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Ruhiges Bötzowviertel: Barbesitzer kritisiert Ausgehverhalten

Markus S. · 16. Oktober 2026, 14:21 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 17 Aufrufe
Ruhiges Bötzowviertel: Barbesitzer kritisiert Ausgehverhalten

Wer abends durch das Bötzowviertel in Berlin-Prenzlauer Berg flaniert, könnte meinen, er befinde sich in einem Dorf, so der Wirt der „Saphire Bar“, Roland Hoppenheit. Seit 53 Jahren lebt er in Berlin und führt seine Bar seit über zwei Jahrzehnten. Nach seiner Wahrnehmung war das Nachtleben noch nie so schwach wie heute. Früher war seine Bar bis früh Morgens gefüllt, heute wird meistens schon nach Mitternacht gezahlt.

Hoppenheit beschreibt die Situation: „Die Straßen sind ab 20 Uhr meist so leer wie in einem brandenburgischen Dorf.“ Dies spiegelt sich auch in den Restaurants wider, die oft kaum besucht sind. „Gegen 22 oder 22.30 Uhr ist einfach Schicht im Schacht.“ Seine Beobachtungen teilte er in einem Instagram-Post, der bis zur Redaktion rund 27.000 Aufrufe und 240 Kommentare verzeichnet. Viele Menschen können sich heute schlichtweg nicht mehr das Ausgehen leisten, andere empfinden es als zu gefährlich.

Der Bötzow-Kiez, im östlichen Teil des Prenzlauer Bergs gelegen, gilt als einer der teuersten Stadtteile Berlins. Laut dem Immobilienportal Engel & Völkers besteht die Wohnbevölkerung überwiegend aus gut verdienenden Fachkräften und Akademikern. Schauspieler Steve Windolf, der im Bötzowviertel lebt, äußert: „Es gibt viele Kneipen, die nicht um 10 Uhr schließen, und das Kino sorgt dafür, dass hier nicht um 10 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden.“ Windolf vermutet, dass die hohen Preise – Cocktails kosten zwischen 16 und 18 Euro – und das steigende Gesundheitsbewusstsein Grund für die rückläufige Ausgehkultur sind.

Dirk Piethe, Inhaber des Jacques‘ Wein-Depot in der Bötzowstraße, schildert, dass es im Sommer bis Mitternacht etwas lebhafter ist, jedoch nach 22 Uhr kaum noch Essengeher kommen. In seinem Kiez findet man keine großen Partygänger mehr, Hotspots seien eher in anderen Stadtteilen wie Bergmannstraße oder rund um die Kulturbrauerei zu finden.

Die während der Pandemie entstandenen Veränderungen im Ausgehverhalten machen Hoppenheit Sorgen. „Die Leute ziehen sich immer mehr ins Private zurück“, konstatiert er und weist darauf hin, dass es früher nicht ungewöhnlich war, abends mit Freunden auszugehen. Die Menschen scheinen sich in einer virtuellen Welt zurückzuziehen. Zudem sorgt ein allgemeines Gefühl von Unsicherheit dafür, dass sich viele nicht mehr trauen, abends auszugehen.

Die steigenden Preise in der Gastronomie tragen ihren Teil zu diesen Entwicklungen bei. Laut Dehoga sind alkoholische Getränke zwischen Januar 2022 und Januar 2026 um 18,8 Prozent teurer geworden, alkoholfreie Getränke sogar um 35,2 Prozent. Der Branchenreport zeigt, dass die Verbraucher ihren Konsum angesichts steigender Kosten immer mehr nach Hause verlagern.

Trang Le, Betreiberin des beliebten vietnamesischen Restaurants „Preeda“, bestätigt, dass nach 21 Uhr selten eine neue Welle von Gästen kommt. Feiern gehen die Menschen lieber in andere Kieze. Auch wenn die Gastronomiebetriebe wie ihre Cocktails anbieten, wird das Restaurant eher zum Essen besucht.

Der Berliner Bezirk Pankow hat jedoch nicht die hohen Kriminalitätsraten, die oft befürchtet werden; die Polizei registriert hier vor allem geringfügige Delikte. Die Zahl der Straftaten im Prenzlauer Berg ist seit 2016 gesunken. Dennoch äußern viele Anwohner den Wunsch, dass das Nachtleben wieder aktiver wird und die Menschen nicht in ihre eigenen vier Wände zurückziehen.

In den sozialen Medien wird der Rückzug oft als finanzielle Notwendigkeit dargestellt, doch Hoppenheit denkt, dass dies nicht die einzige Ursache ist. Er plädiert dafür, auch für kleine Genüsse wie ein Tonic für vier Euro offen zu sein.

Der Blick auf das Bötzowviertel zeigt, dass viele Anwohner eine gute Zeit im Kreise von Freunden mit einem Glas Wein zuhause vorziehen, was sich in der Anzahl der Weinhandlungen im Viertel widerspiegelt.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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