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StimmlosTrend: Migranten wagen einen Blick auf Berlins Zukunft

Markus S. · 10. September 2026, 11:09 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 2 Aufrufe
StimmlosTrend: Migranten wagen einen Blick auf Berlins Zukunft

Die Initiative "Wahlheymat" hat es sich zum Ziel gesetzt, den Menschen ohne Wahlrecht eine Stimme zu verleihen. Im Rahmen des StimmlosTrends, unterstützt von der Berliner Morgenpost, wurden 976.000 Migranten ohne deutschen Pass, die in Berlin leben, ins Visier genommen. Von diesen befinden sich 851.000 im wahlberechtigten Alter, sind jedoch aufgrund fehlender deutscher Staatsbürgerschaft von der Wahl ausgeschlossen.

Die Ergebnisse des StimmlosTrends, die analog zum BerlinTrend von Infratest dimap erhoben wurden, liegen nun vor. Es zeigt sich, dass 96 Prozent der Befragten wählen würden, wenn sie dazu berechtigt wären. Gleichzeitig äußerten knapp 73,9 Prozent das Gefühl, keinen oder nur wenig Einfluss auf die Gestaltung der Stadt zu haben, und 72,4 Prozent blicken besorgt auf die Zukunft Berlins.

Esther Nass, Projektleiterin bei Wahlheymat e.V., betont: "Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Fehlen des Wahlrechts nicht mit einem Desinteresse an der Politik einhergeht. Im Gegenteil, viele dieser Personen möchten aktiv mitgestalten, fühlen sich jedoch in ihren Möglichkeiten eingeschränkt."

Die Umfrage liefert auch weitere interessante Erkenntnisse: Migranten, die sich ehrenamtlich engagieren und über gute Deutschkenntnisse verfügen, haben eine positivere Einstellung zu Berlin im Vergleich zu denen, die nicht engagiert sind oder die Sprache nicht sprechen. Dennoch ist die allgemeine Sicht auf die Stadt auch unter diesen Gruppen eher pessimistisch. Bei den Deutsch sprechenden und engagierten Migranten gaben 47 Prozent an, besorgt zu sein und keinen Einfluss ausüben zu können. Bei denjenigen, die weder Deutsch sprechen noch sich engagieren, liegt dieser Wert sogar bei 82 Prozent.

Ein weiteres Zeichen ist die Verbindung zwischen der Aufenthaltsdauer in Deutschland und der Zufriedenheit mit der Politik. Ein längerer Aufenthalt korreliert oft mit einer höheren Unzufriedenheit über die Arbeit des Senats, während neuere Migranten mit mehr Optimismus an die politische Lage herangehen.

Inhaltlich betrachtet zeigt sich, dass für die Befragten, ähnlich wie bei wahlberechtigten Bürgern, Mieten und Wohnen das dringlichste Problem der Stadt darstellen. 63,6 Prozent der Teilnehmenden nannten diese Themen als erstes oder zweites größtes Anliegen. Weitere bedeutende Themen sind der Rechtsruck, Rassismus und Diskriminierung (14,3 Prozent), Obdachlosigkeit und Drogen (14,1 Prozent) sowie Verkehr und Mobilität (13,9 Prozent). In diesem Bereich wurden insgesamt 1009 offene Antworten ausgewertet.

Der StimmlosTrend ergab 577 Rückmeldungen und ist daher nicht repräsentativ. Dennoch bietet er einen wichtigen Einblick in die Gedanken und Gefühle der Migranten, da die Online-Befragung in acht Sprachen angeboten wurde und Wahlheymat eng mit verschiedenen Migrantenorganisationen zusammenarbeitete. Ein ähnliches Modell war die KFF/New York Times 2025 Survey of Immigrants in den USA, die national vertretend 1805 Migranten befragte.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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