Ferat Koçak zieht sich zurück – Vorwürfe der Verbindungen zur Mafia
Wie eng ist das Verhältnis zwischen Ferat Koçak, dem Bundestagsabgeordneten der Linken, und der Organisierten Kriminalität? Am Montag wurde ein Chatverlauf zwischen Koçak und dem Sohn des Remmo-Clan-Chefs publik, in dem sie sich mit „Bruder“ ansprechen. Diese Enthüllung führte dazu, dass Koçak am Abend auf seinen sozialen Medien Stellung nahm und Konsequenzen ankündigte, die auf einige Parteikollegen unverständlich wirkten.
Firas Remmo, Sohn des Clan-Chefs Issa Remmo, teilte einen Screenshot aus dem Februar, in dem Koçak ihn auffordert, ein Video über Clankriminalität zu verbreiten. „Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen bitte“, schrieb der Politiker. Zudem schickte er Grüße an den Vater von Remmo und fragte, wann dieser im Büro sei, um ihn zu besuchen. Die Verbindungen zwischen Koçak und der Remmo-Familie stoßen auf heftige Kritik in der Öffentlichkeit.
Der Remmo-Clan ist eine arabische Großfamilie mit libanesischen Wurzeln, deren Mitglieder mit schweren Verbrechen in Verbindung stehen. Firas Remmo hat mehrere Vorstrafen, darunter Versuch der gefährlichen Körperverletzung, wie die Staatsanwaltschaft Berlin der Berliner Morgenpost bestätigte. Koçak äußerte sich am Montagabend zu den aufgetauchten Chats und erklärte, dass es verständlich sei, dass die Öffentlichkeit verunsichert sei. „Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen“, ließ er wissen und forderte eine umfassende Aufarbeitung der Nähe.
Er führte an, wöchentlich mit Hunderten aus Neukölln in Kontakt zu stehen und habe den Vater von Remmo lediglich höflich gegrüßt, ohne zu wissen, mit wem er es zu tun hatte. „Mir wurde erst später klar, mit wem ich schrieb. Der Fehler lag in dem Schreiben nach üblichem Vorgehen, was ich bedauere“, so Koçak weiter.
Der Bundestagsabgeordnete plant, sich zurückzuziehen, um „jedem Zweifel auszuräumen“ und sein Kommunikationsverhalten zu überdenken. Ob dies eine Aufgabe seines Mandats zur Folge haben wird, ist derzeit noch unklar. In den sozialen Medien wurde sein Statement heftig kritisiert.
Bereits im Vorjahr hatte Koçak gesagt, den angegriffenen Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim nicht zu kennen. Ibrahim wird mit der Volksfront zur Befreiung Palästinas in Verbindung gebracht, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht. Ein Foto von ihn und Koçak wurde kürzlich auf einer Wahlfeier in Neukölln entdeckt. Koçak distanzierte sich und sagte, er habe an diesem Abend Hunderte Fotos gemacht. Auch Issa Remmo war an diesem Abend anwesend. Die Linke teilte mit, dass sie den Clan-Chef des Saals verwiesen habe, als er erkannt wurde.
Die Art und Weise, wie Koçak mit diesen Vorwürfen umgeht, führt zu Unmut innerhalb seiner Partei. Petra Pau, frühere Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, äußerte am Montagabend: „Mir reicht es langsam. Als MdB hast Du Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben.“ Sie appellierte an Koçak, Verantwortung zu übernehmen.
- Doppelmord in Berlin: Mordkommission ermittelt nach Fund von Seniorenleichen
- Politischer Umbruch in Berlin: Vergesellschaftung im Fokus
Über den Autor
Julian K. ist im Berliner Kiezleben zu Hause und hält den Puls der Stadt im Blick. Seine Berichterstattung deckt das gesamte Spektrum ab – vom Profi- und Breitensport über Kulturveranstaltungen bis hin zu Eilmeldungen aus den zwölf Bezirken. Dank seines starken Netzwerks gehört er zu den Ersten, wenn es um aktuelle Ereignisse in der Metropolregion geht.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!