unserer Größe schafft man heutzutage keine Gewinne mehr – und wenn man keine Gewinne mehr macht, muss man eben zumachen.“ Trotz der Herausforderungen blickt er auf eine schöne Zeit zurück. Die Erinnerungen an dieses Unternehmen, das über viele Jahre ein Teil des Berliner Lebens war, bleiben erhalten. Achim Türklitz hat diese Erinnerungen nun als Familiengeschichte und bedeutendes Zeitzeugnis festgehalten.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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