Prozessbeginn nach Femizid: Angeklagter in Berlin schweigt
Der Prozessbeginn im Fall eines mutmaßlichen Femizids in Alt-Hohenschönhausen hat jetzt vor dem Landgericht Berlin stattgefunden. Serhii M., 46 Jahre alt, steht im Verdacht, seine Partnerin in einer Grünanlage nahe der Altenhofer Straße brutal erschlagen zu haben. Laut Anklageschrift soll er am 9. Februar 2026 gegen Mitternacht „über längere Zeit und an mehreren Orten mit massiver stumpfer Gewalt“ auf den Kopf der 40-jährigen Frau eingewirkt haben. Schließlich sei das Opfer an einer Parkbank zusammengebrochen, wo sie kurz darauf an ihren Verletzungen starb. Die Verletzungen umfassten unter anderem mehrere Frakturen im Gesicht, einen Knacks am Hinterkopf sowie ein Schädelhirntrauma.
Als Serhii M. vor Gericht erschien, wirkte er zurückhaltend und fast ängstlich. Er reagierte auf Fragen zu seiner Person lediglich mit Nicken oder Kopfschütteln. Berichten zufolge ist er KFZ-Mechaniker und hat derzeit keine Wohnanschrift in Berlin.
In einer Mitteilung über seine Verteidigerin äußerte er, dass er sich an die Tat und die damalige Nacht nicht erinnern könne. Informationen der Berliner Morgenpost deuten darauf hin, dass sowohl der Angeklagte als auch das Opfer zur Tatzeit stark alkoholisiert waren. Auf die Frage des Richters nach einer Stellungnahme zu den Vorwürfen antwortete Serhii M. lediglich leise: „Ich wüsste nicht, was ich sagen soll.“
Beide, der Angeklagte und das Opfer, stammen aus der Ukraine und lebten zur Zeit der Tat gemeinsam in einem Wohnheim. Das Opfer wurde an einer kalten Winternacht auf einer Parkbank tot aufgefunden, nachdem um 3:30 Uhr die Einsatzkräfte alarmiert wurden. Serhii M. wurde noch in der Nacht in der Nähe des Tatorts festgenommen und befindet sich seither in Untersuchungshaft.
Die Gewalttat hat in Berlin große Besorgnis ausgelöst und Anlass zu einer Demonstration gegen Gewalt an Frauen gegeben. Rund 70 Menschen versammelten sich etwa eine Woche nach dem Vorfall vor dem Rathaus Lichtenberg, um ihren Kummer und ihre Empörung über den Vorfall zu zeigen. Für die Demonstrierenden war eindeutig, dass es sich um einen Femizid handelte, also die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts, häufig durch Männer aus ihrem persönlichen Umfeld.
An den Transparenten war zu lesen: „Man tötet nicht aus Liebe“ und „Femizide sind Morde“. Kritisiert wurde, dass solche Taten oft lediglich als Totschlag beurteilt werden. Doch auch in diesem Fall betrachtet die Anklage die Tat als Totschlag, da ein Motiv bislang nicht ermittelt werden konnte. Im Prozess tritt die Mutter des Opfers als Nebenklägerin auf, konnte jedoch beim Auftakt nicht anwesend sein, da sie sich zurzeit in der Ukraine befindet. Der Prozess wird in 13 weiteren Verhandlungstagen fortgesetzt, der nächste Tag ist am Mittwoch, dem 19. August.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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