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Hilfe nach CSD-Anschlag: Opfer oft unbewusst betroffen

Markus S. · 31. Juli 2026, 09:21 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 2 Aufrufe
Hilfe nach CSD-Anschlag: Opfer oft unbewusst betroffen

Der islamistische Anschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin am vergangenen Wochenende hat das Leben einer 65-jährigen Frau gekostet und 31 weitere Personen verletzt. Viele Menschen, die sich in der Nähe des Attentats aufhielten, sind sich ihrer Rolle als Betroffene oft nicht bewusst. Julia Kühne, Mitgründerin der Organisation Victims of Terrorism Germany e.V. (VoT), erklärt: „Viele, die in den Medien als Augenzeugen bezeichnet werden, sind eigentlich Betroffene. Oft braucht es Zeit, bis sich nach dem ersten Schock die Traumata manifestieren.“

Kühne, die vor nahezu einem Jahrzehnt den islamistischen Anschlag auf den Breitscheidplatz erlebte, ist entschlossen, den Opfern des CSD-Anschlags bereits jetzt zu helfen. Ziel der VoT ist es, den Überlebenden eine Stimme zu geben und sie beim Umgang mit ihren Traumata zu unterstützen. Seit dem Anschlag am Sonntag war Kühne mit anderen Mitgliedern unermüdlich aktiv, besuchte Mahnwachen und sprach mit Trauernden. „Wir haben Kontakte zu den Opferbeauftragten und den CSD-Organisatoren geknüpft, um vorbereitet zu sein“, berichtet die Produzentin.

Für die Verletzten, die nach und nach aus den Krankenhäusern entlassen werden, wird nun Zeit mit ihren Familien wichtig sein. Die VoT-Organisation steht bereit, sobald die Betroffenen Unterstützung suchen. Zudem gibt es eine zentrale Anlaufstelle für Opfer von Terroranschlägen und Großschadensereignissen in Berlin.

Ein zentraler Punkt der VoT ist die nationale und internationale Vernetzung von Verletzten, Hinterbliebenen, Augenzeugen und Ersthelfern. Außerdem hilft die Organisation konkret im Umgang mit Behörden. „Mit unserer Expertise unterstützen wir beim Finden geeigneter Seelsorge, medizinischer Beistände und bei juristischen Angelegenheiten“, erklärt Kühne. Es sei wichtig, zu wissen, auf welche Hilfen man Anspruch hat.

Darüber hinaus hat die VoT auf ihrer Webseite ein Handbuch mit häufig gestellten Fragen veröffentlicht, um die Informationslage zu verbessern. Kühne warnt jedoch, dass es wichtig ist, eine Anzeige gegen den Attentäter zu stellen, auch wenn dieser verstorben ist, da sonst Ansprüche im System verloren gehen könnten.

Dieser Einsatz für die Betroffenen sowie die Erinnerungen an den Attentat auf den Breitscheidplatz belasten Kühne. Als sie von dem CSD-Anschlag erfuhr, war das für sie ein großer Schock, da sie zuvor das Gefühl von Sicherheit hatte. „Es ist ein Wunder, dass nicht noch mehr Menschen zu Schaden gekommen sind“, so Kühne.

Sie erinnert daran, dass es bereits einen islamistischen Anschlag auf einen CSD gegeben hat, als am 25. Juni 2022 ein queerer Club in Oslo angegriffen wurde.

Die Organisation hat zudem das Ziel, auch an den Untersuchungsausschüssen zu dem CSD-Anschlag teilzunehmen. „Wir vertreten seit Jahren die Interessen der Terror-Opfer in Ausschüssen, Prozessen und gegenüber staatlichen Institutionen“, betont Kühne. Durch diese Arbeit erhalten die Betroffenen heute deutlich schneller Unterstützung nach solchen Ereignissen.

Zusätzlich fordert die VoT eine drastische Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen, einschließlich elektronischer Fußfesseln für Gefährder, ein Schritt, der in anderen europäischen Ländern bereits umgesetzt wurde. Kühne weist ferner darauf hin, dass die mickrigen Beträge der Entschädigungsrente nicht ausreichen und regt eine Diskussion über eine lebenslange Opferrente an.

Ein zentrales Anliegen von Kühne ist der Fokus auf die Opfer und nicht auf die Täter in der Berichterstattung. „Die Medien sollten die Perspektive der Betroffenen stärker einnehmen“, fordert sie. Es sei wichtig, die Namen von Tätern zu tilgen, statt sie in den Vordergrund zu rücken.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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