Evers: „Israel soll Palästina von der Hamas befreien“
Die Anhänger des Friedens waren als erste vor Ort. Eine kleine Gruppe älterer Menschen mit einem leistungsstarken Lautsprecher verbreitete ihre Botschaften des Friedens mit Russland und kritisierte die deutsche Unterstützung für die Ukraine. Während die Organisatoren der kurzfristig angesetzten Kundgebung gegen "linken Antisemitismus" vor rund 120 Anwesenden sprachen, hallten immer wieder friedliche Forderungen herüber.
Zusätzlich zog eine Mieten-Demonstration an der Humboldt-Universität vorbei. Die maskierten Aktivisten, die ein Transparent gegen linken Antisemitismus trugen, wandten sich dem weitaus größeren Zug zu. Es gab jedoch keine hörbaren Reaktionen aus der Mietendemo. Es wurden keine Beleidigungen gerufen und keine Proteste gegen die schwenkenden Israelflaggen. Lediglich eine große Palästina-Flagge wurde gezeigt. Der Vorwurf lautete, die Linkspartei normalisiere den Antisemitismus und trage zu seiner Verstärkung bei.
Rednerinnen beklagten Übergriffe auf jüdische Bürger in Berlin und warnten: "Wir werden von denen angegriffen, die Israel hassen." Es wurde darauf hingewiesen, dass der Antisemitismus drohe, in Regierungspositionen einzuziehen. Der Finanz- und Kultursenator Stefan Evers, der im Wahlkampf steht, lobte den Mut der Demonstrierenden und erklärte, dass er niemals akzeptieren werde, dass jüdische Menschen nicht "jederzeit und überall" in der Stadt der Freiheit leben können. Er bezeichnete die anti-israelischen und stark pro-palästinensischen Stimmen innerhalb der Linkspartei als ein Phänomen der gesamten Partei und warnte: "Der Antisemitismus hält Einzug in die Regierung und die künftige Koalition", insbesondere mit Blick auf seine linke Konkurrentin Elif Eralp. Evers betonte, solange die Hamas nicht besiegt sei, habe "Israel den Auftrag, Palästina von der Hamas zu befreien".
Christoph Meyer, der Berliner FDP-Chef und ebenfalls Redner, forderte eine Überwachung der Linkspartei durch den Verfassungsschutz. Er verwies auf das Verbreiten von Aufklebern mit Kalaschnikows an Neuköllner Schulen, das auf einen Beitrag des Jugendverbands Solid Neukölln Bezug nahm. Dieser hatte ein Hello-Kitty-Motiv mit einem Gewehr veröffentlicht und zum Klassenkampf aufgerufen.
Später gab Evers mehreren Fernsehsendern Interviews. Ein Mann, der ein T-Shirt mit der Aufschrift "another Jew for a free Palestine" trug, wollte ihn ansprechen. Er distanzierte sich von der Kundgebung und rief hinterher, er könne Evers sofort 50 Juden präsentieren, die gegen diese "Zionisten" seien. Der Kandidat musste sich jedoch eilends von seinem Ort entfernen.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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