Berliner Behörden kämpfen nach Hackerangriff mit IT-Problemen
Die Berliner Verwaltung sieht sich derzeit mit erheblichen IT-Problemen konfrontiert. Nach einem Hackerangriff sind die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung sowie für Mobilität und Umwelt vom Landesnetz getrennt und nur eingeschränkt funktionsfähig. Auch die Webseite, über die Wähler ihre Briefwahlunterlagen anfordern können, war in den vergangenen Tagen schwer erreichbar. Nutzer stießen besonders am Dienstag nahezu den ganzen Tag auf die Mitteilung, dass die Seite des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo) nicht abrufbar sei. Am Mittwochmorgen konnte die Störung jedoch behoben werden. Laut dem Landeswahlamt wurden bis 14:00 Uhr bereits 21.503 Anträge bearbeitet. Ob die Probleme nun dauerhaft gelöst sind, bleibt weiterhin Gegenstand von Prüfungen und Beobachtungen.
Die Senatsinnenverwaltung, die für das Labo verantwortlich ist, gab an, dass die Webseite mit "Kapazitätsproblemen" kämpfte und zeitweise auch funktionierte. Diese Schwierigkeiten stünden jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Hackerangriff, über den die Senatskanzlei am Montag informiert hatte, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet, um den Verursacher der Attacke auf das Berliner Landesnetz zu identifizieren.
Die betroffenen Senatsressorts betreiben ihren Teil des Landesnetzes eigenverantwortlich und ohne die Unterstützung des landeseigenen IT-Dienstleisters ITDZ. Es handelt sich hierbei nicht um einen Erpressungsversuch, sondern um einen großangelegten Netzangriff. Es wird angenommen, dass die Schadsoftware durch einen Mausklick eines Angestellten auf einen schädlichen Datei-Anhang ins System gelangte. Ob dabei sensible Daten betroffen waren, bleibt ungewiss.
Insider berichten jedoch, dass die Überprüfungen des angegriffenen Netzes möglicherweise negative Auswirkungen auf die Briefwahl-Seite haben könnten. Aktuell werden umfassende Scans im gesamten Netz durchgeführt, um potenzielle Schäden zu identifizieren, was das System zusätzlich belastet. Zudem wird spekuliert, dass die Verantwortlichen um Landeswahlleiter Stefan Bröchler die Nachfrage an Briefwahlunterlagen unterschätzt haben könnten. Wahlbenachrichtigungen sind bis jetzt verteilt worden, und viele Bürger versuchen, die Antragsformulare über den QR-Code auf den Briefen zu erreichen. Ein Experte erklärte, dass das Labo in diesem Fall offenbar eine Fehleinschätzung vorgenommen hätte.
Die IT-Sicherheit in Berlin ist ein seit längerer Zeit bekanntes Thema. Externe IT-Experten sehen eine Mitverantwortung der Behördenleitungen für die Cyberangriffe. IT-Spezialist Christopher Helm betont, dass alle Mitarbeitenden jährlich geschult werden müssten, um solche Angriffe abzuwehren, was allerdings unzureichend umgesetzt worden sei. Der "Umsetzungsbericht zum E-Government" von Ende Dezember 2025 zeigt alarmierende Ergebnisse, die auf personelle Ressourcenengpässe hinweisen. Die im Bericht angesprochenen Rollen für IT-Überprüfungen seien in vielen Behörden nicht besetzt gewesen. Die Linke kritisierte ebenfalls, dass aus Anhörungen im Innenausschuss im Dezember 2025 bekannt sei, dass die Sicherheit des Landesnetzes seit längerem nicht gegeben sei. Fraktionsvorsitzender Tobias Schulze erklärte, der Senat habe offenbar nicht die nötigen Konsequenzen gezogen und weiter auf optimistische Annahmen gesetzt.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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