Partielle Sonnenfinsternis über Berlin: Polizei regelt Andrang
In der Berliner Hauptstadt erlebte die Bevölkerung am Abend eine partielle Sonnenfinsternis, die zu einem reges Treiben und Jagd nach Sonnenfinsternis-Brillen führte. Ein besonders beliebter Ort war das Zeiss Großplanetarium im Prenzlauer Berg. Der Andrang dort war am späten Mittwochnachmittag so groß, dass die Polizei vor Ort erschien. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurde der Zutritt zum Planetarium geschlossen, da bereits zu viele Menschen anwesend waren. Die Polizei wies mit Megafonen darauf hin: „Aufgrund der Überfüllung bitten wir Sie dringend, nicht mehr zum Zeiss-Großplanetarium zu kommen.“
Berichten zufolge waren rund 3000 Menschen in der Nähe des Planetariums versammelt. Ein Polizeisprecher erklärte, dass die Beamten vor Ort seien, um die Menschenmengen zu sichern und in geordnete Bahnen zu lenken. Das Primärziel sei die Gefahrenabwehr gewesen. Zuvor war angekündigt worden, dass die Sonnenfinsternis-Brillen im Planetarium anlässlich der Langen Nacht der Astronomie kostenlos erhältlich seien, jedoch nur, solange der Vorrat reicht.
Aber auch in anderen Geschäften der Stadt, sogar vor nahezu jedem Optiker, bildeten sich lange Schlangen. Im Einkaufszentrum „Wilma“ an der Wilmersdorfer Straße herrschte ebenfalls großer Andrang. Christopher Förster von Space Instruments hatte am Dienstag Hunderte Brillen verkauft und dabei demonstriert, wie man diese korrekt benutzt. Am Mittwoch jedoch schloss das Unternehmen sein Büro, was viele, die vergeblich dort anriefen, enttäuschte. Auf Kleinanzeigen waren am Nachmittag noch einige Brillen zu finden, jedoch meist zu überhöhten Preisen. Während einige Anbieter 10 Euro verlangten, waren bei anderen Preisvorstellungen von mehreren Hundert Euro keine Seltenheit.
Die Atmosphäre am Röntgenplatz in Charlottenburg war eine andere: Dort wurden Sonnenbrillen für lediglich 5 Euro verkauft, was viele Menschen anlockte. Anders als bei früheren Ereignissen, wie der Sonnenfinsternis im März 2022, war diesmal bis zu 85 Prozent der Sonne verdeckt. Dieses Naturschauspiel fand kurz vor Sonnenuntergang bei extrem niedrigem Stand statt, ein solches Ereignis wird über Berlin in den nächsten 100 Jahren nicht wieder auftreten.
Die Beliebtheit der Schutzbrillen ist leicht erklärbar. Tilo Bergemann, Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam, betonte die Gefahren des direkten Blicks in die Sonne, da dieser innerhalb von Sekunden gesundheitlichen Schaden verursachen kann. Schutzbrillen sind momentan schwer zu finden, aber der Profi riet, die 83,9-prozentige Sonnenfinsternis gefahrlos mit einer selbstgebauten Lochkamera zu beobachten. DIY-Anleitungen gibt es reichlich im Internet. Ein direkter Blick in die Sonne sollte jedoch unbedingt vermieden werden. Eine totale Sonnenfinsternis konnte an diesem Tag nur von Island und Spanien aus beobachtet werden, weshalb das Zeiss-Großplanetarium das Spektakel live aus Spanien übertrug.
Vor 27 Jahren, am 11. August 1999, war in Deutschland das letzte Mal eine Sonnenfinsternis sichtbar. Die nächste partielle Sonnenfinsternis ist für 2025 angekündigt. Anlässlich des großen Astronomietages luden viele Sternwarten in Berlin und Potsdam zur Beobachtung der Sonnenfinsternis sowie der Perseiden ein. Die Stiftung Planetarium Berlin organisierte zusammen mit der Astronomischen Gesellschaft, der Vereinigung der Sternfreunde und dem Bundesforschungsministerium einen Aktionstag, während deutschlandweit Planetarien und Volkssternwarten Live-Himmelsbeobachtungen anboten.
Beliebte Beobachtungsstandorte in der Region waren der Teufelsberg, der Volkspark Prenzlauer Berg sowie der Pfingstberg. Wer großen Menschenmengen entgehen wollte, hatte viele Geheimtipps zur Auswahl. Journalist Philipp Siebert riet zu weniger frequentierten Orten wie dem Kienberg oder der Biesdorfer Höhe für gute Aussichten auf das Ereignis.
Neben der Sonnenfinsternis war auch der Perseiden-Meteorstrom am Himmel sichtbar. Besserer Sichtverhältnisse bot der Neumond, wodurch auf dem Land schätzungsweise bis zu 100 Sternschnuppen beobachtet werden konnten. Am Abend werden im Zeiss-Großplanetarium die totale Sonnenfinsternis sowie Expertenbeiträge live übertragen.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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