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Litfaßsäulen in Pankow ehren NS-Opfer, darunter Hans Rosenthals Bruder

Markus S. · 19. Oktober 2026, 16:23 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 8 Aufrufe
Litfaßsäulen in Pankow ehren NS-Opfer, darunter Hans Rosenthals Bruder

An den Standorten Danziger Straße 219–221 und Hermann-Hesse-Straße 26 in Berlin-Pankow stehen seit kürzlich zwei große Litfaßsäulen. Diese Flächen, die normalerweise für Werbung und Veranstaltungen genutzt werden, zeigen Bilder von Personen, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Unter dem Titel „Sie wollten leben“ hebt die Aktion die individuellen Lebensgeschichten dieser Menschen hervor, fernab von blassen Statistiken.

Das Projekt zielt darauf ab, die Erinnerung an die NS-Verfolgten direkt in den Alltag der Menschen zu bringen. Wenn Passanten auf ihrem Weg zur Bahn, zum Bäcker oder zur Schule vorbeikommen, halten sie oft an den Säulen an, um zu lesen. In Pankow stehen zwei solcher Säulen, die gezielt auf die Lebensgeschichten von Männern, Frauen und Kindern aufmerksam machen, die einst in diesem Bezirk lebten.

Jede Säule stellt drei Biografien vor. In ganz Berlin sind es 25 Säulen, die insgesamt 100 Menschen repräsentieren sollen, so die Pläne der Veranstalter. Diese Personen stehen symbolisch für mindestens 55.000 jüdische Berliner, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer fielen.

Eine der Biografien ist die von Hans Rosenthal, dem berühmten Showmaster, der mit Sendungen wie „Dalli Dalli“ das Publikum erfreute. Während er als fröhlicher Entertainer bekannt war, musste er als jüdischer Junge in Berlin um sein Überleben kämpfen. Tragischerweise wurde sein kleiner Bruder deportiert und ermordet. Rosenthal sprach erst spät in seinem Leben über seine Erlebnisse und die Schrecken seiner Kindheit.

Der erste sogenannte „Osttransport“ verließ am 18. Oktober 1941 den Bahnhof Grunewald mit 1013 jüdischen Personen, die nach Litzmannstadt, dem heutigen Łódź, deportiert wurden. Insgesamt wurden etwa 10.000 Menschen in diesem forcierten Exil umgebracht. Bevor es zur Deportation kam, mussten die Menschen ihr Hab und Gut im Sammellager in der Synagoge Levetzowstraße abgeben und wurden dann durch Berlin zum Güterbahnhof begleitet. Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich in der Folgezeit rund 1600 jüdische Berliner das Leben.

Auch andere Gruppen wurden in dieser Zeit verfolgt, darunter Sinti und Roma, politische Gegner, Zeugen Jehovas, Mitglieder der „Bekennenden Christen“ sowie Homosexuelle. Viele wurden wegen ihrer Ansichten, ihrer Herkunft, Behinderung oder Krankheit diskriminiert und getötet.

Bis zum 16. November 2026 finden an den Litfaßsäulen Gedenkveranstaltungen statt, die an diese Verbrechen erinnern. Das Gesamtprojekt wurde am Donnerstag in der Gedächtniskirche in Berlin eröffnet, mit Unterstützung der Evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde, des Moabiter Vereins Gleis 69 e. V. und zahlreicher anderer Institutionen.

Eva Umlauf, eine Überlebende von Auschwitz, und Michael Meisels, der als Baby deportiert wurde, sind zwei der lebenden Zeitzeugen, die sich aktiv am Projekt beteiligen. Umlauf hat sogar ein 3D-Hologramm anfertigen lassen, um auch nach ihrem Tod von ihren Erfahrungen zu berichten.

Die Idee zu diesem bedeutsamen Projekt stammt von dem Regisseur und Kulturmanager Günter Jeschonnek, während der Grafiker Michael de Maizière die Plakate gestaltet hat. Die Flächen werden von der Ilg-GmbH bereitgestellt, die in Berlin etwa 1700 Litfaßsäulen betreibt, und das Projekt erhält Unterstützung von der LOTTO-Stiftung Berlin und weiteren Sponsoren.

Die Säulen in Pankow laden dazu ein, innezuhalten. Das Lesen einer Biografie dauert nur wenige Minuten. Dennoch kann es sein, dass diese Geschichten in den Köpfen der Betrachter länger nachhallen als viele Reden. Ziel der Aktion ist es, aus Opfern Menschen zu machen, die leben wollten und deren träumerisches Leben abrupt endete. Weitere Informationen zu diesem Gedenken sind auf der Website Gleis 69 zu finden.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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