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Wahlforschung: Stimmen für Kleinstparteien in Berlin?

Markus S. · 21. August 2026, 07:44 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 1 Aufrufe
Wahlforschung: Stimmen für Kleinstparteien in Berlin?

Am 20. September stehen in Berlin Wahlen an, bei denen 17 Parteien zur Auswahl stehen. Neben den größeren Parteien wie CDU, Linke, SPD, Grüne und AfD finden auch zahlreiche Klein- und Kleinstparteien Beachtung. Diese kleineren Parteien erhalten häufig weniger als fünf Prozent Zustimmung und werden oft in Umfragen unter ‚Sonstige‘ zusammengefasst. Aktuellen Umfragen zufolge zeigen die Kleinparteien in Berlin ein gemeinsames Ergebnis von etwa sieben Prozent.

Laut Dr. Jan Philipp Thomeczek, einem Experten für Parteien- und Wahlforschung an der Universität Potsdam, ist der Anstieg der Stimmen für Kleinparteien in Berlin dem Metropolen-Effekt zu verdanken. Thomeczek beschreibt Berlin als eine Stadt mit einer sehr heterogenen Bevölkerung, was es von anderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern unterscheidet. "Die Menschen in Berlin legen großen Wert auf unterschiedliche Themen, die von kleineren Parteien adressiert werden", erklärt er.

In Berlin wird häufig nach persönlichen Präferenzen gewählt. So könnten Wähler, bei denen der Tierschutz einen hohen Stellenwert hat, die Tierschutzpartei wählen. Thomeczek merkt an, dass dies sinnvoll ist, da Wahlen auch über zukünftige Perspektiven entscheiden. Parteien, die in den Umfragen gut abschneiden, aber dennoch nicht ins Parlament einziehen, erhalten oft höhere Mittel für die Wahlkampfkostenerstattung. Jedoch bedeutet eine Stimme für eine Partei, die nicht ins Parlament kommt, auch, dass die Stimmen anderen Parteien zugutekommen, die man nicht gewählt hat.

Bei Landtags- und Bundestagswahlen gibt es eine Fünf-Prozent-Hürde, die sicherstellt, dass nur Parteien mit genügend Unterstützung ins Parlament einziehen. Im Gegensatz dazu gilt bei Kommunalwahlen in Berlin nur eine Drei-Prozent-Hürde, die es auch kleineren Parteien ermöglicht, in die Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) einzuziehen, was es den anderen Parteien erleichtert, Mehrheiten zu bilden. Dies führt zu strategischen Überlegungen für die Wähler, insbesondere im Kontext der Wahlen in Sachsen-Anhalt.

Obwohl kleinere Parteien möglicherweise nicht in die Landesregierung einziehen, sollten ihre Wähler nicht automatisch denken, dass sie die AfD stärken. Thomeczek veranschaulicht dies mit der Metapher eines Kuchens, wo weniger Sitze unter mehr Parteien verteilt werden. Trotzdem bleibt die Wahlentscheidung bedeutend, denn sie kann direkte Auswirkungen auf die Verhältnisse im Parlament haben.

Thomeczek, der keine expliziten Wahlempfehlungen gibt, rät den Wählern, die Partei zu wählen, die ihrem eigenen standpunkt am nächsten steht. Es wäre wichtig, sich von aktuellen Umfragen nicht zu stark beeinflussen zu lassen, da diese oft missinterpretiert werden.

Eine noch nicht veröffentlichte Studie von Thomeczek und Kollegen untersucht, wie Wahlumfragen das Verhalten von Wählern beeinflussen, besonders bei Parteien, die im Range von fünf Prozent liegen. Erste Erkenntnisse zeigen, dass es für Wähler einen erheblichen Unterschied macht, ob eine Partei zwischen vier und fünf oder fünf und sechs Prozent liegt. Dabei ist die tatsächliche Wahrscheinlichkeit, dass dies der Fall ist, statistisch gesehen gleich hoch.

Die Vorlieben der Wähler können sich also stark ändern, je nachdem wie sie die Umfragen deuten. Ein Beispiel hierfür ist das Bündnis von Sahra Wagenknecht, das von einer hohen Umfragezahl auf insgesamt unter fünf Prozent gefallen ist. Thomeczek bezeichnet dies als ‚psychologischen Effekt‘, bei dem Wähler aufgrund der Umfragen nicht der Wahrheit entsprechend entscheiden.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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