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Mit Frisbees gegen Gaebler: Protestaktion im Jahn-Sportpark

Julian K. · 17. September 2026, 13:42 Uhr · 4 Min. Lesezeit · 3 Aufrufe
Mit Frisbees gegen Gaebler: Protestaktion im Jahn-Sportpark

Kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus am kommenden Sonntag bringt die Bürgerinitiative für den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ihren Protest auf die Wiese. Unter dem Motto „Sportwiese retten – Bausenator verabschieden“ findet am Freitag, den 18. September um 17 Uhr eine Demonstration statt. Diese Kundgebung richtet sich gezielt gegen Bausenator Christian Gaebler von der SPD, der bei seinem Besuch der Baustelle Ende August bereits mit kritischen Äußerungen konfrontiert wurde.

Im Mittelpunkt des Streits steht eine etwa 10.000 Quadratmeter große Naturfläche im östlichen Bereich des Sportparks im Prenzlauer Berg. Auf einem großen Teil dieses Areals plant das Land den Bau eines barrierefreien Kunstrasenfeldes, das für Fußball, Hockey und Flag Football genutzt werden soll. Ende Juli bewilligte der Senat dafür rund drei Millionen Euro, wobei der Bund 45 Prozent der förderfähigen Kosten übernimmt.

Die Initiative warnt vor der Versiegelung der Fläche und dem Verlust von Lebensräumen für Tiere. Laut der aktuellen Planung sollen zwei Drittel der Wiese in Kunstrasen umgewandelt werden, während der verbleibende Drittel als Wiese erhalten bleibt. Derzeit nutzen sowohl Sportvereine als auch Anwohner diese Fläche vielfältig für Aktivitäten wie Yoga, Frisbee, Rugby und andere Ballsportarten. Die Initiative betont den Wert dieser Wiese, die kostenfrei zugänglich ist und für verschiedene Sportarten genutzt werden kann.

Ein weiterer Aspekt ist der Artenschutz: Das Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks Pankow äußerte sich kritisch zum Austausch von Natur- gegen Kunstrasen. Eine frühere Untersuchung stellte diese Wiese als Lebensraum für Stare dar. Da für diesen Bauabschnitt bislang keine Freiraumplanung mit Artenschutzmaßnahmen vorlag, wird ein Eingriff als „grundsätzlich unzulässig“ bewertet.

Allerdings stellt diese Bewertung kein unumstößliches Verbot dar. Der Senat hat die Möglichkeit, Anpassungen vorzunehmen, zusätzliche Gutachten in Auftrag zu geben und Ausgleichsmaßnahmen zu implementieren. Gerüchte besagen, dass die Spielfläche nun kleiner geplant wird als ursprünglich vorgesehen, während einige Bäume stehen bleiben und bestehende Nisthilfen erhalten bleiben sollen. Die endgültige Genehmigung des Vorhabens steht jedoch noch aus.

Der Senat weist den Protest zurück und argumentiert, dass der Jahn-Sportpark überlastet ist und viele Bereiche den Anforderungen von Schulen, Vereinen und dem Inklusionssport nicht mehr gerecht werden. Daher wird ein weitgehend barrierefreier „Sportpark für alle“ angestrebt, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt trainieren können.

Im Rahmen des Projekts sind neben dem Kunstrasen ein neues Stadion mit 20.000 Zuschauerplätzen, eine Sporthalle, zusätzliche Spielfelder und Räumlichkeiten für Vereine geplant. Die Landesregierung beschreibt den Umbau als bundesweit bedeutend für den Inklusionssport und betont, dass Kunstrasen intensiver und länger bespielbar ist als Naturrasen.

Diese Einschätzung stößt jedoch auf politische Kontroversen. Die Grünen und die Linke werfen dem Senat vor, sich über die finanziellen Aspekte des teuren Stadionbaus hinwegzusetzen, während Zeitpläne und Budgets für andere Projektteile wackeln. Die Baukosten schätzte das Land mittlerweile auf über 250 Millionen Euro, was deutlich höher ist als ursprünglich gedacht. Um die gesetzte Grenze von 300 Millionen Euro einzuhalten, musste die Bauverwaltung Teile der Pläne reduzieren oder ganz streichen.

Senator Gaebler hat inzwischen den Auftrag für den Stadionbau wie vorgesehen erteilt. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte angekündigt, im Sommer den Zuschlag an ein Generalunternehmen zu erteilen.

Steht der Vertrag erst einmal, wird es für eine neue Landesregierung schwierig, das Projekt zu stoppen. Zwar ist das nicht unmöglich, Änderungen und Kündigungen öffentlicher Bauverträge sind möglich, könnten aber für das Land erhebliche Entschädigungen und Schadensersatzforderungen nach sich ziehen. Die Bürgerinitiative bringt damit den Streit gezielt in die Endphase des Wahlkampfs und ruft die Berliner auf, ihre Stimmen auch danach auszurichten, wie die Parteien mit dem Jahn-Sportpark verfahren wollen. Teilnehmer sollen Matten, Bälle, Frisbees und Transparente mitbringen.

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Julian K.

Über den Autor

Julian K. Redakteur für Sport, Kultur & Lokales

Julian K. ist im Berliner Kiezleben zu Hause und hält den Puls der Stadt im Blick. Seine Berichterstattung deckt das gesamte Spektrum ab – vom Profi- und Breitensport über Kulturveranstaltungen bis hin zu Eilmeldungen aus den zwölf Bezirken. Dank seines starken Netzwerks gehört er zu den Ersten, wenn es um aktuelle Ereignisse in der Metropolregion geht.

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