Flughafen-Chefin meldet Rückgang der Passagierzahlen am BER
Der Flughafen BER steht kurz vor seinem sechsjährigen Jubiläum, doch die Stimmung unter den Verantwortlichen ist eher gedämpft. Seit geraumer Zeit sehen sich die Betreiber gezwungen, ihre Wachstumsziele nach unten zu korrigieren. Nun wird eine Abnahme der Passagierzahlen prognostiziert. Laut Flughafen-Chefin Aletta von Massenbach wird in diesem Jahr mit lediglich 25,7 Millionen Fluggästen gerechnet, was einem Rückgang um 400.000 Passagiere oder 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Für das nächste Jahr geht sie sogar von nur 25,2 Millionen Reisenden aus – das wäre ein Rückgang von 1,9 Prozent.
Im Sommer hatte von Massenbach zunächst noch auf ein Wachstum von 1,5 Prozent für 2023 gehofft. Darüber hinaus hatte sie für 2027 mit etwa 27 Millionen Passagieren kalkuliert, also 1,8 Millionen mehr als jetzt erwartet.
Ein wesentlicher Grund für die rückläufigen Zahlen ist der Rückzug von Ryanair, der laut von Massenbach nur teilweise durch neue Flugverbindungen anderer Airlines kompensiert werden kann. Die irische Fluggesellschaft hatte bereits im Frühjahr angekündigt, ihre Basis am BER Ende Oktober zu schließen und plant, sieben Maschinen an andere Flughäfen zu verlegen, was rund 210 Arbeitsplätze in Berlin gefährdet. Ryanair wird Berlin von anderen Standorten aus weiterhin anfliegen, jedoch wird die Anzahl der verfügbaren Sitzplätze um 2,5 Millionen sinken. Dies entspricht der Hälfte der zuvor angebotenen Kapazität, nachdem das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr eine Kürzung von 20 Prozent vorgenommen hatte. „Das ist ein heftiger Schlag“, so von Massenbach.
Ab November werden zwölf Ryanair-Verbindungen am BER gestrichen, doch die Hälfte dieser Ziele wird künftig von anderen Airlines bedient. Vollständig eingestellt werden die Flüge nach Palermo, Marseille, Triest, Reggio Calabria, Tallinn und Pisa. Positiv zu vermerken ist, dass der Winterflugplan 2026/27 dennoch acht Ziele mehr umfasst als im Vorjahr, was vor allem auf zusätzliche Angebote anderer Airlines zurückzuführen ist.
Ryanair hat den BER als „erfolglosesten Flughafen Europas“ bezeichnet und kritisiert regelmäßig die hohen Gebühren und Steuern, die dort erhoben werden. Die Airline plant, ihre Maschinen in EU-Staaten zu stationieren, wo die Luftverkehrssteuer nicht erhoben wird, wie beispielsweise in Schweden, der Slowakei, Albanien und Italien. Erst kürzlich hat die Bundesregierung eine Erhöhung der Luftverkehrsteuer zurückgenommen.
Von Massenbach äußerte Verständnis für die Frustration bei Ryanair in Bezug auf die hohen Kosten in Deutschland. Sie sieht die Kritik vor allem an den Bund gerichtet: „Alles, was sie gegen den BER sagen, sagen sie gegen Deutschland.“ Sie betonte, dass die Entgelte am BER seit der Eröffnung nicht gestiegen sind, was im Vergleich zu den früheren Gebühren in Schönefeld einer Erhöhung von etwa 50 Prozent entspricht. Dennoch habe sich die staatliche Belastung verdoppelt. Als Präsidentin des Flughafenverbands ADV kritisiert sie seit Jahren die hohen Standortkosten in Deutschland.
Die bevorstehenden Herbstferien werden am Flughafen BER für einen Anstieg der Passagierzahlen sorgen, jedoch ist die Infrastruktur auf wesentlich höhere Besucherzahlen ausgelegt. Im Jahr 2019 verzeichneten die Flughäfen Tegel und Schönefeld zusammen fast 36 Millionen Passagiere, was etwa zehn Millionen mehr als heute entspricht. Während der Flugverkehr in Deutschland seitdem um rund 12 Prozent gesunken ist, ist er in anderen europäischen Ländern um 15 Prozent angestiegen.
Für den bereits mit Schulden belasteten Flughafen BER bedeuten die sinkenden Passagierzahlen einen finanziellen Rückschlag. Vor elf Monaten fand ein umfassendes Refinanzierungspaket in Höhe von 1,2 Milliarden Euro statt. Im Februar wurde der letzte staatliche Zuschuss von 500 Millionen Euro zur Begleichung von Altschulden gezahlt. Seither ist die Flughafengesellschaft finanziell unabhängig. Um Kosten zu sparen, wird künftig alles auf den Prüfstand gestellt, kündigte von Massenbach an. Geplante Investitionen, wie der Rückbau alter Infrastrukturen aus den 1930er-Jahren, werden verschoben. Der Umbau der Sicherheitskontrollen im Terminal 1 wird jedoch weiter verfolgt; dafür werden Investitionen in Höhe von 18 Millionen Euro eingeplant, sodass Fluggäste keine Flüssigkeiten und Elektrogeräte mehr auspacken müssen. Dies soll die Durchlaufzeit an den Kontrollen erheblich verkürzen.
Zusätzlich plant das Flughafenmanagement eine Verdopplung der Verkaufsflächen im Shoppingbereich nach den Sicherheitskontrollen.
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Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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