Protestbanner am Freibad der Volksbühne rasch entfernt
Vor dem Freibad an der Volksbühne wurde am Freitag ein auffälliges Protestbanner angebracht, auf dem in großen Buchstaben zu lesen war: „Fickt euch!“ Diese Botschaft zielte offensichtlich auf die Personen ab, die der Veranstaltung, bei der nur Schwarze Menschen im Freibad schwimmen sollten, einen Riegel vorgeschoben hatten. Intendant Matthias Lilienthal wollte dies zunächst nicht kommentieren und sagte gegenüber dem „Tagesspiegel“: „Das wollen wir unkommentiert so stehen lassen.“
Die Veranstaltung war von der Volksbühne und dem Verein „Each One Teach One“ (EOTO) aufgrund von rassistischen Äußerungen und Drohungen abgesagt worden. Es wurde erklärt, dass es keine Garantie für die sichere An- und Abreise der Teilnehmer geben könne, ebenso wenig wie für einen entspannten Aufenthalt im Freibad. Am Samstag verschwand das Protestbanner und zurück blieb lediglich ein Zettel mit einer Stellungnahme von EOTO sowie eine Pappe mit der Aufschrift „Solidarität mit Schwarzen Menschen“. Das Freibad eröffnete am Samstag um 12 Uhr erneut seine Pforten.
Die Anmietung des Schwimmbades durch EOTO hatte zuvor zu massiver Kritik aus konservativen bis rechtsextremen Kreisen geführt. AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnete dies als „Apartheid“, in Anspielung auf das alte politische System in Südafrika. Das rechtspopulistische Medium „Nius“ empfand es als „Schwimmverbot für Weiße“. In der Folge erhielt der Verein Drohungen, was die Volksbühne dazu veranlasste, das Bad am Freitag zu schließen. Intendant Lilienthal erklärte, dass das Bad wie vorgesehen am Samstag wieder öffnet.
Cansel Kiziltepe, die Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, äußerte sich gegenüber der Berliner Morgenpost zu den Vorfällen. Sie betonte, dass Angebote speziell für Menschen, die Rassismus und strukturelle Benachteiligung erleben, keine Diskriminierung darstellen. Solche Maßnahmen seien laut dem Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz ausdrücklich erlaubt. EOTO leiste seit Jahren wertvolle Arbeit für die schwarze Community in Berlin, und die aktuellen Drohungen gegen den Verein seien völlig inakzeptabel.
Stefan Evers, der Spitzenkandidat der Berliner CDU und Kultursenator, kritisierte ebenfalls die Absage des Schwimmens für die schwarze Community im Volksbad. Er erklärte dem „Tagesspiegel“, dass Gewaltandrohungen gegen Kunstprojekte ebenso inakzeptabel seien wie die Bedrohung kritischer Stimmen. Evers forderte ein sicheres Umfeld für alle Bürger der Stadt, unabhängig von ihrem Aussehen, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Meinung.
- Frida (6) im Rollstuhl erhält Auto: Ein Geschenk der Freiheit
- 48-Jähriger in Köpenick nach Messerattacke notoperiert
Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!