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Streit um den Radweg an der Kantstraße: Umwelthilfe deckt interne Akten auf

Julian K. · 08. Oktober 2026, 12:37 Uhr · 4 Min. Lesezeit · 20 Aufrufe
Streit um den Radweg an der Kantstraße: Umwelthilfe deckt interne Akten auf

Der Konflikt um den geschützten Radweg an der Kantstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf erhält frischen Aufwind. Laut Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat die Organisation im Eilverfahren Zugang zu internen Akten der Senatsverwaltung für Verkehr erhalten und präsentiert nun eine anonymisierte Analyse dieser Dokumente. Aus der Sicht der Umweltorganisation zeigt sich ein eindrucksvolles Bild eines politischen Vorstoßes von Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU), der zunächst nicht von der zuständigen Fachabteilung der Verwaltung unterstützt wurde.

Der geplante Umbau, der mehr als zwei Millionen Euro kosten soll, sieht vor, den bisherigen geschützten Radweg abzuschaffen. Geplant ist stattdessen unter anderem eine Kombi-Spur für Busse und Radfahrer, während Parkplätze bestehen bleiben sollen. Die Deutsche Umwelthilfe wehrt sich gegen diesen Rückbau und hat zudem einen Eilantrag eines Radfahrers unterstützt. Die Senatsverwaltung für Verkehr hat mittlerweile jedoch zugesichert, dass während der Bauarbeiten vorübergehend ein separater, provisorisch geschützter Bereich für Radfahrer eingerichtet wird.

Besonders kritisch sieht die Deutsche Umwelthilfe die Entwicklungen innerhalb der Verkehrsverwaltung. Im Juli 2024 empfahl die zuständige Fachabteilung ausdrücklich, den damaligen Zustand beizubehalten. Im Oktober wurde dann überprüft, ob Radweg und Parkstreifen getauscht werden könnten. Fachleute wiesen auf zusätzliche Gefahren für Radfahrer hin. Ein von der CDU angeführtes Argument zur Notwendigkeit des Umbaus, das Problem mit der Feuerwehr, war zu diesem Zeitpunkt nicht klar erkennbar. Sogar am 21. Oktober 2024 konnte der damalige Staatssekretär der Verkehrsverwaltung kein entsprechendes Problem feststellen. Nur wenige Tage später stellte Senatorin Bonde den Umbau als abgestimmte Lösung vor, wobei der Brandschutz als Hauptbegründung genannt wurde.

Die Auswertung der Unterlagen lässt darauf schließen, dass die zuständige Fachabteilung zu diesem Zeitpunkt anscheinend kaum in die Entscheidungsprozesse eingebunden war. Die Mitarbeiter sollten die beschlossene "Lösung" umsetzen und entsprechende Planungsunterlagen erarbeiten, erhielten jedoch den Hinweis, dass es bislang "keinen entsprechenden Arbeitsauftrag" gegeben habe und die geplante Lösung lediglich "aus der Pressemeldung bekannt" sei. Auch die Gründe für die veränderte Verkehrsaufteilung seien demnach "noch nicht eindeutig erkennbar".

Im Frühling 2025 lag laut der Deutschen Umwelthilfe eine alternative Planung vor, die den Erhalt des geschützten Radwegs vorsah. Dennoch wies Bonde die Verwaltung im Mai 2025 an, die bereits geplante Variante mit dem Parkstreifen und der gemeinsamen Bus- und Radspur fortzuführen. Spätere Bedenken eines Planungsbüros im Dezember 2025 stellten zudem fest, dass der vorhandene Straßenquerschnitt nicht ausreiche, um die Standards für eine Busspur, die auch für Radfahrer freigegeben wäre, einzuhalten. Trotz dieser Warnungen wurde die Umsetzung weiter vorangetrieben. In einem Vermerk vom Januar 2026 heißt es: "Politische Vorgabe: Umsetzung vor Wahlen 2026."

Für die Deutsche Umwelthilfe ist dies ein klarer Hinweis auf einen politisch motivierten Rückbau, und ihr Geschäftsführer Jürgen Resch fordert, dass Bonde sich im Verkehrsausschuss rechtfertigen muss. Er kritisiert, dass die Entscheidung den Berliner Haushalt mit über zwei Millionen Euro belastet und trotz warnender Stimmen aus der Verwaltung vorangetrieben wurde.

Der Rückbau des Radwegs ist nach aktuellem Stand vorläufig verzögert. Die Senatsverwaltung für Verkehr hat im Eilverfahren dem Verwaltungsgericht mitgeteilt, dass während der gesamten Bauphase ein ausreichend dimensionierter und provisorisch geschützter Radverkehrsbereich eingerichtet wird. Vor diesem Hintergrund konnte die Deutsche Umwelthilfe ihren Eilantrag zurückziehen. Die tatsächliche Umgestaltung der Fahrspuren soll nach Auskunft der Umweltorganisation erst für das Frühjahr 2027 realisiert werden.

Die Entscheidung liegt nun in den Händen der kommenden Berliner Landesregierung. Vor der Wahl hatten sich SPD, Grüne und Linke gegenüber der Deutschen Umwelthilfe für einen Stopp der Rückbaupläne ausgesprochen. Auf eine entsprechende Anfrage der CDU erfolgte keine fristgerechte Antwort.

Die von der Deutschen Umwelthilfe veröffentlichten Dokumente könnten auch in den bevorstehenden Gesprächen zur Regierungsbildung über die Kantstraße zum Thema werden.

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Julian K.

Über den Autor

Julian K. Redakteur für Sport, Kultur & Lokales

Julian K. ist im Berliner Kiezleben zu Hause und hält den Puls der Stadt im Blick. Seine Berichterstattung deckt das gesamte Spektrum ab – vom Profi- und Breitensport über Kulturveranstaltungen bis hin zu Eilmeldungen aus den zwölf Bezirken. Dank seines starken Netzwerks gehört er zu den Ersten, wenn es um aktuelle Ereignisse in der Metropolregion geht.

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