Felor Badenberg und die Plagiatsvorwürfe: Eine brisante Prüfung
Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg, Mitglied der CDU, sieht sich nach Vorwürfen von Plagiaten mit einer Überprüfung ihrer Doktorarbeit konfrontiert. Der zeitliche Kontext ist besonders problematisch, da am 20. September die Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin stattfinden. Badenberg ist die Spitzenkandidatin auf der Bezirksliste für Charlottenburg-Wilmersdorf.
Der Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber aus Österreich hat nach eigenen Angaben mehr als 80 Plagiate in Badenbergs Dissertation an der Universität Köln entdeckt und ein entsprechendes Gutachten erstellt. Weber spricht von "83 Plagiatsfragmenten", die gravierende Probleme aufwerfen. Unter den beanstandeten Passagen befinden sich sowohl Sätze als auch komplette Absätze, die angeblich abgeschrieben wurden, und sogar die Danksagung zu Beginn der Arbeit wird von ihm kritisiert.
Auf die Vorwürfe selbst hat Badenberg inhaltlich noch nicht reagiert. Sie erklärte jedoch: "Die Dissertation wurde nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt." Zudem habe sie die Hochschule kontaktiert, an der sie promoviert hat, und die Universität Köln gebeten, ihre Arbeit unabhängig und umfassend zu überprüfen. Der wissenschaftliche Prozess zur Bewertung der betreffenden Fundstellen sei Teil dieser Untersuchung.
Wie Weber dazu kam, Badenbergs Dissertation unter die Lupe zu nehmen, ließ er offen. Auf Nachfragen antwortete er der Deutschen Presse-Agentur, dass er als Berufsdetektiv zu Verschwiegenheit verpflichtet sei und keine Angaben zu möglichen Auftraggebern machen könne. Weber, der als "Plagiatsjäger" bekannt ist, wird auch für solche Überprüfungen beauftragt. So präsentierte die AfD-Fraktion in Thüringen ein Gutachten von Weber, das Plagiatsstellen in der Arbeit von CDU-Ministerpräsident Mario Voigt aufzeigen sollte.
Weber hat seit 2007 Hunderte akademische Arbeiten untersucht, darunter Dissertationen, Buchmanuskripte und Gerichtsgutachten. Auf seiner Webseite führt er 16 Fälle auf, in denen akademische Titel aufgrund seiner Gutachten rechtskräftig aberkannt wurden. Zu den Personen, die nach seinen Recherchen Probleme mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten hatten, zählen neben Voigt auch prominente Politiker wie Annalena Baerbock, Robert Habeck, Armin Laschet und Frauke Brosius-Gersdorf.
Derzeit hat Badenberg die Universität Köln mit der Überprüfung ihrer Dissertation beauftragt, jedoch bleibt unklar, wie der Prozess konkret ablaufen wird und wie lange er dauern könnte. Seit 2023 ist Badenberg Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz in Berlin. Ursprünglich parteilos, trat sie ein Jahr später der CDU bei und ist nun auch Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Badenberg, die im Iran geboren wurde, kam 1987 nach Deutschland, studierte Jura und war im Bundesamt für Verfassungsschutz tätig.
Die Enthüllungen könnten weitreichende Auswirkungen für die CDU haben, da sie einen Monat vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin publik wurden. Badenberg kandidiert als Spitzenkandidatin in ihrem Bezirk, und die CDU regiert derzeit gemeinsam mit der SPD. In der Zwischenzeit wurde Badenberg als mögliche Nachfolgerin für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner gehandelt. Wegner wird jedoch aufgrund der Kontroversen um sein Krisenmanagement nicht erneut antreten. Stattdessen wurde Finanzsenator Stefan Evers als neuer Spitzenkandidat nominiert, der Badenbergs Arbeit in der Regierung lobte und ihre proaktive Kontaktaufnahme zur Universität Köln in Bezug auf die Untersuchung unterstützt.
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Über den Autor
Mit über 15 Jahren Erfahrung im Hauptstadtsjournalismus leitet Markus S. die Redaktion von Hauptstadt-Report.de. Sein Fokus liegt auf der politischen Berichterstattung aus dem Berliner Senat und der Einordnung komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Er steht für kompromisslose Unabhängigkeit, präzise Analysen und die Einhaltung höchster journalistischer Standards.
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