Projekt gibt stimmlosen Berlinern eine Stimme
Jeden fünf Jahre haben die Bürgerinnen und Bürger in Berlin die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben und somit die Zusammensetzung des Landesparlaments zu beeinflussen. Dieses recht hat jedoch nicht jeder: Fast eine Million Menschen in der Hauptstadt lebt ohne deutschen Pass und kann daher nicht an Wahlen teilnehmen. Laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg betrifft dies 976.000 Personen, was etwa einem Viertel der Erwachsenen entspricht. Da sie nicht wahlberechtigt sind, werden sie in großen Umfragen häufig nicht berücksichtigt.
Um dieser Gruppe eine Plattform zu bieten, wurde das Projekt "StimmlosTrend" von der Initiative „Wahlheymat“ ins Leben gerufen. Medienpartner ist die Berliner Morgenpost. Dieses Projekt erhebt ähnliche Fragen wie die durch den RBB beauftragte Umfrage BerlinTrend. Dabei werden unter anderem Aspekte wie bürgerschaftliches Engagement, Zukunftsperspektiven für Berlin und die Zufriedenheit mit der Arbeit des Senats thematisiert. Die Initiatoren hoffen, dass die Meinungen der Befragten, auch wenn sie nicht wählen können, in die öffentliche Diskussion einfließen können.
Die Pilotphase des Projekts begann im Juli und wurde bisher vor allem im Umfeld des Vereins Wahlheymat verbreitet. Erste, nicht repräsentative Rückmeldungen zeigen, dass viele Befragte hohe Mieten als das größte Problem empfinden. Esther Nass, Mitglied bei Wahlheymat und verantwortlich für den StimmlosTrend, erklärt: „Alle Berliner:innen, ob mit oder ohne deutschen Pass, teilen viele Themen, wie beispielsweise Wohnraum. Diese Herausforderungen sollten wir gemeinsam angehen.“ Zudem haben die bisherigen Antworten ergeben, dass fast alle Befragten wählen würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.
Offiziell startet das Projekt am 20. August in mehreren Sprachen, mit dem Ziel, vor der Wahl eine repräsentative Umfrage mit 2000 Teilnehmern durchzuführen. Ähnlich wie beim BerlinTrend, der etwa 1100 Antworten umfasst, wollen die Initiatoren ein umfassendes Bild der wichtigen Themen zeichnen. „Es leben fast eine Million Menschen in Berlin, die nicht mitbestimmen können, aber bereit wären, etwas beizutragen“, sagt Nass. „Wir können ihnen zwar keine Stimme im Wahllokal geben, aber sie können in der öffentlichen Debatte gehört werden.“
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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