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Werner Graf: Ein neuer Ansatz der Berliner Grünen im Wahlkampf

Julian K. · 17. September 2026, 09:37 Uhr · 3 Min. Lesezeit · 4 Aufrufe
Werner Graf: Ein neuer Ansatz der Berliner Grünen im Wahlkampf

Es ist ein frostiger Samstagmorgen im Februar, als Werner Graf, der Spitzenkandidat der Grünen, im großen Saal eines Kongresshotels in Neukölln auftritt. Die Räume sind noch leer, der Parteitag, wo das Wahlprogramm beschlossen werden soll, beginnt in einer Stunde. Graf nutzt die Gelegenheit, um seinen Gesang zu testen, und singt das Biene-Maja-Lied. Als er zum nächsten, höheren Ton ansetzen will, ruft eine Mitarbeiterin lachend: „Stoooopp, das reicht.“ Der Tontechniker gibt ein Daumen hoch. Doch die Frage bleibt, ob Graf auch beim Wahlkampf den richtigen Ton trifft.

Nur drei Monate später, Anfang Mai, wartend auf ein Taxi zum Technischen Hilfswerk (THW), singt Graf spontan den Hit „36 Grad und es wird noch heißer“ von Inga Humpe. Später singt er vor einer Runde einen alten Schlager. Man könnte denken, Graf sei ein Showman, aber er bleibt ein sympathischer, oft gut gelaunter Politiker. Er ist durch die Stadt getourt, hat Diskussionen geleitet und Videos für Instagram gedreht, bleibt aber der Unbekannteste der Spitzenkandidaten. Laut einer Umfrage des RBB würde er bei einer hypothetischen Direktwahl nur vier Prozent der Stimmen bekommen.

Auf einer Spitzenrunde der Berliner Morgenpost muss Graf schließlich seine zentrale Wahlbotschaft präzisieren. Er äußert den Wunsch nach einer Politik, die den Leuten nicht nur Wunder verspricht, sondern pragmatisch den Alltag in Berlin verbessern will. „Ich fände es gut, wenn wir zu einer Politik gekommen sind, die… tatsächlich mal ansetzt, dass wir Berlin reparieren“, sagt er. Diese Botschaft bezieht sich auf angesammelte Probleme wie marode Schulen und Krankenhäuser, und trotz der Längen in seinen Aussagen ist der Appell klar: ein klimagerechtes, lebenswertes und bezahlbares Berlin.

Graf verfolgt einen moderierenden Ansatz, auch in der Frage der Enteignung großer Wohnungskonzerne, und betont den Wert des Kompromisses in der Demokratie. Geboren in der Oberpfalz und geprägt von seiner Zeit in der bayerischen Grünen Jugend, hat Graf viele Positionen innerhalb der Partei durchlebt und wird nun als Kandidat des pragmatischen Flügels wahrgenommen, obwohl seine Partei einen Drahtseilakt aus links-liberalem Programm und moderatem Ton vollzieht.

Zudem haben die Grünen erkannt, dass sie auf spitze Wahlforderungen verzichten sollten. Zwei von Graf genannten Sätze verdeutlichen diesen Ansatz: „Das Wesen der Demokratie ist der Kompromiss“ – ein Satz, der in Anbetracht der politischen Stimmung, besonders im Kontext einer möglichen Regierungskoalition, von Bedeutung ist.

Durch diese moderate Haltung könnte sich Graf in einem polarisierten politischen Klima als ausgleichende Kraft positionieren. Während sein Gegner, die AfD, eine alarmierende Präsenz zeigt, könnte Grafs Anliegen, die Stadt zusammenzuführen, auf Resonanz stoßen. Trotzdem bleibt die Frage offen, inwiefern er im Wahlkampf die nötige Aufmerksamkeit erlangen kann, um auch ins Amt des Regierenden Bürgermeisters zu gelangen. Der Erfolg der Grünen wird letztendlich daran gemessen werden, ob sie sich in den Koalitionsverhandlungen in eine starke Position bringen können.

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Julian K.

Über den Autor

Julian K. Redakteur für Sport, Kultur & Lokales

Julian K. ist im Berliner Kiezleben zu Hause und hält den Puls der Stadt im Blick. Seine Berichterstattung deckt das gesamte Spektrum ab – vom Profi- und Breitensport über Kulturveranstaltungen bis hin zu Eilmeldungen aus den zwölf Bezirken. Dank seines starken Netzwerks gehört er zu den Ersten, wenn es um aktuelle Ereignisse in der Metropolregion geht.

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