Fünf Jahre Taliban: Eine Künstlerin setzt ein Zeichen in Berlin
Zum Anlass des fünften Jahrestags der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan setzt die Initiative Kabul Luftbrücke ein starkes Zeichen in Berlin. In der Nähe der bekannten East Side Gallery wird die Künstlerin Anne Bengard das Werk ihrer afghanischen Kollegin auf eine Hauswand übertragen. Diese Künstlerin lebt weiterhin unter der Herrschaft der Taliban in Kabul und arbeitet aus Sicherheitsgründen unter dem Pseudonym „Reha“, was übersetzt „Freiheit“ bedeutet. Ihr beeindruckendes Wandbild, das eine Vielzahl von Augen hinter einem schweren, roten Vorhang zeigt, ist ein kraftvolles Symbol für den stillen Widerstand und die verborgene Beobachtung der Menschen in Afghanistan.
Unmittelbar nach der Kunstaktion ist eine Kundgebung geplant, zu der bereits 175 Teilnehmer angemeldet sind. Bei dieser Veranstaltung werden mehrere afghanische Redner ihre Stimmen erheben, und die Kundgebung wird bis 18 Uhr dauern. Die Künstlerin „Reha“, die das Gefühl der Gefangenschaft und Beobachtung in Afghanistan verkörpern möchte, beschreibt die bedrängte Situation der Frauen in ihrem Land. Anne Bengard möchte mit ihrer Arbeit als „Sprache und Werkzeug“ für ihre afghanische Kollegin dienen. Im Gespräch betont sie, dass viele afghanische Künstlerinnen erleben mussten, dass ihre Werke zerstört wurden und sie ihre Kunst nicht mehr frei ausüben können. In Berlin spürt sie jedoch keine Angst vor persönlichen Konsequenzen.
Die brutale Realität für Frauen unter dem Taliban-Regime, zu dem unter anderem ein Verbot des Singens, der Ausschluss von Bildung ab der siebten Klasse und die faktische Einsperrung im eigenen Zuhause gehört, wird durch die Zusammenarbeit für Anne Bengard sehr konkret. Eine geflüchtete Afghanin, die vor drei Jahren nach Deutschland kam, erzählt von ihrer Angst, die sie bereits vor 30 Jahren bei der ersten Machtübernahme der Taliban verspürte. Selbst in Deutschland hat sie das Gefühl, nicht sicher zu sein. Bei der Veranstaltung ist es den Anwesenden nicht möglich, ihre Identität offen zu zeigen; sie möchten keine Fotos in den Medien haben. Berichte der Vereinten Nationen belegen, dass die Taliban Listen führen, um ehemalige Mitarbeiter der afghanischen Regierung, Sicherheitskräfte und Kritiker zu verfolgen.
Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass die afghanische Regierung plant, eine Taliban-Flagge an der Botschaft in Berlin zu hissen. Bis jetzt weht jedoch weiterhin die Schwarz-Rot-Grüne Flagge der Islamischen Republik Afghanistan am Eingang der Botschaft, die in einer leicht überarbeiteten Form von 2013 präsentiert wird. Eine Taliban-Mitgliedschaft wurde im März 2026 im diplomatischen Apparat des afghanischen Botschaft als Geschäftsträger und De-facto-Leiter eingesetzt. Dieser Schritt bedeutet, dass die Botschaft in Deutschland erstmals unter direkter Kontrolle der Taliban steht, während die Bundesregierung das Taliban-Regime weiterhin nicht anerkennt.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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