Kritik an S-Bahnlinie 95: Nur Halbzüge geplant
Die S-Bahnlinie 95, eines der ehrgeizigsten Verkehrsprojekte im Osten Berlins, soll in Zukunft eine Verbindung zwischen Birkenwerder und dem Flughafen BER schaffen. Auf dieser Strecke sind mehrere neue Bahnhöfe geplant, darunter an der Dörpfeldstraße, in Biesdorf-Süd und in der Wuhlheide. Dort wird ein Umstieg auf andere Verkehrsmittel wie die Straßenbahn, die U5 und die S3 ermöglicht werden.
Wann der Bau der S95 tatsächlich beginnen wird, bleibt ungewiss. Vor zwei Jahren hatte die damalige Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) den Zeitraum um 2034 als frühesten Starttermin genannt. Aktuelle Informationen aus einer parlamentarischen Anfrage der Grünen-Abgeordneten Antje Kapek, die am 14. Juli gestellt wurde, werfen nun ein Licht darauf, wie der Senat die Betriebsführung der Linie plant. Die Zeitung „Neues Deutschland“ berichtete zuerst darüber.
Die entscheidende Aussage der Verkehrsverwaltung ist, dass zur Sicherstellung von Fördermitteln des Bundes lediglich Halbzüge mit vier statt der üblichen acht Wagen eingesetzt werden können. Diese Schlussfolgerung basiert auf einer Nutzen-Kosten-Analyse, die zeigte, dass andere Optionen nicht wirtschaftlich seien und somit nicht förderfähig. Ein geplantes Kreuzungsbahnhofprojekt namens Biesdorfer Kreuz, das eine Anbindung an die S5 gewährleisten sollte, erhielt ebenfalls eine Absage, da die Verkehrsverwaltung der Meinung war, dass hierdurch die „örtliche Erschließung“ nicht verbessert würde und es zu den bereits bestehenden „Fahrplankonflikten“ auf der S5 kommen könnte.
Die Kritik an diesen Vorschlägen ließ nicht lange auf sich warten. In einem Statement gegenüber dem „Neuen Deutschland“ bezeichnete das Bündnis Schiene Berlin-Brandenburg (BSBB) den Einsatz von Vier-Wagen-Zügen als „Irrweg“, insbesondere angesichts der steigenden Fahrgastzahlen und der notwendigen Verkehrswende im Sinne des Klimaschutzes. Zudem wurde der Verzicht auf den Bahnhof Biesdorfer Kreuz als „fachlich schwerer Fehler“ eingeordnet, da die S5 eine stark frequentierte Verbindung darstellt, die für den Umstieg auf andere Verkehrsmittel von Bedeutung ist.
Das Bündnis äußerte zudem grundlegende Anliegen und plädierte dafür, statt der S-Bahn lieber Regionalzüge einzusetzen. In der Stellungnahme heißt es, dass nahezu alle Fachleute zu dem Schluss gekommen seien, dass der Regionalverkehr „bessere und flexiblere Möglichkeiten“ biete, da diese Züge weiter ins Umland fahren könnten und somit den Verkehrswert erheblich steigern würden.
- Antisemitischer Vorfall in Berlins U-Bahn schockiert Passagiere
- Fünf Jahre Taliban: Eine Künstlerin setzt ein Zeichen in Berlin
Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!