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Erinnerungskultur in Berlin: Hans Rosenthal und die Opfer des NS-Regimes

Markus S. · 22. Oktober 2026, 05:37 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 1 Aufrufe
Erinnerungskultur in Berlin: Hans Rosenthal und die Opfer des NS-Regimes

In diesen Wochen fallen zwei große Litfaßsäulen an der Danziger Straße 219–221 und der Hermann-Hesse-Straße 26 in Berlin-Pankow ins Auge. Üblicherweise genutzt für Werbung und Veranstaltungen, zeigen sie Gesichter von Menschen, die während des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und getötet wurden. Die Initiative mit dem Titel „Sie wollten leben“ impliziert, dass es um persönliche Lebensgeschichten geht, nicht um anonymisierte Zahlen.

Das Projekt zielt darauf ab, die Erinnerung an diese tragischen Schicksale dorthin zu bringen, wo Menschen alltäglich unterwegs sind. Passanten, die zur Bahn, zum Bäcker oder zur Schule gehen, können innehalten und die Geschichten lesen. In Pankow gibt es zwei Standorte, die gezielt an Personen erinnern, die einst in diesem Bezirk lebten.

Auf den Säulen sind drei Biografien zu finden. Insgesamt beinhaltet das Projekt 25 Litfaßsäulen in ganz Berlin, die 75 Personen ein Gesicht geben sollen, so die Organisatoren. Diese Menschen stehen stellvertretend für mindestens 55.000 Frauen, Männer und Kinder aus Berlin, die dem Terror des Nationalsozialismus zum Opfer fielen.

Eine der Geschichten dürfte vielen bekannt sein: die von Hans Rosenthal, dem populären Showmaster, der mit seinen Sendungen wie „Dalli Dalli“ Generationen unterhielt. Das Publikum kannte ihn als fröhlichen Entertainer, doch seine Kindheit war von Kämpfen ums Überleben geprägt, da er als Jude in Berlin aufwuchs. Sein kleiner Bruder wurde deportiert und ermordet.

Rosenthal war bekannt dafür, stets ein frohes Gesicht zu zeigen. Eine Dokumentation mit dem Titel „Zwei Leben“ wurde zum 100. Geburtstag von Hans Rosenthal veröffentlicht und beleuchtet sein bewegtes Leben. Geboren im Stadtteil Wedding, verbrachte er seine Kindheit im Prenzlauer Berg. Erst in seinen späten Jahren sprach er offen über die Erlebnisse seiner Jugend.

Die Deportationen begannen am 18. Oktober 1941 mit dem ersten sogenannten „Osttransport“ von Berlin ins Ghetto Litzmannstadt, wo 1013 jüdische Menschen aus der Stadt deportiert wurden. Insgesamt wurden etwa 10.000 Personen aus Berlin in die Ghetto in den besetzten Gebieten gebracht.

Vor der Deportation mussten die Betroffenen ihr Handgepäck im Sammellager in der Synagoge Levetzowstraße abgeben. Unter den Augen der Bevölkerung gingen viele der deportierten Menschen acht Kilometer zum Güterbahnhof Grunewald. Aus Angst vor weiteren Verfolgungen nahmen sich etwa 1.600 jüdische Berline das Leben. Bis zur Beendigung des Regimes wurden auch Sinti, Roma, politische Gegner, Zeugen Jehovas sowie andere Gruppen verfolgt und getötet.

Bis zum 16. November 2026 wird an den Standorten mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen an die Verbrechen erinnert. Die Eröffnung des Gesamtprojekts fand in der Berline Gedächtniskirche statt, mit Unterstützung von Partnern wie der Evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde und dem Verein Gleis 69.

Eva Umlauf, eine Auschwitzüberlebende und Präsidentin des Internationalen Auschwitzkomitees, und Michael Meisels, ein Überlebender von Theresienstadt, engagieren sich ebenfalls in diesem Projekt. Umlauf ließ ein 3D-Hologramm von sich anfertigen, um auch über ihren Tod hinaus Zeugnis abzulegen.

Die aktuellen Gedenkstätten an der Danziger Straße und der Hermann-Hesse-Straße sollen zum Nachdenken anregen. Es dauert nur wenige Minuten, um eine Biografie zu lesen, doch die Geschichten bleiben oft länger im Gedächtnis als viele öffentliche Reden. Dieses Projekt erinnert daran, dass es sich um Menschen handelt, die Träume und Pläne hatten und deren Leben durch die nationalsozialistische Verfolgung jäh beendet wurde. Die vollständige Information über das Projekt gibt es auf der Website von Gleis 69.

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Markus S.

Über den Autor

Markus S. Chefredakteur

Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.

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