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Mine über ihre Reise zur Sängerin: „Nie geplant, das hauptberuflich zu machen“

Markus S. · 11. August 2026, 07:13 Uhr · 5 Min. Lesezeit · 3 Aufrufe
Mine über ihre Reise zur Sängerin: „Nie geplant, das hauptberuflich zu machen“

An einem späten, heißen Nachmittag haben wir die Musikerin Mine an einem ihrer Lieblingsorte in Berlin, dem kreativen Stadtquartier Holzmarkt 25, getroffen. Hier trainiert sie Luft-Artistik-Nummern, die bereits in ihren Shows zu sehen waren. Es ist der perfekte Ort, um mit ihr über ihr neues Album "Killer" sowie ihre bevorstehende Tournee zu sprechen, die am 21. November in der Uber Eats Music Hall endet.

Im Gegensatz zu vielen Musikerinnen der heutigen Zeit verfolgt die 40-Jährige nicht das Ziel, auf jeden Preis sexy zu wirken. Ihr Privatleben bleibt aus der öffentlichen Diskussion heraus, und über den Vater ihrer Zwillinge äußert sie sich nicht. Mines Stil ist von Understatement geprägt. Sie kleidet sich in XL-Shirts, dunkle Sonnenbrillen und Skaterhosen. Doch bei einem Blick ohne Sonnenbrille blitzen ihre Tooth Gems im Sonnenlicht auf. Schlangen-Tattoos, die mit Pfeilen und Käfern wechseln, sowie kunstvolle 3D-Fingernägel vervollständigen ihr Erscheinungsbild. Obwohl Mine nie die Absicht hatte, beruflich Sängerin zu sein, hat sie sich als feste Größe in der deutschen Musikszene etabliert.

Mine ist ein einzigartiges Phänomen in der heutigen Musikwelt, das wie ein Anachronismus wirkt: Ihre Karriere hat sich organisch entwickelt, ohne den Einfluss eines Major-Labels oder das Kalkül eines viralen Hits, getragen von einer kompromisslosen künstlerischen Vision. Auf die Frage, wie sie mit Mitte 20 den Mut fand, alles auf eine Karte zu setzen, antwortet sie schmunzelnd, dass sie diesen Mut nie hatte. "Ich hatte nie vor, das hauptberuflich zu machen. Ich dachte, das sei unmöglich – vor allem, weil ich mich schon zu alt fühlte", erklärt sie. Sie befürchtete, ihre Musik könnte für die Leute nicht ansprechend genug sein. Das anfangs geäußerte Feedback aus der Branche spiegelte diese Zweifel wider: Zu komplex, zu sperrig, zu wenig radiotauglich.

Ihr Plan B war ziemlich pragmatisch und unromantisch: eine eigene Musikschule gründen, um damit Geld zu verdienen, mit dem sie Alben in Eigenregie herausbringen könnte. Alben, die nur ihr selbst gefallen mussten. Doch die Dinge nahmen eine andere Wendung, und ihre Unabhängigkeit im Denken hat sie bis heute bewahrt. Selbst ihr Studium an der angesehenen Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, das oft als strategischer Meilenstein ihrer Karriere betrachtet wird, war mehr ein Ergebnis von Beharrlichkeit und Timing. Nach einer ersten Absage für den Bachelor-Studiengang bewarb sie sich Jahre später für den neuen Master-Studiengang und hatte Glück mit der geringen Anzahl an Bewerbern.

Für Mine gab es keinen einzelnen, entscheidenden Durchbruch. Ihre Karriere beschreibt sie vielmehr als einen schleichenden Prozess, eine Abfolge kleiner Veränderungen. Ein Schlüsselmoment war 2018, als sie feststellte, dass sie seit sechs Monaten keine Nebenjobs mehr angenommen hatte und tatsächlich von ihrer Musik leben konnte. Der Umzug nach Berlin war für sie logischerweise notwendig, um näher bei ihren kreativen Partnern zu sein. Sie sieht die Stadt jedoch ambivalent: Während die hohe Dichte an Künstlern inspirierend ist, kann sie auch einschüchternd wirken. Sie ist froh, dass sie in Berlin angekommen ist, als sie schon wusste, was sie will und mit wem sie arbeiten möchte.

Ein Thema, das Mine beschäftigt, ist die radikale Veränderung des Musikbusiness durch soziale Medien und Streaming-Plattformen wie Spotify. Die letzten zehn Jahre hätten ihrer Meinung nach die Aufgaben eines Musikers drastisch verändert. "Der Content nimmt heutzutage fast 50 Prozent der Zeit in Anspruch", sagt sie. Diese Entwicklung verfolgt sie mit Skepsis, da die Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie sich stark verschärft haben. Ihre eigene Musik, die oft von komplexen Arrangements und tiefgründigen Texten geprägt ist, erscheint in diesem schnellen Konsumumfeld fast wie ein Wunder.

Während der Corona-Pandemie hat Mine am Streicher-Part des Songs "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" des Musikers Danger Dan gearbeitet. Die Tatsache, dass Danger bei der ZDF-Sendung "Die Anstalt" aufgrund seines umstrittenen Songs "Keine Angst" ausgeladen wurde, hält sie für inakzeptabel. Im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen zeigt sie sich besorgt: "Auf jeden Fall!" Würde sie Deutschland verlassen, falls Alice Weidel Kanzlerin würde? "Ich würde hierbleiben und versuchen, für die Menschen, die in Gefahr sind, einzugreifen."

Bezüglich des Entstehungsprozesses ihrer Songs entzaubert Mine den oft romantisierten Geniekult. Ideen entwickeln sich nicht im luftleeren Raum, sondern sind das Resultat von Erfahrungen, Hörgewohnheiten und visuellem Input. Ihre Texte werden häufig als hohe Lyrik gefeiert. Für sie gibt es dabei keine feste Reihenfolge, ob zuerst der Text oder die Melodie entsteht. Sie hat jedoch ein striktes Prinzip: "Ich schreibe niemals zuerst eine Melodie. Wenn man eine Melodie hat, muss man oft den Text darauf 'drücken'." Stattdessen beginnt sie mit einer markanten Textzeile und einem grundlegenden Beat oder einer Akkordfolge, bevor sie in den Song eintaucht.

Musikalisch bleibt sie eine Suchende. Früher war die schwedische Singer-Songwriterin Lykke Li eine ihrer größten Inspirationsquellen, heute interessiert sie sich stark für die französische Produzentenszene. Namen wie Oklou, Eloi und Yoa sind in ihrer Gesprächen präsent. Auf ihrem neuen Album, das am 4. September erscheint, wird es neben der Hymne der sexuellen Befreiung "Oxythocyn" auch analoge Synthesizer-Klänge und Tracks über ihre persönliche Therapie geben. Es bleibt also spannend, was Mine für die Zukunft bereithält.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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