Berlin kämpft gegen Waffengewalt und junge Täter
Die tödlichen Schüsse am geschäftigen Bahnhof Zoo erregen in Berlin die Gemüter und sorgen für ein mulmiges Gefühl. Oberstaatsanwalt Thorsten Cloidt, der die Organisierte Kriminalität in der Hauptstadt überwacht, äußert seine Hauptsorge: "Meine größte Sorge ist, dass unbeteiligte Menschen verletzt werden könnten." Laut Cloidt hat die Bedrohung zugenommen, da immer mehr Menschen in Berlin im Besitz von Schusswaffen sind.
Bereits im Frühjahr stellte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fest, dass kaum eine Nacht vergeht, ohne dass jemand zur Waffe greift. Jüngste Vorfälle bestätigen diese besorgniserregende Entwicklung: In der vergangenen Woche wurde ein 22-Jähriger im Graefekiez durch einen Schuss verletzt. Wenig später fanden Ermittler Einschusslöcher an einem Friseurladen sowie einer Bar in Marzahn-Hellersdorf. Die erschreckenden Ereignisse gipfelten schließlich in den tödlichen Schüssen am Bahnhof Zoo, die von Berlins GdP-Landesvorsitzendem Stephan Weh als besorgniserregend eingestuft werden.
In Bezug auf die Ursachen von Schusswaffengewalt wird deutlich, dass derartige Vorfälle meist durch Konflikte eskalieren, die früher mit Messern ausgetragen wurden. Diese Auseinandersetzungen können aus privaten Streitereien, familiären Konflikten oder Ehrverletzungen hervorgehen und auch durch Revierkämpfe im Drogenhandel entstehen. Besonders gefährdet sind türkisch-kurdische Geschäftsinhaber, die von mutmaßlichen Mitgliedern der organisierten Kriminalität Opfer von Schutzgelderpressungen werden.
Als Reaktion auf die steigende Waffengewalt haben Polizei und Staatsanwaltschaft spezielle Einheiten wie "Ferrum" und "Telum" ins Leben gerufen. Diese haben seit ihrer Gründung bereits über 50 Verdächtige in Untersuchungshaft genommen und zahlreiche Haftbefehle erlassen. Im Rahmen dieser Maßnahmen hat "Ferrum" in den letzten neun Monaten mehr als 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Berichten zufolge hat die Kriminalstatistik in den letzten Jahren alarmierende Entwicklungen gezeigt: 2025 registrierte die Berliner Polizei 1119 Fälle von Schusswaffengebrauch, einschließlich Drohungen. Dies stellt einen Anstieg von 68 Prozent im Vergleich zu 2024 dar. Auch die Anzahl der teilweisen Schusswaffenvorfälle hat zugenommen, was teilweise auf eine genauere Erfassung zur Nutzung von Waffen zurückzuführen ist.
Der BDK berichtete zudem, dass bundesweit ein Anstieg von 12,7 Prozent bei Drohungen mit Schusswaffen festgestellt wurde. Trotz eines Rückgangs an tatsächlichen Schussabgaben um 8,7 Prozent bleibt die Situation kritisch. Der BDK-Bundesvorsitzende Dirk Peglow mahnt, dass der Anstieg der Waffenkriminalität seit 2021 nicht ignoriert werden sollte.
Ein besonderes Anliegen von Polizei und Justiz ist die Kontrolle über illegale Schusswaffen, hießen es bei einer kürzlich erfolgten Pressekonferenz. Ein großer Teil der beschlagnahmten Waffen stammt von illegalen Fabriken, vor allem aus der Türkei. Eine kürzliche Ermittlung des Berliner LKA legte eine deutsch-türkische Organisation offen, die legale Schreckschusswaffen in scharfe Waffen umbaute. Um der Waffengewalt in Berlin entgegenzuwirken, betont Cloidt, dass es von großer Bedeutung sei, den Zustrom illegaler Waffen zu bremsen, während gleichzeitig konstatiert wird, dass dies ein langfristiger Prozess ist.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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